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Landeszeitung

17. Dezember 2017 | 07:32 Uhr

Eine Fundgrube für Lokalpatrioten

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gesellschaft für Rendsburger Stadt- und Kreisgeschichte legt neues Jahrbuch vor / Ab sofort in den Buchhandlungen erhältlich

Anton Ludwig Meinung war ein Meister seines Fachs. Mit einem feinen Sinn für Details fertigte er im Auftrag der Dänischen Krone eine Fülle von Plänen und Gebäudeansichten der Rendsburger Festung an. Von der Akribie seiner Arbeit kann man sich im neuen Jahrbuch der Gesellschaft für Rendsburger Stadt- und Kreisgeschichte überzeugen. Der Beitrag von Dr. Martin Westphal über Meinung umfasst 14 Seiten, davon sind 13 den Zeichnungen gewidmet, in die man sich gern hineinvertieft. Das Buch bietet noch viel mehr. Die Redakteure Dr. Frauke Dettmer und Uwe Jäckel haben über zwei Dutzend Artikel in das fast 250-seitige Werk aufgenommen.

Vielfalt ist dabei garantiert. Historiker mit einem Anspruch auf korrekte Quellenangaben kommen auf ihre Kosten, ebenso - und das ist für ein Buch regionaler Prägung noch wichtiger – die Lokalpatrioten, die Freude an Geschichten und Geschichtchen über den Landstrich haben, in dem sie leben. Packend wird das Werk immer dann, wenn es die Schicksale von Menschen erzählt. Zu den Highlights zählt der Beitrag von Rolf Fischer über Hermann Lüdemann, den ersten gewählten Ministerpräsidenten Schleswig-Holsteins. Er beginnt mit der Schilderung, wie Lüdemann im Jahr 1933 von johlenden SA-Männern durch Breslau getrieben wird, in der er als Oberpräsident tätig war. Um seinen Hals baumelt ein Pappschild mit der Aufschrift „Ich bin der Volksverräter Lüdemann“. Ein 18-jähriger Abiturient namens Heinrich Albertz ist Augenzeuge. 15 Jahre später schließt sich der Kreis, als Lüdemann den Abiturienten von damals in Schleswig wiedertrifft. Lüdemann hat gegen die Nazis gekämpft, das Grundgesetz mitverantwortet, am Wiederaufbau mitgewirkt. Der Abiturient Albertz ist mittlerweile Pastor und niedersächsischer Landtagsabgeordneter. Die Begegnung in Schleswig bewegt beide. Albertz bezeichnet den Ministerpräsidenten Lüdemann später als einen väterlichen Freund.

Elegant gelingt dem neuen Jahrbuch gleich mehrfach der Spagat von der Historie in die Gegenwart, beispielsweise mit dem Beitrag von Dr. Ernst Fürsen über die Rendsburger Gilden oder den Artikel aus der Feder Uwe Jäckel über die Schwebefähre. Die Havarie vom 8. Januar dieses Jahres hat Jäckel zum Anlass genommen, sich mit der Geschichte dieser Rendsburger Attraktion auseinanderzusetzen. Er hat seinen Beitrag reich illustriert. Überraschenderweise wurden sämtliche Bilder und Grafiken zur Schwebefähre nicht gebündelt im Buch aneinandergereiht. Man hat sich für eine andere Lösung entschieden: Mehrere Motive wurden ausgegliedert und fungieren quasi als Pausenfüller zwischen thematisch ganz anders gelagerten Beiträgen. Ob das gefällt, mag eine Geschmacksfrage sein.

Nicht diskutabel ist hingegen die Qualität des Drucks. Dies ist ausgezeichnet und gibt Fotos und Grafiken in bester Auflösung wider. Das Werk ist in einer Auflage von 900 Exemplaren erschienen. Wer nicht Mitglied der Gesellschaft für Stadt- und Kreisgeschichte ist, kann es im Buchhandel und in den Museen im Kulturzentrum für 15 Euro kaufen.

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