Anja Ilgenstein : Eine Ratsfrau erfüllt Safari-Träume

Blick aus dem Geländewagen auf wilde Tiere: Namibia bietet unvergessliche Erlebnisse. Foto: Anja Ilgenstein/ Terra Namibia
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Blick aus dem Geländewagen auf wilde Tiere: Namibia bietet unvergessliche Erlebnisse. Foto: Anja Ilgenstein/ Terra Namibia

Anja Ilgenstein hat ein exotisches zweites Zuhause: Die Wildnis Namibias. Die Familie ist eng mit dem Land verbunden.

shz.de von
27. Dezember 2012, 09:59 Uhr

Rendsburg/windhoek | Manche Giraffen überqueren die Savannen-Straße leicht tänzelnd. Warzenschweine rennen in Reih und Glied, die Eltern vorn, der Nachwuchs hinten. Paviane hüpfen als wilde Horde schnurstracks los. An einem Wasserloch trompeten und prusten Elefanten, daneben grasen Zebras und Gnus. Anja Ilgenstein hat solche Bilder vor Augen, wenn sie an das Land ihres Herzens denkt - an Namibia. Die Ratsfrau und zweite stellvertretende Bürgermeisterin von Rendsburg hat aufgehört zu zählen, wie oft sie bereits in dem südafrikanischen Land war. Mehr als 30 Aufenthalte dürften es gewesen sein; bald steht der nächste an. Mit ihrer Agentur "Terra Namibia" bietet die gelernte Reiseverkehrskauffrau Privatsafaris und individuelle Reisen durch Namibia an.
"Man kommt an den Punkt, an dem es nicht wichtig ist, wie schnell das Internet ist. Back to basic." So antwortet Anja Ilgenstein auf die Frage, warum ihr die Wochen in Namibia wichtig seien. Wobei es jenseits der Entschleunigung und Erholung noch einen tiefer gehenden Grund gibt. Ihre Familie ist eng verbunden mit der einstigen deutschen Kolonie. Klaus-Peter Kownatzki, der Vater von Anja Ilgenstein, landete nach der Flucht zunächst in Meldorf. 1951, als neunjähriger Junge, siedelte er mit seinen Eltern ins damalige Südwestafrika über. Das Schicksal hatte die Familie auf die Südhalbkugel geführt: Kownatzkis Vater war zwei Jahre zuvor aus russischer Gefangenschaft entlassen worden, mit dem Verlobungsring eines gefallenen und aus Südwestafrika stammenden Kameraden im Gepäck. "Er bewahrte den Ring in einer Zahnpasta-Tube auf, um ihn während der Gefangenschaft zu verstecken", erzählt Anja Ilgenstein. "Diesen Ring wollte er den Verwandten unbedingt zurückbringen."

Vater legte Grundstein für die Liebe zu Namibia

Dabei blieb es nicht. Die Familie fasste Fuß in "Südwest", Kownatzki senior fand Arbeit als Farmverwalter, der Sohn machte seinen Highschoolabschluss. Als Deutscher unterlag er jedoch weiter der Wehrpflicht und wurde 1962 eingezogen. Klaus-Peter Kownatzki schlug die Offizierslaufbahn ein und wurde zunächst in Bayern stationiert. Dort kam Anja Ilgenstein 1967 zur Welt. 1974 zog die Familie nach Rendsburg, nachdem Kownatzki in die damalige Rüdel-Kaserne versetzt worden war. "Namibia hat ihn in der ganzen Zeit nicht mehr losgelassen", sagt Anja Ilgenstein.
1994, nach dem Ausscheiden bei der Bundeswehr, widmete sich Klaus-Peter Kownatzki seiner zweiten Karriere. Er ließ sich an der Namibischen Akademie für Tourismus und Fremdenverkehr in Windhoek zum Tourguide ausbilden. Seitdem bereiste er mit Freunden und Verwandten vornehmlich das südliche Afrika und wurde zum profunden Kenner Namibias, seiner rauen Wildnis, faszinierenden Nationalparks und lebendigen Städte. 2007 wurde "Terra Namibia" gegründet. Zahlreiche Rendsburger nutzten die Dienste der Reiseagentur für Touren durch Etosha-Nationalpark, Namib-Wüste, Fish River Canyon und andere aufregende Landstriche.

Anja Ilgenstein und Familie übernehmen die Pflichten

2009 der Schock: Klaus-Peter Kownatzki verunglückte im Alter von 67 Jahren bei einem Autounfall in Namibia. Anja Ilgenstein ließ die Geschäfte zunächst ruhen. Und entschloss sich dann doch, "Terra Namibia" weiterzuführen. Ganz im Sinne ihres Vaters und doch anders. "Er hatte ein so umfangreiches Wissen - das kann ich nicht leisten, obwohl ich über Namibia viel weiß", sagt Anja Ilgenstein. "Jetzt legen mein Mann, mein Sohn und ich unser Wissen zusammen." Die Liebe zu Namibia ist der Rendsburgerin anzumerken, vor allem wenn sie über die vielfältige Tierwelt berichtet. Wer in einem der offenen Geländewagen durch die Savanne geschaukelt wird, fühlt sich wie in einem großzügig angelegten Zoo. "Im Laufe der Jahre bekommt man den Safari-Blick", sagt die Ratsfrau. Was das ist? "Wenn man mitten in den Dünen die hervorlugenden Löwenohren sieht, wo andere nichts sehen." Auch das Einschätzen von Gefahren in der Wildnis sei Erfahrungssache. "Am Verhalten von Springböcken kann man sehen, ob hinter dem nächsten Busch noch ein Raubtier liegt", weiß Anja Ilgenstein.

Ein anderer Tipp der Namibia-Expertin klingt profan und erspart unterwegs womöglich Ärger. "Eine gute Kamera mit großer Brennweite und immer ein Fernglas pro Person mitnehmen!", empfiehlt sie. "Wenn der Löwe auf das Zebra ansetzt, wollen alle gleichzeitig gucken."www.terranamibia.de

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