Suche nach Herrchen : Einsamer Hund zehn Tage auf Wanderschaft

Leckerchen frisst Balu gern: Jörg Paulsen und sein Sohn Hendrik kümmern sich liebevoll um den Ausreißer. Weit laufen mag er nicht mehr.
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Leckerchen frisst Balu gern: Jörg Paulsen und sein Sohn Hendrik kümmern sich liebevoll um den Ausreißer. Weit laufen mag er nicht mehr.

Auf der Suche nach seinem Herrchen irrte Hund Balu zehn Tage durch Mittelholstein. Beteiligt waren an der Aktion unter anderem Handballer und Lokführer.

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20. November 2013, 06:00 Uhr

Wasbek/Bokel | Wenn Balu reden könnte, hätte er eine unglaubliche Geschichte zu erzählen. Es ist die Geschichte einer Wanderschaft über dutzende von Kilometern. Zehn Tage lang irrte der Golden-Retriever-Rüde im Zick-Zack durch Mittelholstein und musste einige Abenteuer überstehen. Jetzt ist (fast) wieder alles gut.

Jörg Paulsen (46) aus Bokel bei Nortorf wollte nie einen Hund haben. Aber als er erfuhr, dass ein Bekannter schwer krank ist und dringend eine Pflegefamilie für seinen Hund suchte, entschied der Familienrat spontan: Wir nehmen Balu. Der Bekannte brachte seinen Hund, den er zehn Jahre bei sich hatte, schweren Herzens zu Familie Paulsen – buchstäblich auf dem Weg ins Krankenhaus.

Alle verstanden sich gut miteinander, doch nach drei Tagen stand abends nur kurz ein Tür offen – Balu marschierte raus und war augenblicklich in der Dunkelheit verschwunden. Vermutlich hat er sich auf die Suche nach seinem Herrchen gemacht. Nachts schwärmte die ganze Familie aus, aber Balu blieb verschwunden.

„Am nächsten Tag haben wir begonnen, überall Zettel mit einem Foto von Balu und unserer Telefonnummer aufzuhängen“, erzählt Paulsen. Im Internet gab es Aufrufe bei Facebook. Tatsächlich riefen in den nächsten Tagen ständig wildfremde Menschen bei ihm an, weil sie den Hund gesehen hatten und ihre Hilfe anboten. Balus Spur führte von Bokel nach Ellerdorf, Thienbüttel, Nortorf, Timmaspe, Aukrug, Sarlhusen, wieder nach Timmaspe und bis nach Wasbek. „Wir wussten fast immer, wo Balu ist, aber wir kamen immer zu spät. Das hat an den Nerven gezehrt“, erzählt Paulsen. Der Hund war mittlerweile mager, schmutzig und völlig durch den Wind, ließ sich von niemandem anfassen und ging immer wieder stiften.

In Aukrug-Homfeld wurde Balu von einem Auto touchiert. Bei Wasbek wäre er um ein Haar von einem AKN-Zug überfahren worden. Fortan suchten auch alle Lokführer zwischen Neumünster und Hohenwestedt nach einem Golden Retriever. Die Handballer der HSG 91 Nortorf schwärmten aus, ein ganzer Motorradclub hielt die Augen auf, ein Aukruger Polizist half nach Feierabend suchen, eine Hundestaffel aus Oldenhütten nahm die Fährte auf – doch in Timmaspe verlor sich die Spur.

Dann kam morgens um 7.15 Uhr ein Hinweis aus dem Wasbeker Industriegebiet – an der Mülltonne eines Imbisses suchte Balu etwas zu essen. Dann wurde er am Wasbeker Tennisplatz gesehen – aber der achtköpfige (!) Suchtrupp kam zu spät. „Dann wollte ich mir in dem Topkauf-Laden ein Brötchen kaufen – und sah Balu plötzlich im Garten der Gastwirtschaft Kühl!“, sagt Jörg Paulsen. Schnell wurde das Grundstück förmlich umstellt, Paulsen holte den vorbereiteten Futternapf mit dem Schlafmittel, lockte den Hund in den Kuhstall – und schloss die Tür. Das war’s. Nach zehn Tagen war die Flucht vorbei. Als Balu schlief, trug er ihn ins Auto und fuhr sofort zum Tierarzt. Der stellte keine Verletzungen fest.

Jörg Paulsen und seine Familie sind unglaublich dankbar für die enorm große Hilfsbereitschaft. Paulsen hatte auf seinem Handy in den zehn Tagen 46 Anrufe von wildfremden Menschen, die helfen wollten. Alles in allem haben rund 600 Menschen nach dem Hund gesucht, schätzen die Paulsens.

Balu ist beim Futter nicht mehr so wählerisch wie früher. Er liegt gern im Wohnzimmer der Paulsens unter dem Tisch und lässt sich streicheln. Auf dem Rücken hat er einen kleinen Ölfleck. „Vielleicht hat er auf einem Bauernhof unter einem Trecker geschlafen. Wir werden es wohl nie erfahren. Aber den Fleck kriegen wir auch noch weggebürstet“, sagt Jörg Paulsen.

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