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Empörung über Baustopp an der Schule Altstadt

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Sperrvermerk des Finanzausschusses verhindert Weiterbau / Gremien beraten über Kosteneinsparungen

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Kein fließendes Wasser im Winter, ein kaputtes Dach und zu wenig Steckdosen – der naturwissenschaftliche Unterricht an der Schule Altstadt findet unter widrigen Bedingungen statt. Abhilfe soll ein Neubau für 3,7 Millionen Euro schaffen. Die Arbeiten sind beschlossen, die fertigen Baupläne liegen vor, erste Räume sind bereits abgerissen worden. Doch der Finanzausschuss stoppte Ende November überraschend das Projekt. Die Kosten sollen noch einmal überprüft werden. Lehrer, Eltern- und Schülervertreter befragten dazu in der Ratsversammlung die Politiker (siehe Beitrag rechts).

Schulleiterin Kirsten Koppelmann erfuhr letzte Woche per E-Mail von dem Baustopp. Sie war überrascht: „In der letzten Ratsversammlung 2012 war alles gut.“ Die Baupläne sind fertig, der Bauantrag gestellt – es muss nur noch gebaut werden. „Wir warten seit sechs Jahren auf neue Räume. Wir haben dringenden Bedarf“, sagt Koppelmann. Seit zweieinhalb Jahren findet der naturwissenschaftliche Unterricht in zwei Containern statt. In jedem der Blech-Klassenzimmer finden maximal 30 Schüler Platz, es gibt nur eine Elektroheizung und durch ein kaputtes Dach regnet es rein. Der Medienraum und Klassenräume sind bereits für den Neubau abgerissen worden. Die Kunst- und Musikräume sind zu normalen Klassenzimmern umfunktioniert. Not macht eben erfinderisch. Schüler und Lehrer müssen weiterhin improvisieren. Der Sperrvermerk des Finanzausschusses bedeutet, dass keine Gelder für den Neubau fließen. Im Haushalt für 2014 ist eine Million Euro für die Schule eingeplant.

Der Neubau an sich ist dabei nicht strittig. Es geht um die Frage, an welchen Stellen Kosten eingespart werden können. Darüber müssen sich die zuständigen Ausschüsse den Kopf zerbrechen. Allerdings kommen diese erst im kommenden Jahr wieder zusammen.

Für Koppelmann ist die Verzögerung eine Milchmädchenrechnung. „Keiner kann sagen, was der Baustopp kostet. Vielleicht wird er am Ende sogar teurer, als wenn einfach weitergearbeitet worden wäre.“ Ihrer Meinung nach wird wertvolle Zeit vergeudet. Der Hinweis eines Ratsmitglieds, mehr Container als Klassenraum-Ersatz aufzustellen, macht für sie keinen Sinn. „Wir haben keinen Platz. Den Pausenhof brauchen wir für die Kinder.“

Für die 570 Schüler und 50 Lehrer ist das Fehlen der Räume ein großes Problem. „Es ist sehr eng in den Containern“, sagt Schülersprecherin Emine Hilal Arslan (17). „Viele Experimente können wir deshalb gar nicht machen.“ Chemielehrer Dr. Holger Wetzel pflichtet ihr bei: „Es gibt keine Gasleitung in den Containern. Einige Versuche machen wir mit Campingkochern.“

Bürgermeister Pierre Gilgenast ist sich der Situation bewusst. „Das Ziel ist, schnell Klarheit zu bekommen und die Sperre aufzuheben.“ In den nächsten drei Monaten würden sich Bauexperten und Politik intensiv mit dem Thema befassen. „Wir bemühen uns, schlimme Verzögerungen zu verhindern.“ Er gab zu bedenken, dass es zum politischen Alltag gehöre, teure Projekte noch einmal zu prüfen.

Schulelternbeiratsvorsitzender Thorsten Schenk (47) versteht nicht, warum diese Überlegung nicht eher erfolgte: „Seit 2011 habe ich immer wieder nachgefragt, ob die Finanzierung gesichert ist.“ Jedes Mal sei ihm gesagt worden, dass das der Fall sei. Schulleiterin Koppelmann fordert die Stadt Rendsburg auf, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Immerhin wurde die Schule auf Antrag der Stadt eine Gemeinschaftsschule. Seitdem hat sich die Schülerzahl fast verdoppelt. „Wir möchten nur vernünftige Rahmenbedingungen haben, um weiterhin guten Unterricht machen zu können und unsere Schüler vernünftig auf ihre Abschlüsse vorbereiten.“

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