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Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde : Entdecker der 49. Bibel Gutenbergs verabschiedet

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hans Grützner scheidet aus dem Dienst als Archivpfleger des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde aus.

shz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Der Evangelisch-Lutherische Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde hat den Entdecker der Gutenberg-Bibel offiziell verabschiedet. Hans Grützner (90) war dort über 20 Jahre lang Archivpfleger. Nach einer feierlichen Andacht in der St.-Marien-Kirche wurde ihm zu Ehren ein Empfang im Gemeindesaal des Hauses der Kirche gegeben.

Ehemalige Weggefährten wie der Propst in Ruhe Hans Jochims, Dr. Annette Göhres, die Leiterin des Landeskirchlichen Archivs der Nordkirche, sowie Pastor Rainer Karstens, der Vorsitzende des Kirchengemeinderates St. Marien, ließen Erinnerungen wach werden und bedankten sich für die gute Zusammenarbeit.

Hans Grützner wurde im April 1993 zum kirchlichen Archivpfleger des Kirchenkreises Rendsburg bestellt, nachdem er bereits ein volles Berufsleben hinter sich hatte. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1988 war er als Regierungsoberamtsrat bei der Bundeswehr tätig. Zu seinen ersten Aufgaben beim Kirchenkreis gehörte die Erarbeitung einer umfassenden Kirchenkreis-Chronik, die im Jahr 1994 veröffentlicht wurde und sich noch heute großer Beliebtheit erfreut.

Das Archiv des Kirchenkreises wurde unter der Leitung von Hans Grützner 1993 im Christophorushaus Rendsburg modernisiert und neu eingerichtet. Dort werden Kirchenbücher, Urkunden, Rechnungsunterlagen, Schriftwechsel und Protokolle der vergangenen Jahrhunderte aufbewahrt. Grützner hat während seiner Amtszeit in enger Zusammenarbeit mit dem Nordelbischen Kirchenarchiv das Archivgut aller 19 Kirchengemeinden und des Kirchenkreises erfasst und archiviert. Zu dem Archiv gehört auch die von ihm aufgebaute Kirchenkreisbibliothek, eine Sammlung von rund 3000 kirchlichen und weltlichen Schriften. Zudem sorgte der langjährige Archivpfleger für die Reinigung, Etikettierung, Katalogisierung und Digitalisierung der Gudeschen Bibliothek in mühevoller Kleinarbeit. Sie umfasst etwa 1000 Bände und gehört der Kirchengemeinde St. Marien. Diese Bibliothek wurde von dem Privatgelehrten Marquard Gude (1635-1689), Sohn eines Rendsburger Bürgermeisters, angelegt und umfasst hauptsächlich religiöse Werke, aber auch Schriften, die sich mit Geschichte, Philosophie, Naturwissenschaften und Medizin befassen.

Überregionale Bekanntheit erlangte Herr Grützner 1997 durch die Entdeckung der 49. Gutenberg-Bibel – das erste Buch, das zwischen 1452 und 1454 mit beweglichen Bleilettern gedruckt wurde. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass diese seltene und wertvolle Bibel entdeckt worden ist: Das Buch war noch von seinem Vorgänger zur Restauration nach Süddeutschland gegeben worden und fast in Vergessenheit geraten. „Nur dem großen Einsatz und der Beharrlichkeit von Hans Grützner ist es zu verdanken, dass das wertvollste Buch der Kirchengemeinde St. Marien in das Kirchenarchiv und damit in den Besitz der Kirchengemeinde zurückgelangt ist“, teilt der Kirchenkreis mit. Dieser „Sensationsfund“ sorgte als „Rendsburger Fragment“ weltweit für Aufsehen. Es wurde aufwendig restauriert und befindet sich jetzt im Eigentum der Nordkirche.

2004 wurde Grützner mit der Bugenhagenmedaille geehrt, der höchsten Auszeichnung der Nordkirche für besonderes ehrenamtliches Engagement. Der Kirchenkreis verdankt ihm, dass sein Archiv Vorbildcharakter über die Grenzen der Nordelbischen Kirche hinaus erlangt hat.

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