Hauswirtschaft : Ende der „Blaumeisen“-Tradition?

Das Ende einer Tradition? Die „Blaumeisen“ (Archivbild) waren von 1964 bis 2010 in Berlin und von 2007 bis 2017 bei der Norla im Einsatz.
Das Ende einer Tradition? Die „Blaumeisen“ (Archivbild) waren von 1964 bis 2010 in Berlin und von 2007 bis 2017 bei der Norla im Einsatz.

Zehn Jahre lang waren die Hauswirtschafts-Fachschülerinnen bei der Norla im Einsatz, doch jetzt ist Schluss.

shz.de von
28. August 2018, 10:49 Uhr

Am Einschulungstag der „Fachschule für Hauswirtschaft im ländlichen Raum“ gab es eine gute und eine schlechte Nachricht: Einerseits waren beim Unterrichtsstart wieder deutlich mehr Internatsschülerinnen als im Vorjahr dabei – andererseits sind die Hauswirtschaftsexpertinnen ab sofort nicht mehr bei der Norla im Einsatz, weshalb die Fachschule nun dringend ein neues Projekt sucht, damit die „Blaumeisen“-Tradition aufrechterhalten werden kann.

Vor einem Jahr gab es einen neuen Minusrekord bei den Einschulungszahlen der Hademarscher Fachschule für Hauswirtschaft. Lediglich 34 junge Frauen wollten im 1904 gegründeten Internat eine Ausbildung beginnen. Nun ist die Trendwende geschafft. 58 neue Schülerinnen waren diesmal beim Startschuss ins neue Unterrichtsjahr dabei.

Im vergangenen Schuljahr gab es nur je eine Ober- und eine Unterklasse. Diesmal kann immerhin wieder eine zweite Unterklasse eingerichtet werden. „Damit zahlen sich endlich unsere Besuche bei den Berufsbildungsmessen im ganzen Land aus“, meinte Fachdozentin Dorthe Reimers mit Blick auf den 70-prozentigen Anstieg der Schülerinnenzahlen. Kollegium und Fachschülerinnen haben auf vielen Veranstaltungen zur Berufsorientierung Werbung für eine Ausbildung in Hanerau-Hademarschen gemacht; unter anderem in Rendsburg, Kiel, Lübeck, Bad Bramstedt, Glückstadt, Niebüll, Albersdorf und Kellinghusen.

Seit 2007 war es so, dass sich die frischeingeschulten Fachschülerinnen schon nach wenigen Unterrichtstagen in „Blaumeisen“ verwandelten, um in ihren blauen Uniformen den „Bauerntreff“ auf der Norla zu managen. Damit ist jetzt Schluss. „Durch eine Umstrukturierung des Bauerntreffs ist der Unterrichtsinhalt für uns nicht mehr gegeben“, sagte Dorthe Reimers. Sinn und Zweck eines „Blaumeisen“-Einsatzes ist es, das theoretisch Gelernte in die Praxis umzusetzen. Dass sie genau das auch unter überaus stressigen Messe-Bedingungen können, haben die „Blaumeisen“ von 1964 bis 2010 als Botschafterinnen der schleswig-holsteinischen Agrarwirtschaft bei der Internationalen „Grünen Woche“ in Berlin unter Beweis gestellt. Seit 2010 fliegen die „Blaumeisen“ nicht mehr nach Berlin, ab sofort auch nicht mehr zur Norla. Ist das jetzt das Ende der „Blaumeisen“-Tradition? „Diese Messe-Einsätze waren die besten Teambildungsmaßnahmen, die man sich nur vorstellen kann“, weiß Dorthe Reimers, die sich mit dem „Ende der Blaumeisen-Ära“ noch nicht abfinden will. „Wir sind auf der Suche nach einer Ersatzveranstaltung für unsere Oberklassenschülerinnen.“ Gesucht werde ein „ganzheitliches Projekt“, das die Hauswirtschaftsschülerinnen gemeinsam „planen, durchführen und evaluieren“ können. Damit die Schülerinnen selbstständig und kreativ zu Werke gehen können, dürfe bei so einem Projekt „möglichst wenig vorgegeben“ sein, erläutert Dorthe Reimers und gibt ein Beispiel: „Vielleicht gibt es ja irgendwo einen Markt, wo Platz für ein ‚Blaumeisen‘-Café wäre.“ Veranstalter, die eine Idee für ein Kooperationsprojekt mit den „Blaumeisen“ haben, wenden sich telefonisch an 04872 / 90 80 oder per E-Mail an lfs@bbz-nok.de.

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