Eine Chinesin, die auf Englisch schreibt

Die Stelle, an der Kwok Yun (Shi Ke) das Ufo entdeckte, wird zur großen Touristenattraktion. Foto: Pandora Filmverleih
Die Stelle, an der Kwok Yun (Shi Ke) das Ufo entdeckte, wird zur großen Touristenattraktion. Foto: Pandora Filmverleih

Xiaolu Guo stellte am Donnerstagabend in der Schauburg ihren Roman "Ein Ufo, dachte sie" und ihren gleichnamigen Film vor

shz.de von
18. August 2012, 08:02 Uhr

Rendsburg | Der Unterschied zwischen China und dem Westen? Xiaolu Guo reißt die Augen auf. "Das kann ich nicht in drei Sätzen beantworten." Einen wesentlichen Unterschied kann die zierliche Chinesin mit den langen schwarzen Haaren dennoch benennen: "In China kann ich meine Romane nicht veröffentlichen." Nicht einmal in Taiwan sei das möglich. Darum lebt sie seit zehn Jahren in London. Auf Englisch beantwortet sie auch die Fragen im Gespräch mit der Landeszeitung. "Meine Bücher sind zu politisch. Darum schreibe ich auf Englisch, damit man sie im Westen lesen kann", erklärt die Autorin und Filmemacherin. Äußerlich gleiche das Leben im Land der Mitte dem Westen. Starbucks, McDonald’s und andere Ketten bieten ihre Waren an. "Unsere Geldwirtschaft ist kapitalistisch. Aber ansonsten ist die Gesellschaft post-sowjetisch und totalitär geprägt."

Xiaolu Guo (Jahrgang 1973) wurde in einer kleinen Stadt im Süden Chinas geboren. Ihr aktueller Roman spielt in dieser Gegend. Es ist kein klassischer Roman, sondern sie bedient sich des Stilmittels von Verhörprotokollen. "Die Idee entstand, als ich im Internet auf eine FBI-Seite stieß", erzählt sie. "Darauf waren fast 300 Protokolle mit der Vernehmung des Kennedy-Attentäters Oswald veröffentlicht." Diese las sie fasziniert und beschloss, das Stilmittel zu übernehmen. "Das habe ich noch niemanden bisher erzählt", erklärt sie mit einem Augenzwinkern - um es kurz daruf auch dem Publikum zu verraten. Ob diesem der Buch oder der Film besser gefielen, das sei ihr egal. "Es ist beides von mir". Zwei Monate schrieb sie an dem Roman, berichtet sie. "Aber zwei Jahre habe ich an dem Filmskript gearbeitet." Während das Buch von der Sprache dominiert sei, seien für den Film die Landschaft, die Büffel, die Fischteiche wichtig.

Xiaolu Guo hat an der Filmakademie in Peking studiert - doch in ihrer Heimat konnte sie bisher keinen Film verwirklichen. Für "Ein Ufo, dachte sie" kehrte sie allerdings kurzzeitig nach China zurück. "Der Film ist ganz anders als das Buch", erklärt Xiaolu Guo. "Das Buch ist quasi das Gerüst der Geschichte."

Ein Punkt dieser Geschichte ist der Umgang der Polizei mit den Bürgern. "Das könnte ich in China nicht schreiben". Denn, so sagt sie: "Die Regierung will alles kontrollieren." Und fügt hinzu: "Die Ideologie tötet alle Kreativität." Noch befürchtet sie keine Repressionen bei der Einreise in die alte Heimat. "Ich bin noch zu unwichtig." Die paar Preise, die sie gewonnen habe - das sei doch nichts, winkt sie ab und erklärt, warum: Chinesen seien ehrgeizig. Wenn sie nicht die Nummer eins seien, zähle alles andere nicht.

Aber es gibt wohl nur wenige Kulturschaffende, die sich in zwei Kulturen, zwei Sprachen und zwei Kunstgattungen so souverän bewegen, merkte Stefanie Kruse vom Nordkolleg an. Dieses hatte die hochinteressante Veranstaltung gemeinsam mit dem Literaturhaus Schleswig-Holstein, dem Literatursommer, dem Kommunalen Kino Rendsburg und der Schauburg organisiert.

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