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Eiscreme beliebter als die Fahrt mit der Eider-Fähre

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Günter Wischnewski ist stolz auf den 1600-Einwohner-Ort / Vereine halten Dorfleben in Schwung

shz.de von
erstellt am 03.Aug.2015 | 14:07 Uhr

Was verbindet Menschen mit dem Ort, in dem sie leben? Welche Erinnerungen werden wach? Und an welche Lieblingsplätze kehren sie gern zurück? Mit alteingesessenen Bürgern machen wir einen Spaziergang durch ihre Heimatgemeinde. Im heutigen Teil der Serie geht es mit Günter Wischnewski durch Nübbel.

Sichtlich stolz steht Günter Wischnewski auf dem saftig grünen Sportplatz vor dem Schulgebäude. „Wir konnten damals die Grundschule als Nebenstelle der Schule Fockbek erhalten. Das wollten wir unbedingt, damit die Kleinsten nicht schon ab der ersten Klasse nach Fockbek fahren müssen“, erzählt der Pensionär, der so gut wie sein gesamtes Leben in Nübbel verbracht hat. „Ich bin hier damals schon zur Schule gegangen, und meine Kinder sind es auch.“ Mit etwa sechs Jahren zog der gebürtige Kieler mit seiner Familie in die heute rund 1600 Seelen zählende Gemeinde am Nord-Ostsee-Kanal. Zur Arbeit fuhr Günter Wischnewski nach Rendsburg, wo er zuletzt den Fachdienst Verkehr des Kreises Rendsburg-Eckernförde leitete. Auch kommunalpolitisch ist der Ehrenvorsitzende des Nübbeler Sportvereins seit etwa 37 Jahren im Gemeinderat aktiv. Bei der vergangenen Kommunalwahl wurde er zudem zum ersten stellvertretenden Bürgermeister bestimmt. Seit rund drei Jahrzehnten ist der „Tausendsassa“ Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr des Dorfes. „In Nübbel haben wir sogar ein richtiges Schul- und Sportzentrum“, berichtet Günter Wischnewski, während er zuerst auf die große Sporthalle, dann auf die kleinere Turnhalle und zuletzt auf das Freibad deutet, die alle in unmittelbarer Nähe liegen. Auch der Kindergarten befindet sich auf dem Gelände, direkt neben der Schule, die 1938 gebaut wurde. „Der Kindergarten besitzt alles, was der Gesetzgeber fordert und wird durch einen Elternverein mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde betrieben“, freut sich Günter Wischnewski, während er auf den Niedrigseilgarten steigt, der neben der Schule errichtet wurde. Auf dieser Spielstätte können Kinder ihr Gleichgewicht trainieren, fallen im Gegensatz zu einem Hochseilgarten aber nur etwa 30 Zentimeter tief. „Meine Enkelin findet den ganz toll und möchte immer hierher kommen, wenn sie bei uns zu Besuch ist“, sagt Günter Wischnewski. Dass Nübbel ein eigenes Freibad besitzt, sei ebenfalls sehr schön, erzählt er weiter, „obwohl ich eigentlich nie schwimmen gehe. Wir haben hier aber einen wirklich großen DLRG-Verein, der den Kindern seit langer Zeit erfolgreich das Schwimmen beibringt“. Das Freibad wird übrigens durch Fernwärme beheizt, die die Besitzer der Biogasanlagen kostenlos zur Verfügung stellen.

Die beiden Sport- und Turnhallen sind gut ausgelastet, erzählt Günter Wischnewski, der rund 25 Jahre lang dem Vorstand des Sportvereins angehörte. Der Verein hat derzeit über 700 Mitglieder. „Hier trainieren unter anderem die Handball-Spielgemeinschaft Fockbek/Nübbel und unsere Karategruppe, die sehr erfolgreich ist.“

Im Stundentakt fährt täglich ein Bus nach Fockbek und Rendsburg. Früher jedoch war es etwas schwieriger, die beiden Nachbargemeinden zu erreichen. „Man musste damals über die Eider, und eine Brücke gab es noch nicht. Die wurde nämlich erst 1958 gebaut“, erläutert Günter Wischnewski. Früher sei man ohnehin nicht häufig nach Rendsburg gekommen, es gab zwar eine Fähre über die Eider, aber die Überfahrt habe einen Groschen gekostet, berichtet er weiter. „Da an der Fährstelle aber auch Bonbons und Eis verkauft wurden, und eine Kugel ebenfalls einen Groschen gekostet hat, haben wir Kinder das Geld lieber in Süßes investiert.“ Mittlerweile ist die Brücke marode, sodass derzeit im Gemeinderat diskutiert wird, ob sie saniert oder neu gebaut werden soll. Ein Neubau werde rund 1,4 Millionen Euro kosten, weiß Günter Wischnewski, der gern auf der Brücke verweilt, da sich hier ein herrlicher Ausblick biete.

Eine schöne Aussicht auf Nord-Ostsee-Kanal, Eider und die, wie Günter Wischnewski findet, idyllische Landschaft Nübbels, erhalten Wanderer und Radfahrer auch in der Straße Kanalberg. „Wenn dann noch ein Schiff auf dem Kanal fährt, sieht das wirklich fantastisch aus. Außerdem kann man auch die Schülper Seite des Kanals gut sehen“, meint der frühere Beamte, der gern Fahrrad fährt.

Einen Kaufmann, Gasthöfe oder eine Bank finden sich in Nübbel nicht mehr. „Heute muss man zum Einkaufen nach Fockbek oder Rendsburg. Früher gab es alles im Dorf, was man brauchte. Die Infrastruktur ist deutlich schlechter geworden“, erzählt der 66-Jährige. Man habe zwar Schule, Kindergarten Sportverein und vieles mehr, doch Anreize für junge Familien und die Attraktivität der Gemeinde müssten erhalten bleiben. Zudem müsse man überlegen, was man mit den älteren Bewohnern mache, die nicht mehr allein leben könnten. „Ein Fernziel ist zum Beispiel eine Seniorenwohnanlage. Auch ein Gemeindezentrum, in dem man sich treffen kann, wäre schön“, so Wischnewski weiter, der auch den Wunsch der Freiwilligen Feuerwehr kennt, ein neues Gerätehaus zu bauen. „Im Moment haben wir aber erst einmal ein neues Feuerwehrfahrzeug in Aussicht. Die Gemeinde ist sehr bemüht, dass ihre Feuerwehr gut ausgestattet ist.“

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