zur Navigation springen
Landeszeitung

21. November 2017 | 14:45 Uhr

Eine Innovation zergeht auf der Zunge

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

„Swally Ice“ aus Büdelsdorf erleichtert Menschen mit Schluckbeschwerden die Nahrungsaufnahme / Abnehmer in ganz Deutschland

shz.de von
erstellt am 22.Apr.2014 | 15:18 Uhr

Es sieht aus wie normales Speiseeis. Es schmeckt auch wie normales Eis. Doch „Swally Ice“ ist viel mehr. Das Produkt könnte vielen Menschen das Leben erleichtern. Die Innovation aus Büdelsdorf hilft allen, die an der Speiseröhre erkrankt sind und deshalb Probleme mit dem Schlucken haben.

Der Vorgang ist komplex, mehr als 50 Muskeln sind daran beteiligt: Jeder Mensch schluckt etwa 2000 Mal am Tag und nimmt es doch kaum wahr. Es sei denn, es kommt zu Störungen. Dann wird jede Nahrungsaufnahme zur Qual. Vor allem bei älteren Menschen sind Probleme keine Seltenheit. Ursachen sind unter anderem ein schwächer werdender Schluckreflex, ein Mangel an Speichel oder schwere Erkrankungen wie Schlaganfall oder Demenz. Auch ein Schädel-Hirn-Trauma oder Tumor-Operationen können Auslöser für Beeinträchtigungen sein. In Deutschland sind acht Millionen Menschen betroffen, schätzen Experten. Dysphagie ist das medizinische Wort für Schluckstörungen, und „Swally Ice“ nennt sich das innovative Eis, das speziell für diese Patientengruppe entwickelt wurde.

Erfunden haben es Eckhard Ramlow von den „Softeis Profis“ in Büdelsdorf und seine Mitstreiter. „Dieses spezielle Eis bietet Menschen mit Schluckstörungen einerseits eine Konsistenz, die sicher geschluckt werden kann“, sagt der erfahrene Eis-Fachmann, der Mitte der 80-er Jahre die Kette „Janny’s Eis“ mit aufgebaut hatte. „Andererseits erfüllt es wichtige Ernährungskriterien und rückt dabei vor allem die geschmackliche Komponente in den Vordergrund.“

Im Gegensatz zu Eissorten aus dem Supermarkt schmilzt „Swally Ice“, das in zwölf Geschmacksrichtungen erhältlich ist, sehr langsam. Selbst nach einer halben Stunde bei Raumtemperatur ist es noch zäh. Erreicht wird diese Eigenschaft nicht durch chemische Zusätze, wie Ramlow erklärt. Bis auf zwei Ausnahmen seien alle Zutaten frei käuflich. „Wir stellen ,Swally Ice‘ mit einer umgebauten Eismaschine her“, sagt Ramlow. „Den Auftauvorgang zögern wir allein durch eine spezielle Fertigungstechnik hinaus. Wie genau – das ist unser Geheimnis.“ Vorteil für die Konsumenten: Anders als bei Speiseeis, das sich binnen Sekunden im Mund verflüssigt, bleibt bei „Swally Ice“ mehr Zeit, es koordiniert zu schlucken. Da es mit Soja hergestellt wird, bleibt außerdem kein milchiger Film auf der Zunge zurück.

Seit Oktober 2010 ist „Swally Ice“ auf dem Markt. Vor allem Pflegeeinrichtungen und -Dienste in Süddeutschland bieten das Büdelsdorfer Produkt ihren Kunden und Patienten an. Doch ausgerechnet in Rendsburg und Umgebung ist das Eis noch kaum bekannt. „Der Bedarf ist da, aber es gibt hier nur wenige Menschen, die wissen, dass es dieses Produkt gibt“, sagt Außendienst-Mitarbeiter Fred Schulz, der als gelernter Krankenpfleger aus der Praxis weiß, dass Schluckstörungen oft vorkommen.

Produziert wird „Swally Ice“ in einer kleinen Fabrikation am westlichen Stadtrand von Büdelsdorf. Per Overnight-Kurier und in Spezialverpackung wird es ausgeliefert. „Hier ist noch alles Handarbeit“, sagt Ramlow. Die Jahresproduktion umfasst derzeit etwa hundert Tonnen. Abnehmer sind Privatkunden, Kliniken und Pflegedienstleister in ganz Deutschland. Ramlow und Schulz arbeiten daran, den Vertrieb in Deutschland auf eine breitere Basis zu stellen. „Wir sind dabei, eine Pharmazentralnummer zu beantragen, damit das Eis von Ärzten verordnet werden kann und in Apotheken erhältlich ist“, sagt Ramlow. Schulz besucht unterdessen Pflegeeinrichtungen, Logopäden und Kliniken, um Proben zu verteilen und für die Vorteile des Eises zu werben. Anders als den großen Konzernen steht den Büdelsdorfern dabei so gut wie kein Budget für Reklame zur Verfügung. Hilfreich sind deshalb positive Erfahrungsberichte, die ihnen von Kunden zugeschickt werden. „Das Feedback ist absolut positiv“, versichert Ramlow und nennt den Fall eines Patienten, der nach einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung durch „Swally Ice“ die Lust am Essen zurück erlangte. „Nicht nur, dass sich die Beweglichkeit seiner Zunge deutlich verbessert hat“, so Ramlow. „Seit er das Eis verzehrt, kann er auch andere Speisen wieder bewältigen.“

www.swally-ice.de

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert