Projekt : Entwicklungshilfe mit Weitblick

Ein Container wurde zum Brillenladen umgebaut.
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Ein Container wurde zum Brillenladen umgebaut.

Büdelsdorfer „Brillengalerie am Markt“ eröffnet eine „Zweigstelle“ in Simbabwe / Vor allem Waisenkinder profitieren davon

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23. Januar 2018, 10:25 Uhr

Die Büdelsdorfer „Brillengalerie am Markt“ hat eine „Filiale“ in Simbabwe im südlichen Afrika eröffnet. Mit dieser ungewöhnlichen Entwicklungshilfe unterstützt der Optiker Jan Tollgreve den Bordesholmer Verein „Zukunft für Lolas Kinder“, der gezielt Projekte der katholischen Schwestern aus dem spanischen Orden „Missionary Daughters of Calvary“ in Simbabwe fördert. Vor allem geht es dabei darum, Waisenkindern ein neues Zuhause zu geben.

„Niemand kann sich eine Brille leisten“, erfuhr Tollgreve von einer der Nonnen bei einem Besuch in Bordesholm. Da habe er ihr eine Lesebrille angefertigt. Als er erfuhr, dass es in ganz Simbabwe nach Angaben der Ordensschwestern nur zwei Optiker gibt, entschloss er sich zu helfen. „Die Idee entstand vor zwei Jahren“, so Tollgreve. Dann wurden er und die Vereinsmitglieder aktiv. Ein 40-Fuß-Container, den ein Hamburger Reeder zur Verfügung stellte, wurde gepackt. Ein Auto, eine Ladeneinrichtung, ein Trecker mit Pflug, Gartengeräte, Betten, 45 Matratzen, gespendet vom „Teppichhof Knutzen“, fanden darin Platz. Zudem stellte Tollgreve ein Gerät zur Bestimmung der Brillenstärke, Gläser, Fassungen, Werkzeuge und Ersatzteile zur Verfügung. Nach einem Jahr war der Container zur Überfahrt nach Simbabwe bereit. „Und dann dauerte es noch einmal ein Jahr, bis er am Bestimmungsort in Dete ankam“, berichtet Tollgreve.

Die Behörden hatten kein Interesse an der Bearbeitung der Papiere, weil es sich um eine Spende handelte und nichts daran zu verdienen war. Erst als die Nonnen den Zöllnern deutlich machten: „Gott sieht alles“, kam Bewegung in das Verfahren.

Der Container wurde vor Ort umgebaut und eingerichtet und ist jetzt ein kleiner Brillenladen. Vier Augenoptikermeisterinnen aus München schulten ehrenamtlich fünf Nonnen jeweils vier Wochen lang. Momentan werden Brillen kostenlos angepasst und abgegeben, denn es „fehlt noch ein Zettel“ der Genehmigungsbehörde.

Ziel ist es, mit dem Brillenladen Geld zu verdienen. Geld, das natürlich in Afrika bleibt, um Waisenkindern zu helfen. Die Nonnen sind optimistisch, denn sie haben festgestellt, wie glücklich die Menschen sind, wenn sie endlich gut sehen können. „Den Leuten stehen die Tränen in den Augen“, berichteten sie. Tollgreve hat etwa 20 000 Euro in sein Hilfsprojekt gesteckt. Die Bingo-Fernsehlotterie steuerte 15 000 Euro bei. „Der Kernpunkt ist die Hilfe zur Selbsthilfe“, so der Büdelsdorfer Optiker. Er will über Ostern drei Wochen nach Simbabwe fahren. Im Gepäck wird er Brillenfassungen und -gläser haben. >www.lolas-kinder.de

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