"Eine Symbolfigur für die bürgerliche Freiheit"

Eine Würdigung in Bronze für  Heinrich de Haan: Sohn Wolfgang de Haan, Künstler Manfred Sihle-Wissel und Bürgermeister Andreas Breitner.Foto: org
Eine Würdigung in Bronze für Heinrich de Haan: Sohn Wolfgang de Haan, Künstler Manfred Sihle-Wissel und Bürgermeister Andreas Breitner.Foto: org

Eine Bronze-Büste auf dem Altstädter Markt soll an Heinrich de Haan erinnern, der von 1929 bis 1934 sowie von 1950 bis 1957 Bürgermeister der Stadt Rendsburg war.

shz.de von
06. April 2009, 10:03 Uhr

Rendsburg | Die Bronzebüste des ehemaligen Rendsburg-Bürgermeisters Heinrich de Haan ziert bereits seit Freitag den Altstädter Markt. Offiziell enthüllt wurde das Werk des Künstlers Manfred Sihle-Wissel am Sonntag von Sohn Dr. Wolfgang de Haan und Bürgermeister Andreas Breitner.

Die Büste hatte Wolfgang de Haan am Ende vergangenen Jahres in Auftrag gegeben - unter dem Eindruck einer Gedenkveranstaltung zur letzten freien Kommunalwahl vor dem Krieg 1933. "Ich habe begriffen, dass mein Vater so etwas wie eine Symbolfigur für bürgerliche Freiheit ist", sagte der Sohn.

Das Leben und Wirken von Heinrich de Haan für die Stadt Rendsburg zeichnete die Stadtarchivarin Dr. Regina-Maria Becker im Ratssaal nach: Heinrich de Haan (er selbst nannte sich zeitlebens Heinz, ein Kosename, den seine Mutter ihm gegeben hatte) wurde am 5. April 1896 in Bremerhaven geboren. Nach einem Studium in Frankfurt wurde er dort Kämmerer und bewarb sich schließlich um den Bürgermeisterposten in Rendsburg. Aus insgesamt 107 Kandidaten wurden drei ausgewählt, der damals 29 Jahre alte de Haan gewann die Direktwahl (83 Prozent Wahlbeteiligung) deutlich.

Diese erste Amtszeit war von Beginn an schwierig. Die Weltwirtschaftskrise sorgte für erdrückende Schulden, mehr als ein Drittel der Einwohner Rendsburgs war auf staatliche Hilfe angewiesen. Und schließlich drängten die Nazis an die Macht. Heinrich de Haan wurde 1934 abgesetzt.

In der Folgezeit war Heinrich de Haan unter anderem auf Norderney als Kurdirektor und Bürgermeister tätig. Nach dem Krieg wurde er Geschäftsführer der IHK in Kiel. Aber es zog ihn nach Rendsburg zurück. Im April 1950 wählte ihn die Ratsversammlung erneut zum Bürgermeister. Die Stadt befand sich im Aufbruch. In der Amtszeit von Heinrich die Haan wurde der Wohnungsbau vorangetrieben, es entstand eine Voll-Kanalisation, die Volkshochschule wurde gegründet, das Schwimmbad gebaut, die Planung für den Kanaltunnel vorangetrieben.

Ein besonderes Anliegen war de Haan die Völkerverständigung. Während eines deutsch-französischen Bürgermeistertreffens in Straßburg lernte er Maurice Caron kennen, den Bürgermeister von Vierzon. Die beiden Männer stellten fest, dass sie während des ersten Weltkrieges beide an der Schlacht um Verdun teilgenommen - und dort möglicherweise sogar aufeinander geschossen hatten. Aus der Erkenntnis, dass sich so etwas nie wiederholen dürfe, entwickelte sich ein freundschaftliches Verhältnis - und die Städtepartnerschaft zwischen Rendsburg und Vierzon.

Heinrich de Haan war für die Stadt Rendsburg und viele Nebenämter unermüdlich im Einsatz. Er starb im März 1957 an einem Herzinfarkt. Seit gestern erinnert die Bronzebüste auf dem Altstädter Markt an Rendsburgs ehemaligen Bürgermeister - direkt vor dem Alten Rathaus, in dem er für die Stadt gewirkt hat.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen