G9-Debatte : Eltern gegen Abi-Wirrwarr

Reform: Das G8, Abitur nach acht Jahren, soll künftig nicht mehr verpflichtend sein. Die Schulen können zu G9 zurückkehren.
Reform: Das G8, Abitur nach acht Jahren, soll künftig nicht mehr verpflichtend sein. Die Schulen können zu G9 zurückkehren.

G8 oder G9: Elternbeiräte im Kreisgebiet wollen einheitlichen Ausbildungsgang an den Gymnasien.

shz.de von
07. Februar 2018, 20:13 Uhr

Mit der neuen Regierung im vergangenen Jahr kam auch eine neue Schulpolitik nach Schleswig-Holstein. Das Turbo-Abi, der Abschluss nach acht Jahren, soll zukünftig nicht mehr verpflichtend sein. Schulen wird es freigestellt, sich für das System G9, das Abitur in neun Jahren, auszusprechen. Bis Ende Februar haben die Gymnasien Zeit, sich zwischen G8, G9 und dem Y-Modell – dem Angebot beider Varianten – zu entscheiden.

„Wir gehen davon aus, dass sich alle Gymnasien im Kreis Rendsburg-Eckernförde für die Variante G9 entscheiden werden“, sagt Oliver Radtke, Vorsitzender des Kreiselternbeirats Gymnasien. Auch landesweit geht die Tendenz dahin, dass sich eine überwiegende Mehrheit für G9 aussprechen wird. Wenn ein Gymnasium das Abitur in acht Jahren anbieten möchte, muss bis Ende Februar ein entsprechender Antrag gestellt werden. Dieser muss von der jeweiligen Schulkonferenz, einem Gremium bestehend aus Lehrern, Eltern und teilweise auch Schülern, zu 75 Prozent befürwortet werden.

Im Kreis wünscht sich zumindest ein Großteil der Eltern die Rückkehr zu G9. Das ergab eine Umfrage des Kreiselternbeirats an sieben der acht Gymnasien im Kreisgebiet. Laut wurde dabei vor allem der Wunsch, dass nicht nur die neuen Fünftklässler, die zum Schuljahr 2018/2019 an die Schulen kommen, davon profitieren sollen. Sondern auch die, die bereits an Gymnasien unterrichtet werden. „Mit dieser Bitte wollen wir uns auch an die Fraktionen der Koalition richten“, so Radtke. „Die Umsetzung ist lediglich eine Frage des politischen Willens.“

G8 mit sofortiger Wirkung von den Schulen zu verbannen, würde laut der Elternvertreter zum einen für weniger bürokratischen Aufwand sorgen. „Der momentane Plan sieht vor, dass die zwei Systeme unnötig lange nebeneinander herlaufen“, findet Radtke. In Niedersachsen bewährte sich ein entsprechendes Vorgehen. „Es leuchtet nicht ein, wieso das nicht auch in Schleswig-Holstein funktionieren soll.“

Viele Eltern hätten die Forderung der CDU nach G9 vor der Landtagswahl außerdem genau so verstanden. „Viele dachten, dass auch ihr Kind von der Rückkehr zu G9 profitieren würde, obwohl es schon ein Gymnasium besucht“, stimmt Alexandra Grothusen, Vorsitzende des Elternbeirates der Grundschulen und Förderzentren im Kreis Rendsburg-Eckernförde, zu. Radtke sieht dieses Missverständnis als einen Hauptgrund dafür, dass Günther die Wahl zum Ministerpräsidenten gewann.

Ein Vorteil für die Schüler durch G9 liegt vor allem in der Entzerrung. Durch das zusätzliche Jahr sinkt die Zahl der Unterrichtsstunden am Tag und die Kinder haben mehr Zeit für Hobbys und Freizeit. Angst vor einer Raumnot haben die Elternvertreter durch die Umstellung und den daraus resultierenden zusätzlichen Jahrgang hingegen nicht. „Die meisten Schulen wurden unter G9 Voraussetzungen gebaut, der Platz ist vorhanden“, erklärt Radtke. „Es gibt nur wenige Ausnahmen, eine Gemeinschaftsschule im Kreis ist nach G8 Standards konstruiert. Dort muss man sich eventuell etwas überlegen“, ergänzt Jörg Evers, Mitglied im Kreiselternbeirat der Gemeinschaftsschulen.

Bei der Debatte um G9 stehen besonders auch Gemeinschaftsschulen im Fokus. Einige befürchten einen Run auf Gymnasien, sofern diese auch wieder ein zusätzliches Schuljahr anbieten. „Das wird sich auf den Informationsabenden im Februar zeigen“, sagt Evers. „Es wird sicherlich Spitzen geben, aber ich denke nicht, dass das an der G9 Problematik liegen wird.“ Die Gemeinschaftsschulen ohne eigene Oberstufe könnten durch die Rückkehr zu G9 jedoch vor ein weiteres Problem gestellt werden. Schüler, die nach dem Abschluss der 10. Klasse auf ein Gymnasium wechselten, hatten bisher die Chance die 10. dort zu wiederholen und mit den anderen Schülern auf einen Wissensstand zu kommen. „Dieses Wiederholungsjahr entfällt bei G9“, erklärt Evers. Theoretisch sollten die Gemeinschaftsschüler zwar auf demselben Niveau stehen wie die Gymnasiasten, praktisch sehe das jedoch anders aus. „Gymnasien unterrichten zum Beispiel viel wissenschaftlicher. Das müssen sich Gemeinschaftsschüler erst einmal aneignen.“ Viele Gemeinschaftsschulen würden aber bereits gegensteuern. „Das Fach NaWi wird beispielsweise wieder in Physik, Chemie und Bio aufgeteilt, um fundierteres Wissen zu vermitteln“, erzählt Evers. „Die Gemeinschaftsschulen im Kreis versuchen ein attraktives Angebot zu schaffen.“

> Mehr zu dem Thema auf Seite 3.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen