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Rendsburg : Einstieg in die Sanierung der Altstadt

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Bauausschuss bringt Sondergebiet auf den Weg – und schafft damit den Hebel, das marode Hertie-Haus später in Eigenregie abzureißen. Die Grenzen des Areals, in dem private Investitionen gefördert werden sollen, stehen noch nicht fest.

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erstellt am 29.Okt.2013 | 10:49 Uhr

Es ist eine der wichtigsten politischen Weichenstellungen in Rendsburg seit Mitte 2009 – seit der Schließung des Hertie-Kaufhauses und des damit einhergehenden Abstiegs des gesamten umliegenden Stadtviertels: Um diesen Prozess zu stoppen, hat der Bauausschuss gestern Abend bei zehn Ja-Stimmen und einer Enthaltung entschieden, für die Altstadt noch im Programmjahr 2013 Städtebaufördermittel zu beantragen. Es ist der Einstieg in die spätere Umwidmung des Areals in ein Sanierungsgebiet – und der formale Hebel, um das vor sich hin gammelnde Hertie-Haus so kostengünstig wie möglich und unter städtischer Eigenregie dem Erdboden gleichzumachen.

Der Erwerb und Abriss der seit 2009 leerstehenden Immobilie durch die Stadt, sehnlichster Wunsch vieler Rendsburger, steht damit noch nicht fest. Beides erscheint jetzt jedoch als eine realisierbare Möglichkeit. „Mit dieser Städtebauförderung beschließen wir nicht zwangsläufig des Kauf des Hertie-Hauses, aber wir schaffen uns die Option, den Haushalt durch die Fördermittel so weit wie möglich zu entlasten“, sagte der Ausschuss-Vorsitzende Marc-Olaf Begemann (SPD). Frank Thomsen, Leiter des Fachbereichs Bau im Rathaus, pflichtete ihm bei: „Wir eröffnen uns heute nur die Möglichkeit, einen Ankauf von Hertie gefördert zu bekommen. Erst der Beschluss der Ratsversammlung über eine Sanierungssatzung schafft rechtliche Verbindlichkeit.“

Auf die Frage von Karin Fehrn-Stender, Besitzerin des Schauburg Filmtheaters in der Schleifmühlenstraße, wann der Hertie-Abriss denn frühestmöglich denkbar sei, konnte Thomsen keine konkrete Antwort geben. Das hänge zu sehr vom Verlauf der Verkaufsverhandlungen ab. „Es gibt ja noch nicht mal einen Preis“, so Thomsen. Die in der Vorbereitenden Untersuchung für das Sanierungsgebiet genannte Summe von einer Million Euro sei lediglich ein fiktiver Wert, so der Bauamtsleiter. Mit der Antragstellung für die Restmittel 2013 beim Innenministerium in Kiel spare man aber auf jeden Fall ein Jahr Zeit.

Dieser Punkt war es, der Bürgermeister Pierre Gilgenast vor der Diskussion über das Thema zu einem Appell an die Ausschussmitglieder bewog. „Es geht hier um mehr als nur Hertie. Das Gesamtprojekt ist eine Riesenchance für Rendsburg. Mit dem Sanierungsgebiet stärken wir das Herzstück dieser Stadt und senden ein Signal an alle, die dieser Stadt helfen wollen.“

Dass in der Altstadt etwas passieren muss, darüber herrschte parteiübergreifend Einigkeit. „Wir müssen Städtebauförderung beantragen, ansonsten überlassen wir die Stadt einer Entwicklung, die wir nicht mehr beeinflussen können“, sagte Ratsherr Begemann. Sein Parteikollege, Ratsherr René Sartorius, gab ihm Recht: „Wir müssen das Ding auf den Weg bringen.“

Auch Anja Ilgenstein (CDU) wies auf die ihrer Meinung nach dringende Notwendigkeit eines Sanierungsgebiets hin. Gleichzeitig warnte sie vor den Kosten. „Fünf Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren sind eine Riesensumme.“

Die einzige Enthaltung kam von Armin Rösener von den Grünen. „Wir haben erhebliche Bauchschmerzen, was die Finanzierung angeht. Rendsburg fehlt die Kaufkraft. Durch ein paar mehr interessante Geschäfte haben die Bewohner nicht gleich mehr Geld in der Tasche.“ Sabine Stechmann (Modernes Rendsburg) erwiderte: „Es geht hier nicht um einen weiteren Verbrauchermarkt, es geht um etwas Großes. Wir kommen um den Beschluss nicht herum. Unsere Situation ist im nächsten Jahr keine andere.“

Die Ergebnisse der Voruntersuchung werden jetzt einen Monat im Rathaus ausgelegt. Die Bürger der Stadt sind aufgerufen, sich am Prozess zu beteiligen. Der Vorschlag zur Abgrenzung des 6,7 Hektar großen Sanierungsgebiets (wir berichteten) kann gegen Ende dieser Frist noch einmal geändert werden. Ein Streitpunkt könnte sein, ob die historischen Gebäude an der Schloßplatz-Südseite zum Sanierungsgebiet zählen müssen. Noch sind sie draußen vor.

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