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Pilzsaison beginnt : Eine Spezies zwischen Tier und Pflanze

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Wegen einer feuchten Wetterperiode im August schießen die Pilze bereits jetzt aus dem Boden.

shz.de von
erstellt am 10.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Mit Anita Engler im unwegsamen Gelände der Wälder bei Aukrug Schritt zu halten, ist nicht einfach. Zügig geht es mit der Pilzsammlerin über Stock und Stein – doch dabei scheint ihr keines der kleinen Gewächse zu entgehen, auf die sie es abgesehen hat und die sich meistens im im Gestrüpp des Waldbodens verstecken. Oft hält sie inne, um ein Exemplar genauer zu betrachten. Es wird klar: Die Pilzsaison im Kreis Rendsburg-Eckernförde hat begonnen.

„Für dieses Gebiet kommen die Pilze schon sehr früh“, erklärt Engler. „Sonst ist es hier im August noch sehr trocken, aber in diesem Jahr hatten wir in dem Monat bereits eine kühle und feuchte Periode.“ Deshalb schießen die Pilze ihr zufolge jetzt aus dem Boden. Besonders in Aukrug sei durch das abwechslungsreiche Gelände eine seltene Vielfalt zu finden. Ziegenlippe, Rotfüßchen, Maronen und Steinpilze sind darunter. Mit Glück treffen Sammler sogar auf Trompetenpfifferlinge, später auch auf den Hallimasch. Auf diese essbaren Pilze konzentriert sich Anita Engler, insgesamt sind es etwa 20 Arten. Seit sieben Jahren bietet die Wasbekerin Führungen an, inzwischen für die Volkshochschulen Aukrug, Hohenwestedt und Kellinghusen. Wie lange die 51-Jährige schon Pilze sammelt? „Seit 50 Jahren, ich bin schon früh mit meinem Vater zum Sammeln in den Wald gegangen“, sagt die gebürtige Dresdnerin mit einem verschmitzten Lächeln. Deshalb kennt sie sich zwar gut aus, rät aber jedem: „Wer sich bei einem Pilz nicht vollständig sicher ist, sollte ihn sehen lassen.“ Täublinge etwa sammle sie gar nicht. „Die kann ich nicht auseinanderhalten.“ Die Gefahr eine giftige Art zu erwischen, wie den Speitäubling, sei ihr zu groß. Bevor ein Pilz ins Körbchen komme, müsse jedes einzelne Merkmal überprüft werden und stimmen. Der giftige Weiße Knollenblätterpilz etwa sei dem Champignon oft zum Verwechseln ähnlich. Nur in der abgesetzten Knolle, an der glatten Manschette am Stiel unter dem Hut und an den durchgängig weißen Lamellen sei er von dem beliebten Speisepilz zu unterscheiden. Der habe rosa bis braune Lamellen und die Knolle gehe glatt in den Stiel über. Um das zu erkennen, müsse der Pilz ausgegraben, nicht abgeschnitten werden.

Giftige Pilze heben sich laut Anita Engler durch ihren scharfen Geschmack ab. „Das ist aber heikel, denn je nach Feuchtigkeit schmecken Pilze anders.“ Sie rät Anfängern, sich auf wenige Arten zu konzentrieren, etwa auf Röhrlinge, „die sind übersichtlich“. Bei Vergiftungen helfen Kohletabletten, ein Arztbesuch sei aber unbedingt nötig, dorthin sollten Betroffene auch die Speisereste mitnehmen.

Während des zügigen Waldrundgangs gibt Engler ihr Wissen weiter: „Pilze gibt es seit etwa einer Milliarde Jahre, und sie stehen Tieren näher als Pflanzen.“ Heute bildeten sie daneben aber eine eigene Gruppe, obwohl sie auf bestimmte Einzeller, die Geißeltiere, zurückgingen.

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