Rendsburg/Süderstapel : Eine Kreuzfahrt auf der Eider

Abfahrt in Süderstapel: Der Turm der Wehrkirche St. Katharinen ist noch lange sichtbar. Rechts am Ufer erkennbar der Campingplatz. Hier ist die Eder fast 300 Meter breit.
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Abfahrt in Süderstapel: Der Turm der Wehrkirche St. Katharinen ist noch lange sichtbar. Rechts am Ufer erkennbar der Campingplatz. Hier ist die Eder fast 300 Meter breit.

Willkommen an Bord: Bei einer Kreuzfahrt mit der "Adler Princess" gibt es auf Schleswig-Holsteins längstem Fluss, der Eider, viele Attraktionen zu entdecken.

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01. Mai 2011, 10:21 Uhr

Rendsburg/Süderstapel | Ganz langsam schiebt sich das Schiff vorwärts. Zentimeter für Zentimeter. "Mehr steuerbord", ruft Maschinist Dietmar Propp. Er hängt backbord über der Reeling. Links, würden Landratten sagen. Die sind zahlreich an Bord und beugen sich gespannt zu beiden Seiten der "Adler Princess" hinunter. Aufmerksam verfolgen sie, wie Kapitän Peter Daniel das 8,60 Meter "dicke" Schiff in die Gieselau-Schleuse steuert. Neun Meter breit ist die Schleusenkammer. Darum ist Maßarbeit gefragt.
Etwa bei Kanalkilometer 40 mündet der Gieselau- in den Nord-Ostsee-Kanal und verbindet diesen mit der Eider. "Mit 188 Kilometern ist die Eider der längste Fluss Schleswig-Holsteins", klärt der Kapitän die Passagiere über Lautsprecher auf. Der Fluss ist ihr Ziel: Sie sind zur Eiderkreuzfahrt aufgebrochen - der ersten in diesem Jahr.
Am Ufer stehen Angler, winken den Seh-Leuten zu
Beim Einlaufen in die Schleuse sind bereits zwei erlebnisreiche Stunden vergangen. Denn die "Adler Princess" legt im Rendsburger Obereiderhafen ab. Bei strahlendem Sonnenschein zeigen sich Yachthafen und Nobiskrug-Werft von ihrer besten Seite. Kameras klicken. "So bekommt man das ja sonst nie zu sehen", freut sich ein Mann beim Blick auf eine schnittige Yacht, die in der Werft gebaut wird. Auch der havarierte russische Frachter "Tyumen-2" liegt hier. Dann passieren die Kreuzfahrer die Schiffsbegrüßungsanlage: Es erklingt die deutsche Nationalhymne. Die Kameras sind wieder gezückt - dieses Mal, um die Eisenbahnhochbrücke ins Bild zu setzen. Am Ufer stehen Angler, winken den Seh-Leuten zu.

"Alles klar!" Maschinist Propp hat die "Princess" in der Gieselau-Schleuse fest an der Leine. Nur einmal hat es kurz geruckelt, ansonsten hat Kapitän Daniel sicher eingeschleust. Noch zwei weitere Male werden die Passagiere das Schleusen-Schauspiel verfolgen können: In Lexfähre und Norfeld. Es sind Höhepunkte einer Fahrt, die überwiegend Natur zu bieten hat - die sich bei Sonnenschein aber hervorragend vom Panorama-Deck aus genießen lässt.
An der Eider führt keine Uferstraße entlang
"Zunächst fahren wir ... den reizenden Eiderfluss hinauf, der sich in unzähligen Krümmungen dahinwindet", notierte Paul Verne 1881 in sein Tagebuch. "Das Land ist flach, aber üppig grün und hat viele Weiden", beobachtete der Bruder von Jules Verne, der zusammen mit dem berühmten Schriftsteller auf einem Schiff unterwegs war. Nachlesen lässt sich das in dem Büchlein "Jules Verne in Schleswig-Holstein" aus dem Boyens Verlag, das in zahlreichen Exemplaren in einem Regal hinter der Theke der "Adler Princess" hängt.
Aber die heutigen Reisenden wollen nicht Lesen, sondern alles mit eigenen Augen sehen: Das knospende Grün, die weiten Weiden, die schmalen Schleusen, die kleinen Städtchen am Ufer. Es sind Perspektiven, die sonst nicht möglich sind. Denn an der Eider führt keine Uferstraße entlang. Zu eng sind die Windungen, die aus der Strecke Rendsburg-Tönning eine Neun-Stunden-Schiffstour machen.
Anzahl des Servicepersonals richtet sich nach der Anzahl der Passagiere
Eine Gruppe Dänen ist in Lexfähre zugestiegen - einer von zwei Zwischenstationen. Die Eider war lange Grenzfluss zwischen Franken und Dänemark - mit wenigen Unterbrechungen von 811 bis 1864. Die Ortschaften am nördlichen Ufer sind also erst seit knapp 250 Jahren deutsch.
Restaurantleiterin Ulrike Rutt heißt die dänischen Gäste freundlich willkommen. Sie und ihr Team haben die Tische für das reichhaltige Brunch-Buffet bereits eingedeckt. Iris Steensen, die stellvertretende Restaurantleiterin, nimmt Bestellungen entgegen. "Die Anzahl des Servicepersonals richtet sich nach der Anzahl der Passagiere", erklärt die Westerrönfelderin Rutt.
Der Kapitän hat wieder eine Wissenslücke seiner Passagiere geschlossen
Kreuzfahrt ist Saisongeschäft. "Mai bis September sind fünf harte Monate." Im Winter sind die Mitarbeiter dann arbeitslos - oder sie fahren als Decksmann auf den Kanalfähren. So wie Iris Steensen. Die Frau aus Breiholz möchte ihre Heimat nicht verlassen und sagt: "Das ist besser als nichts tun."
Das Schiff gleitet jetzt an den reetgedeckten Häusern von Tielenhemme vorbei, wo die Schriftstellerin Sarah Kirsch lebt. Passiert die Hohner Fähre. Und den ehemals bedeutenden Hafen von Delve, "von wo aus Schiffe einst bis England Waren lieferten". Aha. Der Kapitän hat wieder eine Wissenslücke seiner Passagiere geschlossen.
Dann tauchen steuerbord am Horizont "Berge" auf - der 15 Meter hohe Geestrücken bei Süderstapel. Direkt neben der komfortablen Badestelle legt die "Adler Princess" an - unter den aufmerksamen Blicken der spielenden Kinder. Hier ist für viele Fahrgäste Endstation. Im Bus geht es zurück nach Rendsburg - wesentlich schneller als per Schiff, doch ohne einen einzigen Blick auf die Eider.
Kreuzfahrten auf der Eider: Ein bis zwei Mal im Monat kreuzt die "Adler Princess" auf der Eider - am ersten Tag von Rendsburg bis Tönning, am folgenden Tag geht es zurück. Rückfahrt mit der NOB im Preis enthalten.

Die Termine
Mo., 16. + Di., 17. Mai
Fr., 27. + Sa., 28. Mai
Mi., 29. + Do., 30. Juni
Di., 23. + Mi., 24. August
Neu: Für Wissbegierige - mit Moderation von Tönning bis Lexfähre
Mi., 6. + Do., 7. Juli
Mo., 18. + Di., 19. Juli
Mi., 3. + Do., 4. August
Di., 6. + Mi., 7. September
Do., 13. + Fr., 14. September


(sab, shz)
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