Rendsburg : Eine ganze Stadt im Oldtimer-Fieber

Lernte bei VW, fährt VW, liebt VW: Wilfried Bock (62) hält seinen Käfer im originalen Horizont-Blau perfekt in Schuss. Das Auto ist nur vier Jahre jünger als er. Das T-Shirt mit Wolfsburg-Emblem hat ihm sein Sohn zum Vatertag geschenkt.
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Lernte bei VW, fährt VW, liebt VW: Wilfried Bock (62) hält seinen Käfer im originalen Horizont-Blau perfekt in Schuss. Das Auto ist nur vier Jahre jünger als er. Das T-Shirt mit Wolfsburg-Emblem hat ihm sein Sohn zum Vatertag geschenkt.

Ein internationales Treffen von Oldtimern gab es gestern auf dem Norla-Gelände. Fans präsentierten 800 Autos, Trecker, Kleinbusse und Motorräder.

shz.de von
02. Juni 2014, 07:45 Uhr

Wer wunderschöne alte Autos und Motorräder liebt, musste in Rendsburg gestern nur vor die Haustür treten. Im Minutentakt zuckelten Oldtimer aus europäischer und amerikanischer Produktion durch die Straßen der Kanalstadt. Wenn die Fahrer genug vom Cruisen hatten, steuerten sie mit ihren automobilen Schätzen das Messegelände an. Etwa 800 Fahrzeuge – 300 mehr als erwartet – konnten die Besucher beim 20. Internationalen Oldtimertreffen bewundern.

Für die Organisation zeichnete Erwin Schröder verantwortlich. Die große Resonanz überraschte ihn, „denn das Wetter ist eigentlich nicht optimal. Es gab sogar einen kräftigen Schauer“. Doch der neue Termin scheint das kompensiert zu haben. Früher fand das Oldtimertreffen stets am Pfingstwochenende statt und musste mit einer Konkurrenzveranstaltung im südlichen Schleswig-Holstein leben. In diesem Jahr gab es keine Überschneidungen: Schröder hatte den Termin um eine Woche vorgezogen.

Oldtimerfreunde sind gelassen, freundlich und erzählen gern von ihren Fahrzeugen. Das Mercedes-Cabrio von Hans-Werner Begemann (70) aus Itzehoe zählte zu den schönsten Autos gestern auf dem Norla-Gelände. Der schwarz lackierte Wagen mit dem Stern sah aus, als habe er erst vor wenigen Tagen das Werk verlassen. Das Original-Scheckheft spricht jedoch eine andere Sprache. Der 280 SE wurde am 1. Juli 1968 zugelassen, und zwar auf der anderen Seite der Welt. Ein Rechtsanwalt aus Kalifornien hatte sich das 160-PS-Mobil zugelegt. „Der Wagen ist überwiegend von Playboys gefahren worden, die Frauen aufreißen wollten“, sagt Begemann mit einem Schmunzeln. Der Wagen ging in Kalifornien durch viele Hände. Das Bordbuch zeigt, wohin ihn seine Reise führte: nach Santa Monica, Beverly Hills und Los Angeles. Auch „Mercedes-Benz of Hollywood“ hatte den Wagen auf dem Hof stehen. Später wurde die Luxuskarosse von einem Zahnarzt aus Blankenese nach Deutschland geholt. Seit acht Jahren ist Begemann der Eigentümer.

Nicht nur Autos, sondern auch Trecker, Kleinbusse und Motorräder konnte man gestern beim Oldtimertreffen bewundern. Burkhard Miksch (51) liebt es, mit seiner Yamaha RS 100 auf Landstraßen unterwegs zu sein, ebenso Michael Quast (56) auf seiner Kawasaki Estrella. Rasereien sind mit der 17-PS-Maschine nicht möglich, Quast hat daran ohnehin kein Interesse. „Damit kann man die Zeit entschleunigen“, sagt der Kieler. Zudem schätzt er das klassische Design seines Motorrades. Er mag die neumodischen Maschinen nicht, bei denen ein Großteil der Technik verkleidet ist. Apropos entschleunigen: Das hat gestern auch ein Oldtimer des Typs Ford Transit umgesetzt. Er blieb gegen 15.30 Uhr in Fahrtrichtung Süden im Kanaltunnel liegen. Zahlreiche Autofahrer wurden auf diese Weise unfreiwillig „entschleunigt“.

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