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Landrat prangert an : Energiewende im Norden besonders teuer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bürger im Kreis und im Land zahlen bis zu sechs Prozent mehr für Strom.

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2016 | 06:00 Uhr

Davon hatte sich Landrat Dr. Rolf-Oliver Schwemer mehr versprochen: Zwar will die Bundesregierung die Bürger von den hohen Strompreisen entlasten – doch erst in fünf Jahren. Für die Haushalte im Kreis Rendsburg-Eckernförde bedeutet das ihm zufolge, dass sie noch auf Jahre viel mehr pro Kilowattstunde zahlen müssen, als diejenigen im Süden der Republik. Derzeit geht Schwemer davon aus, dass die Kosten in Schleswig-Holstein um bis zu sechs Prozent höher liegen als anderswo.

Hintergrund ist die Energiewende und deren komplizierte Kostenverteilung. Als die Einspeisung des grünen Stroms vor mehr als zehn Jahren anstieg, war der Gesetzgeber davon ausgegangen, dass durch viele einzelne Windräder nur kleine Mengen ins Netz eingespeist werden, sodass Mittel- und Niederspannungsleitungen ausgereicht hätten. Dadurch wären den Netzbetreibern geringere Aufwendungen entstanden, als durch große Mengen aus den Großkraftwerken. Diese Einsparungen mussten Netzbetreiber in Form der sogenannten „vermiedenen Netzentgelte“ weitergeben. Durch den enormen Anstieg erneuerbarer Energie muss der Strom aus Schleswig-Holstein inzwischen jedoch über Hochspannungsnetze nach Süden abtransportiert werden. So entstehen den Netzbetreibern im Norden viel höhere Aufwendungen als denen in Regionen mit weniger Windkraftanlagen. Das wird den Verbrauchern als Teil der Netzentgelte in Rechnung gestellt. Schwemer und auch die SH Netz AG als größter Betreiber im Land sehen darin eine Ungleichbehandlung, die abgeschafft werden muss (wir berichteten).

Das sieht die Bundesregierung auch so: Das Wirtschaftsministerium schlägt vor, die vermiedenen Netzentgelte für Neuanlagen ab 2021 abzuschaffen. Das berichtete der Branchendienst „Energate“. Für Bestandsanlagen soll die Gebühr ab 2017 „auf dem Niveau von 2015 eingefroren und dann ab 2021 jedes Jahr um zehn Prozentpunkte gesenkt werden. Ab 2030 gäbe es dann keine vermiedenen Netzentgelte mehr“, heißt es dort. „Eine halbherzige Lösung. Sie beschäftigt sich mit den Auswirkungen, aber nicht mit der Ursache“, findet Landrat Schwemer. Um die Energiewende fair zu gestalten, müssen die Lasten bundesweit geteilt werden, sagt er. Er ist der Meinung, dass die vermiedenen Netzentgelte schneller abgeschafft werden könnten, und er vermisst dabei ein stärkeres Engagement der Kieler Koalition aus SPD, Grünen und SSW. „Bedauerlich ist, dass seitens der Landesregierung die Abschaffung für Neuanlagen ab 2021 als ausreichend angesehen wird und das Land nicht anderen Bundesländern folgt, die eine sofortige Abschaffung fordern.“

Die SH Netz AG bestätigt den Anstieg der Netzentgelte. Sie rechnet damit, dass sie in diesem Jahr bei rund neun Cent pro Kilowattstunde liegen, wie Sprecher Ove Struck auf Nachfrage sagte. Das sind rund zehn Prozent mehr als 2015. Wie hoch der „vermiedene“ Teil ist, lasse sich nicht sagen.

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