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Senvion : Eliteschule der Windkraft-Techniker

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hier können Windkraft-Techniker trainieren: Senvion investiert eine halbe Million Euro ins Ausbildungszentrum.

Die Firma Senvion hat ihre Dependance in Büdelsdorf zu einem der größten Schulungszentren für Windenergie in Norddeutschland ausgebaut. Elektriker können dort unter den Bedingungen lernen, die sie auf dem Turm einer Windkraftanlage vorfinden würden: Die technischen Komponenten stehen während des Trainings unter Starkstrom – wie auf einer Sechs-Megawatt-Anlage.

Um dieses realitätsnahe Umfeld schaffen zu können, musste Senvion über eine halbe Million Euro investieren. Der Großteil der Summe wurde für einen schweren Industrie-Transformator ausgegeben, der es möglich macht, den Betrieb einer Windkraftanlage zu simulieren. Für das Schulungszentrum pachtete Senvion mehrere Gebäude der Firma ACO und baute sie in Zusammenarbeit mit dem Vermieter zum Hochsicherheitstrakt aus. Da man ein – simuliertes – Kraftwerk betritt, werden Besucher ausschließlich in Begleitung von Fachleuten vorgelassen. Jeder muss einen Helm tragen und Spezialschuhe aus Gummi. Die Türen zur Übungshalle lassen sich nur mit einem Transponder öffnen.

„Wir schulen hier Servicetechniker aus der ganzen Welt“, sagt Chefin Sabine Meyer. Ihren Kunden ist offenbar kein Weg zu weit, um nach Büdelsdorf zu kommen. Die Wirtschaftsingenieurin empfängt Windkraftfachleute von Australien bis Kanada. Allerdings bekommen sie auch Einiges geboten, denn das Herz der Anlage versetzt Experten in Entzücken. In einer zwei Stockwerke hohen Halle wurde die Technik eines kompletten Windrades installiert, mit Getriebe, Generator und Nabe. Nur zwei Kompromisse ging Senvion ein: Gigantische Rotorblätter wurden an der Trainingsanlage nicht montiert, ebenso bekommen die Kursteilnehmer kein Gefühl für die drangvolle Enge in einem Turm. Damit mehrere Schüler gleichzeitig den Erläuterungen der Instruktoren folgen können, wurden die technischen Elemente neben- und hintereinander aufgebaut, mit viel Platz dazwischen.

Der Bedarf an Schulungen ist groß. Pro Jahr werden 7500 Menschen ausgebildet. Sie müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen: Zu den Lehrgängen werden nur Bewerber zugelassen, die eine elektrische Ausbildung absolviert haben. Zudem muss ein Mediziner grünes Licht gegeben haben, dazu zählt auch eine bestandene Höhentauglichkeitsuntersuchung. Man muss schwindelfrei sein, um auf einem Windkraftturm arbeiten zu können.

Der Sicherheitsaspekt spielt bei der Ausbildung eine große Rolle. Wer auf einer Offshore-Anlage, also in Windparks auf dem offenen Meer, als Servicefachmann in einem Zweier-Team eingesetzt wird, muss sich bei einem Notfall selbst helfen können. In einem Trainingsturm üben die Techniker, wie man einen verletzten Kollegen abseilt. Und auch die Bergung aus dem Meer wird einstudiert. Senvion nutzt die Nähe zur Obereider. Dort müssen sich die Kursteilnehmer reihenweise ins kalte Wasser stürzen, um sich anschließend aus eigener Kraft gegenseitig zu retten. Der Umgang mit einer Rettungsweste, die Senvion gemeinsam mit einem anderen Hersteller entwickelt hat, spielt eine große Rolle: Die Weste ist so konstruiert, dass der Träger stets mit dem Gesicht nach oben im Wasser schwimmt. Damit wird verhindert, dass er bei Bewusstlosigkeit ertrinkt – alle Übungen werden überwacht von Rettern, die dann einspringen, wenn etwas schiefgehen sollte.

Jeder zweite Lehrgang findet auf Englisch statt, zum Teil greift Senvion auf Simultandolmetscher zurück. Bis zu drei Wochen verbringen die Techniker in Büdelsdorf, dann sind sie bereit für den Einsatz über Land oder über Wasser.

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erstellt am 13.Apr.2015 | 05:48 Uhr

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