Konzert im Bullentempel : Erinnerung an Rock-Geschichte

Die Gruppe „Whispering Noize“ sorgte orginalgetreut mit Kostümen für den Sound der 70er-Jahre.
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Die Gruppe „Whispering Noize“ sorgte orginalgetreut mit Kostümen für den Sound der 70er-Jahre.

Vier Musikgruppen feierten am vergangenen Sonnabend im Bullentempel mit einem Konzert den Abschied von Betreiber Frank Lange.

shz.de von
29. Dezember 2014, 05:01 Uhr

„Der Bullentempel sagt Tschüß“: Nicht wirklich. Nur der Betreiber wechselt. Das hat der Senat der Stadt Rendsburg beschlossen und damit das Ende einer Ära besiegelt. Grund genug für Frank Lange, das bevorstehende Ende seiner Pächter-Zeit mit einer groß besetzten Konzert-Abschlusswoche zu begehen. Vier Bands erinnerten an die große Rock-Geschichte der Nordmarkhalle.

„Soul Factory“ machte am vergangenen Sonnabend den Anfang: „Hold on, I`m coming“ – kraftvolle Ermutigung dieser Truppe von insgesamt acht Musikern. Am Schlagzeug: Sönke Hermannsen, auch Lehrer an der Rendsburger Musikschule. Er setzte für diesen Abend den Maßstab hoch an. Danach: Die Clem Clempson-Band: Power-Blues von Könnern, weit mehr als nur die Begleitband der Rock-Legende Chris Farlowe. Ein trotz aller körperlicher Beschwerden jung gebliebener Sänger, auch Vorbild für so manchen 74-Jährigen: „I don`t need no doctor“ singt er. Wer Farlowes Lebensgeschichte nicht kennt, nimmt ihm das sofort ab.


„The Rattles“ sorgten für reichlich Stimmung


Voller Energie und natürlich gekonnt – nach weit über 50 Jahren auf der Bühne selbstverständlich – lebt er seine Standards vor. Immer wieder und genau auf den Punkt treffend. „Wahnsinn, wie lebendig er auf der Bühne agiert, wie viel Energie von ihm ausgeht.“ „Without you“ ginge das nicht. „Thank you for the beer, much better than water“ bedankt Farlowe sich an diesem denkwürdigen Abend. Keine Spur von Traurigkeit, auch wenn der Text des „Stormy-Monday-Blues“ keinesfalls fröhlich macht. Für Chris Farlowe ist wichtig, dass sein Publikum Musik mag und sich gut fühlt. Die Bestätigung kommt sofort. „Spitzenmensch here in Rendsburg“ bedankte er sich bei den Fans.

Dann die Rattles: 1960 gegründet, immer wieder erfolgreich, auch an diesem Abend: Ein gekonnter Mix aus Hits, aber auch Bandgeschichte live: Starclub Hamburg, Vorgruppe bei den Rolling Stones und den Beatles. Denen fühlte man sich nun ganz nah. Wer sich an der eigenen Geschichte labt, ist alt. Zumindest an Jahren, hat aber auch Erfahrung und weiß, wie man die eigene Begeisterung ins Publikum überträgt.

So wurde der Auftritt der Vier aus Hamburg zum Höhepunkt des Abends, darin besonders das Schlagzeugsolo von Dicky Tarrach: Sieben Minuten! Und dann noch besonders besonders: Das Gitarrensolo von Manni Krasky. Mit seiner Funk-Gitarre springt er ins Publikum und legt ein legendäres Solo hin. Unvergessliche 10 Minuten! Eine gekonnte Reminiszenz an Jimi Hendrix, mit Voodoo Chile, Hey Joe, und „Peter Gunn“ bis zum „Dritten Mann“: Intelligent gedacht, gekonnt gemacht und mit Witz gespielt. Davor und danach gab es bekannte Rattle-Hits: „Come on and sing, Sha la la la lee“ und Cover-Versionen wie „Peggy Sue“ von Buddy Holly. Ganz neu von der nächsten CD auch den Tom-Jones-Titel „Delilah“. Große Hit-Geschichte live im Bullentempel! Zum Schluss spielten sogar mehrere Luftgitarre -Solisten im Publikum mit. „Es war sensationell“ empfand nicht nur der Rattles-Bass-Mann Herbert Hildebrandt.


Musik aus den 70er-Jahren mit „Whispering Noize“


Weit nach Mitternacht waren die jüngsten dran: Musik aus den 70er-Jahren mit „Whispering Noize“, gekonnt gemacht und mit viel Selbstbewusstsein präsentiert – wie die mutigen Perücken zeigten. Ganz anders, als von den vorherigen Rhythm&Blues Bands. Vorboten einer anderen Musikzeit? Man wird hören und sehen. Erstmal „Tschüß“ Bullentempel.

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