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Landeszeitung

24. Oktober 2017 | 04:41 Uhr

Erfolgsrezept in Waffelform

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Am Wochenende bewirten Edith und Werner Hauschildt das letzte Mal Gäste im „Olen Hus“ / Im Frühjahr soll das Café wieder öffnen

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2015 | 13:20 Uhr

Ein Erfolgsrezept kann manchmal ganz einfach sein – gelegentlich reichen Waffeln, gebacken auf einem mit Holz befeuerten Ofen, und heiße Kirschen. Dafür ist „Dat Ole Hus“ in Aukrug seit mehr als 30 Jahren weit über die Kreisgrenzen hinaus bekannt und beliebt. Heute und morgen noch haben Edith und Werner Hauschildt in dem Café und Heimatkundemuseum das Sagen. Ende des Jahres läuft ihr Pachtvertrag mit der Gemeinde aus – und eine Ära geht zu Ende.

1961 kaufte das Ehepaar das Bauern-Wohnhaus im Ortsteil Bünzen, das mittlerweile über 300 Jahre alt ist. Die Idee, ein Museum daraus zu machen, bestand von Anfang an. „Mein Mann war zu der Zeit als Malermeister viel in Aukrug und Umgebung unterwegs, und ich habe bei ihm mitgearbeitet. Wenn wir den Kunden von unseren Plänen, ein Museum zu eröffnen, erzählt haben, haben wir viele alte Dinge geschenkt bekommen – damals war man froh, wenn man den Kram los war“, berichtet die 81-Jährige, wie sie zu den vielen Ausstellungsstücken gekommen ist. Sie sei es auch gewesen, die sich das mit dem Café ausgedacht habe: „Als Museumsbesucher braucht man auch was zu essen. Und wir hatten so viele alte Waffeleisen für den Ofen“, fasst Hauschildt den simplen Weg zu einer gut funktionierenden Idee zusammen. In die Tat umgesetzt wurde sie schließlich Anfang der 1980er-Jahre.

Das Angebot vom „Waffelessen satt“ sei von Anfang an gut angenommen worden. Werbung mussten die Hauschildts nicht machen, die Mund-zu-Mund-Propaganda reichte, um die Besucher an den Wochenenden nach Aukrug zu locken. Viele Gäste kämen auch heute noch aus Hamburg und dem Umland. Aber auch zahlreiche ausländische Besucher haben sich das „Ole Hus“ im Laufe der vergangenen Jahrzehnte angesehen. „Wir hatten unter anderem Italiener, Franzosen, Spanier, Ägypter und Argentinier zu Gast“, weiß Alban Dieckmann, Ziehsohn von Edith und Werner Hauschildt. In dem Heimatkunde- und Freilichtmuseum sind Gegenstände des ländlichen Lebens aus den vergangenen 300 Jahren ausgestellt. „Deshalb hatten wir auch viele Schulen mit Austauschschülern hier, denen bei uns ein Teil alte deutsche Kultur gezeigt werden konnte“, so Dieckmann. Seit 1997 hilft er den Hauschildts im „Olen Hus“ – seit dem vergangenen Jahr wieder jedes Wochenende und an Feiertagen. Er erinnert sich an viele lustige Momente – etwa als der Nachbarshund über eine Klönschnacktür gesprungen ist, um sich einen ganzen Kasselerstrang zu schnappen und samt Beute erneut das Hindernis zu überwinden.

Heute und morgen gibt es noch einmal von 14 bis 18 Uhr die Gelegenheit, mit den Hauschildts in Erinnerungen zu schwelgen. Danach schließt das „Ole Hus“ erst einmal. Doch für die Fans der Waffeln, die nach einem „Spezialrezept“ mit Hefe und ohne Zucker gebacken werden, gibt es Hoffnung: Die Konzession soll auf Alban Dieckmann übergehen. Dazu seien einige Änderungen notwendig, es sei aber alles recht unkompliziert umsetzbar. „Ich hoffe, dass wir im März, spätestens im April wieder öffnen können“, so Dieckmann. Ihm liege es sehr am Herzen, dass das Museum mit seinen Waffeln erhalten bleibe. Am Dienstag, 19. Januar, soll ein Museumsverein gegründet werden, dessen Ziel der Erhalt der alten Gegenstände und Gebäude ist. Die Gebäude gehören bereits seit 2011 der Gemeinde, die seither jährlich 10  000 Euro investiert hat. So konnten unter anderem die Reetdächer wieder in Schuss gebracht werden.

Edith Hauschildt und Ehemann Werner werden das Treiben künftig nur noch aus der Ferne beobachten. „Mir wird aber nichts fehlen. Ich bin erschöpft und gesundheitlich angeschlagen. Ich muss jetzt ein bisschen langsamer machen“, sagt Edith Hauschildt. Aber die Erinnerungen kann ihr ja niemand nehmen.

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