Lütjenwestedt : Eine sehr positive „Horrorbilanz“

Bürgermeister wird zum Geist: Björn Baasch wird von Kristin Rebehn zum längst verstorbenen Hotelier de Grav zurechtgeschminkt.
Bürgermeister wird zum Geist: Björn Baasch wird von Kristin Rebehn zum längst verstorbenen Hotelier de Grav zurechtgeschminkt.

Lütjenwestedts Theaterreihe ging am Wochenende zu Ende: Alle 56 Gruselshows der vergangenen vier Wochen waren ausverkauft.

Avatar_shz von
04. November 2018, 16:51 Uhr

56 Gruselshows in vier Wochen, alle ausverkauft und wieder ein neuer Besucherrekord: Diese „Horrorbilanz“ des Theatervereins Lütjenwestedt kann sich sehen lassen. Bei einer Extravorstellung, deren Tickets auf eBay versteigert wurden, kamen zudem 479 Euro für den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Pflege Lebensnah in Rendsburg zusammen.

In Lütjenwestedt kehrt man wieder zum normalen Tagesgeschäft zurück. Vier Wochen lang hatte sich die Gemeinde in das „Dorf des Grauens“ verwandelt. Am Sonnabend gab der Theaterverein Lütjenwestedt nun die letzten Vorstellungen im „Hotel de Grav“. Auch am letzten Tag absolvierten die Darsteller in ihrem Grusellabyrinth wieder ein bemerkenswertes Pensum, denn auf dem Programm standen nach Einbruch der Dunkelheit die laufenden Vorstellungen Nr. 51 bis 56. Jede Aufführung dauerte 75 Minuten, denn es handelte sich um interaktive Horrorshows, in deren Verlauf die jeweils zehnköpfigen Besuchergruppen allerhand zu erledigen hatten.

Sobald sie mit ihrem Auto auf das Gelände eines ehemaligen Bauernhofs an der Landesstraße 127 zwischen Lütjenwestedt und Haale fuhren, wurden die Gäste selbst zu Akteuren des gruseligen Geschehens. Mit ihrer Internet-Anmeldung im „Hotel de Grav“ hatten sich die Besucher als „Fachpersonal im Bereich des Paranormalen und der Geisterjäger-Wissenschaften“ beim „Bundesamt für Verteidigung“ beworben.

Empfangen wurden die Showgäste von schwer bewaffneten Soldaten, die alle Bewerber erstmal gründlich durchsuchten und dann deren Fitness mittels Liegestützen und Kniebeugen testeten. Der Schlagbaum, den die Soldaten bewachten, war ein Hinweis auf das „militärische Sperrgebiet“, zu dem das Gelände nach einer Serie von mysteriösen Todesfällen erklärt worden war.

Die Besucher wurden von der Pförtnerin zu ihren Parkplätzen geleitet, anschließend vom Concierge begrüßt und bekamen dann die vom Autorenteam des Theatervereins erdachte Vorgeschichte des „Hotel de Grav“ in Form eines achtminütigen Videos serviert: die Gründung des Hotels durch das Ehepaar de Grav Ende der 50er Jahre, den Tod der Ehefrau bei der Geburt der Tochter, den Tod der Tochter bei einer Explosion während eines „Kongresses der Schädlingsbekämpfer“ 1966, die vom wahnsinnig gewordenen Ehemann daraufhin begangenen fünf Morde und schließlich das rätselhafte Verschwinden des Hoteliers.

Danach wurde die Horrorshow so richtig interaktiv, denn die Hotelgäste, die sich ja als „Fachpersonal im Bereich des Paranormalen“ beweisen wollten, mussten nun in den fünf Mordzimmern nach Indizien zur Aufklärung der mysteriösen Geschehnisse suchen.

Mit diesen Lösungshinweisen im Gepäck hatten die Besucher dann die Erschrecker-Attacken im Grusellabyrinth zu bewältigen – ohne zu wissen, dass sie dabei von einer neuen „Scare-Cam“ fotografiert wurden, deren beste Bilder demnächst auf der Homepage des Theatervereins erscheinen sollen. Im Kaminzimmer klärte sich dann alles auf reichlich paranormale Weise auf. Durch ein spezielles Ritual wurden die Geister des Hoteliers und seiner Tochter heraufbeschworen, die Putzfrau als personifiziertes Böses entlarvt und die Seelen von Vater und Tochter de Grav gerettet.

Ein Happy-End gab es für die Besucher dennoch nicht: Ihr mit einem Hubsteiger simulierter Fahrstuhl zum Parkplatz stürzte nämlich ab, woraufhin sie vom Sensenmann persönlich in Empfang genommen wurden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen