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Landeszeitung

16. Dezember 2017 | 22:01 Uhr

Einmal über den Tellerrand geschaut

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Beim gestrigen Girls’ und Boys’ Day erhielten Mädchen und Jungen Einblicke in Berufe, die sonst eher vom anderen Geschlecht ergriffen werden

von
erstellt am 23.Apr.2015 | 11:57 Uhr

Einfach mal über den Tellerrand hinausschauen, Berufe kennenlernen, die klassischerweise eher das andere Geschlecht ergreift, und sich für die eigene Berufswahl orientieren: Das ermöglichte gestern der Girls’ beziehungsweise Boys’ Day. An diesem Tag schnuppern Mädchen und Jungen in Berufsfelder hinein, in denen Männer oder eben Frauen unterrepräsentiert sind.

Am Rendsburger Berufsbildungszentrum am Nord-Ostsee-Kanal konnten sich 20 Mädchen Eindrücke von den Tätigkeiten als Tischler, Holzmechaniker, Maler und Raumausstatter verschaffen. In so genannten Tandems bauten neun Mädchen mit einem Berufsschüler an ihrer Seite einen kleinen Spiegel zusammen. Aylin Clasen von der Christian-Timm-Schule machte der Schnuppertag viel Spaß. „Ich finde es interessant herauszufinden, wie Holz verarbeitet wird“, erzählt sie, während sie die Kanten an ihrem Spiegel mit Schleifpapier abrundet. Tischlerin ist allerdings nicht ihr Berufswunsch: „Ich möchte lieber Grundschullehrerin werden.“ Ähnlich geht es auch Lea Bahnsen. Sie kennt die Arbeit mit Holz schon aus der heimischen Hobby-Werkstatt. „Hier macht es aber mehr Spaß“, berichtet die 13-Jährige von der Schule Hohe Geest (SHG) in Hohenwestedt. Nach dem Schulabschluss möchte sie trotzdem gerne studieren – am liebsten würde sie Ärztin werden. Rasmus Petersen und Lennart Berendsen, die den beiden Mädchen mit Rat und Tat zur Seite standen, waren ebenfalls zufrieden: „Die Mädels stellen sich gut an“, war ihr Fazit.

Die Lehrküche der SHG präsentierte sich gestern hingegen als „Trainingscamp für Küchenbullen“. Bei der landesweiten Boys’ Day-Aktion des Landfrauenvereins Schleswig-Holstein stand für die Jungen unter anderem die Planung und Zubereitung eines Mittagessens sowie eine Einführung in die Tisch- und Esskultur auf dem Tagesplan. Eine Besonderheit des Küchencamps bestand darin, dass eine komplette siebte Klasse am hauswirtschaftlichen Basisunterricht teilnahm. Deshalb bekamen die „Küchenbullen“ Unterstützung von einigen „Küchenfeen“.

Insgesamt vier Landfrauen vom Verein Hohenwestedt und Umgebung betreuten je eine Schülergruppe, die alle nötigen Arbeitsschritte fürs gemeinsame Mittagessen absolvierte: vom Tisch decken inklusive Blumengesteck-Arrangement übers Tomatensuppe kochen und Frikadellen braten bis zum Abwaschen und Küche aufräumen. Auch Fenster putzen, Schürzen bügeln sowie Hygieneregeln und Unfallverhütung standen auf dem fünfstündigen Unterrichtsprogramm. „Meine Küchenfeen hatten allerhand Vorkenntnisse, weil sie auch zu Hause gern kochen“, lobte Wilga Büttner ihre reine Mädchen-Gruppe. „Alle haben mit Begeisterung mitgearbeitet und nebenher selbständig den Abwasch erledigt.“

„Dass man nicht für die Schule, sondern fürs Leben lernen soll, wird hier umgesetzt“, betonte Schulleiter Hans-Christian Behrendt. „Hier bekommen die Schüler Fertigkeiten vermittelt, die sie im Alltagsleben gebrauchen können.“ Inklusive der Küchencamp-Klasse 7p nahmen gestern 120 Siebt- und Achtklässler der SHG am Girls’ und Boys’ Day teil. „Abgesehen vom Gender-Aspekt werden die Jugendlichen beim Girls’ und Boys’ Day frühzeitig mit der Arbeitswelt konfrontiert“, stellte Behrendt fest, „in Hinblick auf die spätere Berufswahl ist dieser Aktionstag eine wirklich gute Einrichtung.“ Dass die Landfrauen zu Gast waren, um die Schulküche in ein Küchenbullen-Trainingscamp zu verwandeln, fand Behrendt besonders lobenswert: „Wir als Schule betrachten uns ja nicht als Elfenbeinturm, sondern wir wollen gern ins gesellschaftliche Umfeld eingebunden sein.“

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