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Landeszeitung

16. Dezember 2017 | 20:29 Uhr

Haale : Erleichterung nach dem Urteil

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bürger aus dem Ort der Bluttat sehnten Richterspruch herbei. Der Bundesgerichtshof entscheidet indes frühestens im August 2016 über Revision.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2015 | 18:28 Uhr

Das Urteil im Fall des Doppelmords von Haale ist mit Spannung erwartet worden. Nicht nur unter den rund 60 Zuhörern am Montag im Schwurgerichtssaal des Kieler Landgerichts, sondern auch im Ort, in dem sich die Tat vor rund 13 Monaten ereignete. Nachdem Dennis N. für schuldig befunden wurde, die beiden Frauen getötet zu haben, und dafür die Höchststrafe erhielt, macht sich nun auch Erleichterung breit.

Die Wartezeit bis zum Beginn der Gerichtsverhandlung sei schon sehr lang gewesen, sagte Haales Bürgermeister Bernd Holm gestern zur Landeszeitung. Deshalb sei das Urteil von vielen Einwohnern inzwischen herbeigesehnt worden. „Ein kleines bisschen erleichtert ist wohl jeder hier im Ort“, sagte Holm über das Ende des Verfahrens. Einige Bürger haben den Prozess auch direkt in Kiel verfolgt. Ein wenig Unsicherheit bleibe jedoch, weil sich Dennis N. während des Verfahrens nicht zu den Vorwürfen geäußert habe und keine direkten Beweise gefunden wurden.

Die Schwurgerichtskammer hatte den 29-jährigen Auto-Mechaniker aus Beringstedt wegen der Morde an Regina F. (57) und Inge S. (83) zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und zudem eine besondere Schwere der Schuld festgestellt (wir berichteten). Der Richterspruch stützte sich ausschließlich auf Indizien.

Ob in Haale ein Schlussstrich unter dieses Kapitel gezogen werden kann, ist jedoch offen. Denn die Verteidiger von Dennis N. kündigten bereits Revision an. Dafür haben sie noch bis zum kommenden Montag Zeit. Dann muss der Antrag beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorliegen. Die Begründung können die Anwälte nachreichen. Laut Sprecherin Karin Witt vom Landgericht Kiel haben sie damit die Möglichkeit, formelle oder inhaltliche Fehler des Urteils zu rügen. Gerechnet wird jedoch damit, dass die Indizienkette angezweifelt wird. Laut Karin Witt ist kaum absehbar, wie der Gerichtshof auf Grundlage des Urteils entscheidet. Sollten die Richter Zweifel daran haben, könne es sein, dass der gesamte Prozess neu aufgerollt werden muss. Es sei auch möglich, dass sich die Richter dazu entscheiden, Dennis N. direkt aus Karlsruhe freizusprechen. „So etwas kommt selten vor“, sagte sie. Zudem gehe die Kammer davon aus, dass das Urteil Bestand hat. Ihr sei kein Schwurgerichts-Fall in Schleswig-Holstein bekannt, in dem jemand zu Unrecht verurteilt wurde. Deshalb sei damit zu rechnen, dass das Urteil als fehlerfrei angesehen und der Revisionsantrag damit zurückgewiesen wird. Bei Bedenken können die Karlsruher Richter das Urteil auch aufheben und an das Landgericht Kiel zurückverweisen, damit es unter den zweifelhaften Gesichtspunkten noch einmal geprüft wird.

Bis zu einer Entscheidung dauert es jedoch noch Monate. Zunächst hat das Landgericht nun bis zum 21. Februar Zeit, das Urteil auszufertigen. Erst dann kann der Bundesgerichtshof tätig werden. Mit einer Entscheidung über den Revisionsantrag wird in Kiel frühestens nach einem halben Jahr gerechnet – also im August 2016.

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