Interview mit Pierre Gilgenast : Ende des Dornröschenschlafs in Rendsburg

„1. Spatenstich Obereider“ hat man in diesen Granit eingraviert. Seit zehn Jahren lagert der Stein im Bürgermeisterbüro. Pierre Gilgenast: Ich freue mich schon sehr darauf, wenn wir diesen Stein endlich an den Ort bringen können, an den er letztlich hingehört.“
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„1. Spatenstich Obereider“ hat man in diesen Granit eingraviert. Seit zehn Jahren lagert der Stein im Bürgermeisterbüro. Pierre Gilgenast: Ich freue mich schon sehr darauf, wenn wir diesen Stein endlich an den Ort bringen können, an den er letztlich hingehört.“

„Rendsburg ist in Bewegung“: Bürgermeister Gilgenast spricht im Interview über die Stärkung des Theaterstandortes sowie die Zukunft von Obereiderhafen und Hertie.

shz.de von
21. Juni 2014, 06:00 Uhr

Nach jahrelangem Stillstand scheint jetzt Bewegung in die Entwicklung der Stadt Rendsburg zu kommen. Mit der gestrigen Wahl von Bürgermeister Pierre Gilgenast zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden der Landestheater GmbH dürfte der Kulturstandort Rendsburg deutlich gestärkt werden. Zudem hat die Ratsversammlung in dieser Woche die Weichen für die Zukunft des Obereiderhafens gestellt – und auch bei Hertie tut sich etwas. Mit Pierre Gilgenast sprach unser Redaktionsmitglied Dirk Jennert.

Herr Gilgenast, seit wenigen Stunden sind Sie Aufsichtsratschef der ins Schlingern geratenen Landestheater GmbH. Was werden Sie als erstes anpacken?

Als erstes werde ich ausführliche Gespräche führen, zunächst mit dem Generalintendanten Peter Grisebach. Mich freut, dass die Zeit der Vakanz, die durch den Rücktritt meines Vorgängers entstanden ist, nun der Vergangenheit angehört. Wir können jetzt zur Sacharbeit zurückkehren. Ich bin mir bewusst, dass da jede Menge Arbeit auf mich wartet.

Ins Trudeln geriet die Theater GmbH durch die Schließung des maroden Schleswiger Stadttheaters. Bislang hat Schleswig erfolglos versucht, den Bau eines neuen Theaters auf den Weg zu bringen. Nun will man die Sache nochmal anpacken. Herr Grisebach glaubt nicht an den Erfolg. Wie sehen Sie das?

Ich bin ebenfalls sehr skeptisch. In Schleswig will man jetzt die Fassade des maroden Stadttheaters erhalten und dahinter alles neu bauen. Auf diese Absicht haben sich die Gremien der Schleistadt am Dienstag verständigt. Aber weder ist die Finanzierung des Theaterbaus geklärt noch kann man Aussagen zum Zeithorizont treffen. Vor dem Hintergrund unserer finanziellen Situation bräuchten wir in Schleswig aber ab 2017 eine neue Spielstätte. An dieser seit Jahren bekannten Zeitvorgabe hat sich nichts geändert. Die Entscheidung der Schleswiger kommt leider sehr spät.

Schleswig war bisher neben Rendsburg und Flensburg eine der drei Säulen der Theater GmbH. Wenn Schleswig also wegfällt, wie geht es dann weiter?

Um uns darüber klar zu werden, geben wir eine externe Begutachtung in Auftrag. Diese wird breit angelegt sein und auch die Frage umfassen, wie wir den Verlust des Schleswiger Theaters kompensieren können. Dabei geht es natürlich um die inhaltliche Arbeit, aber genauso um die Bedeutung der künftigen Standorte.

Itzehoe und Neumünster stehen in den Startlöchern und wollen künftig eine größere Rolle in dem Konstrukt Landestheater spielen. Ist das realistisch?

Offiziell gesprochen haben wir nur mit Itzehoe. Dort gibt es Ressourcen. Ich bin dem dortigen Bürgermeister Andreas Koeppen dafür dankbar, dass er in dieser schwierigen Situation des Landestheaters seine konstruktive Mitarbeit angeboten hat. Von Neumünster habe ich bisher nur gehört, dass es ein Interesse gibt.

Halten Sie an Ihrer Absicht fest, die Generalintendanz und die Theaterverwaltung von Schleswig nach Rendsburg zu verlegen?

Ja, daran halte ich fest. Ich bin überzeugt davon, dass das Sinn macht. In Rendsburg gibt es auf dem privaten Markt die nötigen Räume. Zudem: Wenn man mal auf die Landkarte blickt, wird klar, dass Rendsburg in dem mit Flensburg und möglicherweise Itzehoe gebildeten „Gesamtkonstrukt Landestheater“ die geografische Mitte bildet.

Dass Rendsburg als Theaterstandort gestärkt wird, ist die eine gute Nachricht dieser Woche, die andere ist die Ratsentscheidung zum Obereiderhafen. Wird es diesmal etwas werden?

Das ist der dritte Anlauf, und diesmal wird es klappen. Das 12,4 Hektar große Obereidergrundstück ist eine wichtige Entwicklungsfläche, gerade vor dem Hintergrund, dass wir die Wasserlagen stärker in den Fokus nehmen wollen.

Das Hotel steht im Mittelpunkt. Bauen Sie hier einen Stadtteil ausschließlich für Touristen?

Nein, die Mischbebauung aus Hotellerie, Läden und Wohnungen werden nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische attraktiv finden. Das wird eine positive Ausstrahlung über die Stadtgrenzen hinaus entwickeln. Ich habe hier in meinem Büro den Stein, der für den ersten Spatenstich vom 16. Februar 2004 vorbereitet worden war. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn wir diesen Stein endlich an den Ort bringen können, an den er letztlich gehört.

Was wissen Sie über den Investor Antan-Recona? Wie leistungsfähig ist diese Berliner Investorengruppe?

Ich weiß, dass dieses Unternehmen die Stärke hat, das Projekt selbst zu realisieren. Wir haben hier einen Partner gefunden, mit dem wir das alles verwirklichen können.

ACO-Chef Hans-Julius Ahlmann ist in Sorge, dass sich aus der Wohnbebauung eventuell Einschränkungen für seinen Geschäftsbetrieb ergeben könnten.

Wir werden uns intensiv damit auseinandersetzen. Ein Hamburger Experte wird uns bei diesem Verfahren begleiten.

Sie brauchen für den Obereiderhafen einen neuen Bebauungsplan. Wie lange wird das dauern, bis dieser aufgestellt ist?

Das kann wegen der Fristen zwischen zwölf und 14 Monate dauern. Mit dem Bau könnte daher frühestens Mitte 2015 begonnen werden. Letztlich liegt das aber in den Händen des Investors.

Fehlt nur noch Hertie. Im Gegensatz zum Obereiderhafen hat sich hier in den vergangenen Monaten kaum etwas getan.

Der Berliner Insolvenzverwalter, der die Immobilie betreut, hat über 380 Info-Mappen verschickt, aber keinen Rücklauf gehabt. Dennoch bin ich optimistisch. Denn im Zuge dieser Debatte um die Altstadtsanierung haben drei Privatiers aus der Region ihr Interesse bekundet, die Immobilie zu entwickeln. Dahinter stecken sehr überzeugende Ideenlandschaften.

Was genau meinen Sie? Und wer steckt dahinter?

Es geht um Dienstleistungen, Einzelhandel und Wohnen. Hier könnte etwas entstehen, was auch junge Menschen anspricht. Die Namen der Privatiers kann ich Ihnen noch nicht sagen.

Wann wird das spruchreif werden?

Ich hoffe, dass wir nach den Sommerferien soweit sind. Wir haben bereits mit dem Land Fördermöglichkeiten erörtert. Eines ist sicher: Der Schlüssel zur Lösung des Hertie-Problems liegt nicht in Berlin, sondern in Rendsburg.

Lassen die Geschehnisse in Sachen Obereiderhafen, Hertie und Theater den Schluss zu, dass Rendsburg endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwacht?

Aber natürlich. Die Stadt Rendsburg ist in Bewegung.

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