Konzert in Nortorf : „Erdbeermund“ mit roten Rosen

Stimmungsvoll: Sabine Kaack (Mitte) mit Eeco Rijken Rapp (Flügel) und David Herzel (Schlagzeug) in der Nortorfer Kirche St. Martin.
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Stimmungsvoll: Sabine Kaack (Mitte) mit Eeco Rijken Rapp (Flügel) und David Herzel (Schlagzeug) in der Nortorfer Kirche St. Martin.

Sie singt, rezitiert und schauspielert. Sabine Kaack trat mit einem von ihr konzipierten Programm und exzellenten Musikern in St. Martin auf.

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15. Juli 2015, 14:39 Uhr

Die Liebe hat viele Facetten. Sie ist leidenschaftlich oder still, sie schreit ihr Glück hinaus oder blüht im Verborgenen. Genauso facettenreich ist Sabine Kaacks Programm, das die Schauspielerin aus Nortorf am Freitag mit vier exzellenten Musikern in St. Martin präsentierte. Ein Abend erster Güte, der noch dazu von zahlreichen Geschäftsleuten unterstützt wurde. So konnten nach gut zwei Stunden alle Besucher mit einer roten Baccara-Rose in der Hand und frohen Herzens das Nortorfer Gotteshaus am Markt verlassen.

„Es ist nicht alltäglich, dass eine ehemalige Konfirmantin in ihrer Kirche ein Literaturkonzert gibt“, hatte Pastor Hanns Lothar Kaempfe die Schauspielerin angekündigt. Nicht alltäglich ist auch das Konzept: Gedichte von Erich Fried, Rilke und weitgehend unbekannten Dichterinnen musikalisch begleitet. Dazu Lieder, beispielsweise von Alexandra oder Jaques Brél.

An diesem Abend wurde der poetisch-lyrische Liebesreigen in neuer Besetzung aufgeführt. Zwei Mitglieder des Trios „Boogielicious“ waren nach Nortorf gereist. Mit Eeco Rijken Rapp (Flügel) und David Herzel (Schlagzeug) wird Sabine Kaack auch auf dem Moselfestival in Saarburg auftreten. Was als Probetage gedacht war, wurde dank großzügiger Unterstützung mit einem öffentlichen Auftritt gekrönt. In den höchsten Tönen lobte Kaack ihre Begleiter – zu Recht. Mit viel Feingefühl entlockte Herzel seinen Schlagwerkzeugen die jeweils passende Geräuschkulisse. Viel Beifall gab es für den Pianisten Rapp, der hervorragend swingte.

Aber im Mittelpunkt standen die Gedichte und Rezitationen. Im stimmungsvoll illuminierten Altarraum hauchte, harderte, säuselte Sabine Kaack, pointiert und mit schauspielerischen Einlagen. Großartig, was sich mit dem „Instrument“ Stimme alles machen lässt. Natürlich trugen die Musiker entscheidend zu der Gesamtwirkung bei, wenn beispielsweise „Tristans Liebesklage“ erklang – ein Werk von Christoph Koschka, dem einzigen noch lebenden Dichter, von jenen, die an diesem Abend zu Wort kamen. Eine Besonderheit sind Stücke, die von Autorinnen stammen, die Sabine Kaack wiederentdeckt hat: Die erotische Lyrik der Generalsgattin Marie von Puttkammer oder Werke der Frauenrechtlerin Clara Müller-Jahnke. Aber es gab auch Bekanntes, wie den sinnlichen „Erdbeermund“.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die Auftritte von Ben Heuer und Alice Halada. Begeisterten Beifall gab es für den Mundharmonika-Virtuosen Heuer, der die Schauspielerin auf ihren plattdeutschen Lesetouren begleitet. Pianistin Halada, die seit 15 Jahren Mitglied der Polizei-Big-Band Schleswig-Holstein ist, hat den musikalischen Teil für das Programm dieses Abend erarbeitet, das übrigens den Titel trägt: „In den Sand geschrieben“. Worte im Sand sind vergänglich. Die Stücke dieses Abends werden vielleicht bei dem ein oder anderen nachklingen – in der „Sommertied“, der plattdeutschen Version von „In the Summertime“, mit der alle Künstler gemeinsam einen erstklassigen Schlusspunkt setzten.

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