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Landeszeitung

19. August 2017 | 17:32 Uhr

Wahlkampf : Eine Stunde mit der Kanzlerin

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Angela Merkel hält Wahlkampfrede vor rund 1500 Menschen auf dem Schloßplatz. Abflug um 20.06 Uhr vom Willy-Brandt-Platz.

Als die Kanzlerin Rendsburg erreicht, hat sie ein dringendes Bedürfnis. Also entsteigt sie ihrer Audi-Limousine nicht erst am Schloßplatz, wo die große Bühne steht und rund 1500 Menschen warten, sondern schon in der Schleuskuhle. Den Umweg über die Holsteiner Straße und den Schiffbrückenplatz legt Angela Merkel zu Fuß zurück. Sie hat ihn kurzfristig erbeten, weil sie sich vor ihrer Wahlkampfrede noch frisch machen will. Also sichert ein halbes Dutzend Polizisten und Bodyguards kurzerhand das Lokal „Ruby Days“ – während die mächtigste Frau der Welt aufs Örtchen verschwindet.

CDU-Spitzenkandidat Johann Wadephul hat sie am Auto abgeholt. Kurzer Händedruck, sofort die erste Frage: Wie es um den Nord-Ostsee-Kanal stehe, will Merkel wissen. Dessen Schleusen seien ein Problem, sagt Wadephul sinngemäß, doch noch größere Sorgen mache die Rader Hochbrücke. Aha? Merkel wirkt überrascht. Das wusste sie offenbar noch nicht. Wie auch, sie ist ja mit dem Hubschrauber hier. Der ist auf dem Willy-Brandt-Platz gelandet, wo die Polizei eine Fußballfeld-große Fläche mit Flatterband abgesperrt hat.

Auch der Schloßplatz ist bestens gesichert. Die Rendsburger Polizei hatte sich seit Wochen auf den Besuch aus Berlin vorbereitet. Bis zum Abflug der Regierungschefin herrscht höchste Sicherheitsstufe und Geheimhaltung. Selbst den Landeplatz des Helikopters an der Nordmarkhalle darf niemand verraten. Am Nachmittag suchen Sprengstoffexperten der Polizei alle Kanaldeckel und Gullys am Schloßplatz nach möglichen Bomben ab.

Als Merkel gegen 19 Uhr das Pflaster betritt, stehen die Menschen dicht an dicht. Vielfach sind ganze Familien gekommen, ebenfalls viele Menschen unterschiedlicher Nationen. Auch hinter den Fenstern der umliegenden Häuser sind Zuschauer zu erkennen. Und viele Beamte in Zivil. Grüne und Piraten haben Flugblätter verteilt und halten Transparente in die Höhe. „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“ steht auf einem. Auf einem anderen: „Wir werden überwacht und Sie, Frau Merkel, tun nichts.“

Die CDU hat 400 Sitzplätze reserviert. In der ersten Reihe ist unter anderem Nils Jennrich mit Familie zu sehen. Der Kunstspediteur hatte 127 Tage zu Unrecht in chinesischer Haft gesessen. Zuletzt hatte sich Außenminister Westerwelle für ihn eingesetzt. Ob Merkel von seinem Schicksal weiß? Mit Einbruch der Dämmerung macht sie sich auf den Rückweg. Rendsburg war für sie der vierte von zehn Wahlkampfauftritten in dieser Woche. Im Konvoi aus schweren Karossen geht es zurück zum Willy-Brandt-Platz. Dort warten rund 50 Rendsburger auf den Staatsgast. Sie winken, wollen Merkel einmal sehen. Und bekommen mehr: Die Regierungschefin steigt aus und nimmt sich noch ein paar Minuten für die Wartenden. Ein Handyfoto hier, ein Handyfoto da – dann ist es Zeit, in den Hubschrauber der Luftwaffe einzusteigen. Die Rotoren springen an, Staub wirbelt auf. Um 20.06 Uhr hebt der Flieger ab. Die Bundeskanzlerin sitzt ganz hinten links. So genießt sie nochmal einen herrlichen Blick auf Rendsburg.

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erstellt am 27.Aug.2013 | 21:50 Uhr

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