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Trend zur deutschen Staatsangehörigkeit : Einbürgerungsfeier in Rendsburg – Trump vergrault seine Mitbürger

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Noch nie gab es so viele Einbürgerungsanträge von Amerikanern in Rendsburg wie in diesem Jahr. Eine davon erklärt ihre Entscheidung.

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2017 | 18:24 Uhr

Rendsburg | Zuerst ist ein Mann aus Togo an der Reihe, dann werden Alawi Westphal und ihr Sohn Nicolas im großen Sitzungssaal des Rendsburger Kreishauses aufgerufen. Noch sind die beiden Bürger der USA. Händeschütteln mit Landrat Rolf-Oliver Schwemer und Landtagspräsident Klaus Schlie, Übergabe der Einbürgerungsurkunde, eine Unterschrift – dann sind sie Deutsche. Westphal und ihr Sohn sind Teil eines Trends: Seit Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde, wollen deutlich mehr US-Bürger die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben.

„Wir haben noch nie so viele Einbürgerungsanträge von Amerikanern gehabt wie diesmal“, sagt Olaf Mordhorst, der gemeinsam mit seiner Kollegin Ilse Pahl die entsprechenden Formulare im Kreis Rendsburg-Eckernförde bearbeitet. Bislang habe man pro Jahr einen „Quoten-Amerikaner“ bei den Einbürgerungsfeiern gehabt. „Das war tatsächlich schon eine kleine Tradition“, erzählt Mordhost. „Aber dieses Jahr hatten wir im Kreis – ohne Gewähr – bestimmt schon fünf, sechs Menschen mit US-Pass, die eingebürgert wurden.“

Wer mindestens seit acht Jahren in Deutschland gelebt hat, kann einen entsprechenden Antrag stellen. Trump sei für viele der Anlass, zu sagen: „Jetzt machen wir’s.“ „Die Menschen betreten unser Büro und erklären gleich, dass sie sich wegen Trump einbürgern lassen wollen. In dem Moment wissen wir dann auch schon, welche Staatsbürgerschaft sie haben.“

Für Alawi Westphal war die soziale Sicherheit der entscheidende Grund zum Wechsel: „Was Trump mit Obamacare vorhatte, hat mir große Sorgen gemacht, weil mein Sohn schwerbehindert ist.“ Trump hatte angekündigt, Barack Obamas Reform der Krankenversicherung rückgängig zu machen. Ohnehin ist eine bezahlbare Krankenbetreuung in den USA deutlich schwerer zu bekommen, als in Deutschland.

Westphal arbeitete früher bei der U.S. Air Force. Mit ihrem deutschen Mann Arne, den sie in den USA kennenlernte, lebt sie seit zehn Jahren in Rendsburg. „Ich habe in den USA gute Erfahrungen gemacht“, sagt Arne Westphal, der in den Staaten für die Bundeswehr arbeitete. „Ich wäre auch gern dageblieben, wenn nicht das Sozialsystem so chaotisch wäre.“ Falls ihm als Ernährer der Familie etwas zustoßen sollte, sei er froh, dass sein Stiefsohn nun abgesichert sei, sagt Arne Westphal. Da fiel auch die finanzielle Investition in den Staatenwechsel nicht schwer: 2350 Dollar kostete das Ablegen der US-Staatsangehörigkeit, 255 Euro die Einbürgerung in Deutschland.

Alawi Westphal sagt, sie habe lange nicht geglaubt, dass die Amerikaner Trump zum Präsidenten wählen würden. Dass sich derzeit viele Amerikaner einbürgern lassen, überrasche sie nur wenig. „Ich habe schon im Fernsehen gesehen, dass das in anderen Ländern auch der Fall ist.“

Auch einige Amerikaner, die noch in den USA leben, wollen lieber Deutsche werden. Wenn sie selbst oder ihre Vorfahren während der Nazi-Zeit aus Deutschland vertrieben wurden, können sie nach Artikel 166 des Grundgesetzes einen Antrag auf Wiedereinbürgerung stellen. Im laufenden Jahr beriefen sich bereits rund 400 US-Bürger mehr auf diesen Artikel als 2016.

Bei der Feierstunde im Kreishaus wurden am Montag insgesamt 53 Personen eingebürgert. Der Landrat sagte in seiner Ansprache: „Zu einem der wichtigsten Rechte zählt in unserem Staat mit Sicherheit das Wahlrecht. Im nächsten Jahr finden am 6. Mai die Kommunalwahlen statt.“ Schwemer forderte die neuen Deutschen auf: „Gehen sie zu Wahl!“ Landtagspräsident Schlie, der einer Einladung Schwemers gefolgt war, schloss sich dem Aufruf an.

Nicht nur in Deutschland wird abgestimmt: Das „Ja“ vieler Briten zum Austritt aus der EU hatte zuletzt dazu geführt, dass sich viele im Kreis lebende Briten einbürgern ließen. Nun ist es eine Wahl in den USA, die Deutschland viele Neubürger beschert.

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