Waldorfschule Rendsburg : Elternverein will Waldorfschule aus der Insolvenz führen

Ein Stein am Eingang der Waldorfschule Rendsburg weist auf das Gründungsjahr 1950 hin.
Ein Stein am Eingang der Waldorfschule Rendsburg weist auf das Gründungsjahr 1950 hin.

Der Verein bewirbt sich als Schulträger, weitere Interessenten gibt es nicht. Bürgschaften sollen Finanzrisiken abfedern.

shz.de von
11. April 2018, 10:06 Uhr

Rendsburg | Neue Hoffnung für die insolvente Waldorfschule Rendsburg: Der eigens zum Erhalt der Schule gegründete Elternverein hat dem Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber ein Angebot zur Übernahme der Trägerschaft vorgelegt. Das größte Risiko für den Trägerverein ist der Rechtsstreit mit einer Lehrkraft, der enorme Kosten nach sich ziehen könnte. Für dieses Problem präsentierte der Elternverein nun ein Lösungskonzept: Mit Bürgschaften sollen die möglichen Prozesskosten gedeckt werden. Weitere Angebote für die Übernahme der Trägerschaft der Schule sind nicht eingegangen. Über die Offerte des Elternvereins wird nun der Gläubigerausschuss entscheiden.

„Wir wollen einen Impuls setzen, damit es mit der Schule weitergehen kann“, sagt Sylvia Ullrich, Aufsichtsratsmitglied des Elternvereins. Sie ist optimistisch, dass der Gläubigerausschuss das Trägerschafts-Angebot annehmen wird. Ihre Zuversicht begründet sie damit, dass jetzt ein Lösungskonzept gefunden sei, wie die Kosten für den Rechtsstreit mit der Lehrkraft getragen werden sollen.

Nach Informationen unserer Zeitung wurde der betreffenden Lehrkraft gekündigt, doch sie will bleiben. Nachdem der Versuch, sich auf einen Vergleich zu einigen, scheiterte, droht nun ein langer Prozess, der Kosten in sechsstelliger Höhe nach sich ziehen könnte. Noch vor zwei Wochen benannte Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber dieses drohende Verfahren als zentrales Hindernis für ein Weiterführen der Schule. Nach Aussage von Sylvia Ullrich konnte man jetzt aber ein Konzept vorlegen, nach dem „der Rechtsstreit den neuen Schulverein nicht belasten“ soll. Getragen werden soll die Bürgschaft für die Prozesskosten vom „Bund der Freien Waldorfschulen“, von der „Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen“ sowie von der Elternschaft und dem Schulpersonal.

Der Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber lobte den Einsatz des neuen Trägervereins: „Ich freue mich sehr über das wirklich vorbildliche Engagement aller Beteiligten und die nun vorliegende Offerte.“ Die Entscheidung darüber, ob das Angebot des Elternvereins akzeptiert wird, trifft der Gläubigerausschuss. Dieser tagt am kommenden Dienstag. „Sollte der Ausschuss das Angebot akzeptieren, halte ich den Fortbestand der Schule für wahrscheinlich“, sagt Schmid-Sperber. Gleiches gelte für den Waldorf-Kindergarten, für den es Angebote eines Kita-Elternvereins sowie eines weiteren Interessenten gibt.

„Wir sind rege dabei, dass jeder einen kleinen Teil dazu beiträgt, damit die Schule erhalten werden kann“, sagt Sylvia Ullrich. Aktuell seien etwa 250 Familien in dem Elternverein engagiert. Die Elternvertreterin ruft jeden, der sich der Waldorfschule verbunden fühlt, dazu auf, sich finanziell an der Rettung der privaten Bildungseinrichtung zu beteiligen.

Unterstützt werden soll das Projekt auch durch einen neuen Förderverein, dessen offizielle Gründung am kommenden Mittwoch ansteht. Auch über diesen Verein sollen nach Aussage von Sylvia Ullrich Finanzmittel erworben werden. So könne der Förderverein zum Beispiel ehemalige Schüler ansprechen und um Unterstützung bitten. Christian Müller-Wulf, einer der Organisatoren des neuen Fördergremiums, bestätigt, dass dieses den Neustart der Waldorfschule „nach Kräften“ begleiten und unterstützen will. „Es ist ein frischer Wind in diesen Tagen zu spüren“, beschreibt Müller-Wulf die Aufbruchstimmung.

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