Schülldorf : Einbruchsplanung mit der Kamera?

Immer aufmerksam: Christoph Jessen bemerkte bei der Arbeit an seiner Auffahrt den verdächtigen Radfahrer. Foto: Sopha
Immer aufmerksam: Christoph Jessen bemerkte bei der Arbeit an seiner Auffahrt den verdächtigen Radfahrer. Foto: Sopha

Ein Mann fährt mit dem Fahrrad durch Schülldorf im Kreis Rendsburg-Eckernförde und filmt gezielt Hauseingänge. Plant er Einbrüche?

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13. Juni 2013, 12:04 Uhr

Schülldorf | Was Christoph Jessen am Wochenende in Schülldorf beobachtet hat, macht möglicherweise deutlich, wie gezielt Einbrecher inzwischen vorgehen. Am vergangenen Sonnabend arbeitete der junge Familienvater an der Auffahrt zu seinem neuen Eigenheim, als ihm ein Radfahrer auffiel. Auf einem Mountain-Bike saß ein junger Mann, der offensichtlich nicht in das Neubaugebiet am Kibitzberg gehörte - hier kennt man sich. Was den Fremden besonders verdächtig machte: In der Hand hielt er eine kleine silberne Kamera, die er gezielt auf Hauseingänge richtete. "Wenn den etwas zu interessieren schien, fuhr er näher heran", berichtet Jessen, der den Radfahrer sofort als Vorhut einer Einbrecherbande einordnete.
Das Misstrauen hat seinen Grund: Vor knapp einem Jahr - die Familie war noch gar nicht eingezogen - wurde aus dem Rohbau eine komplette Badezimmereinrichtung, die zum Einbau bereitgestellt worden war, gestohlen. Insgesamt vier Neubauten wurden damals von Einbrechern heimgesucht. Vor einer Woche erst verschwanden dann zwei hochwertige, rund einen Meter hohe Blumenkübel, die neben der Eingangstür gestanden hatten - zur Hälfte gefüllt mit Kieselsteinen und inklusive der Blumen.

Warnung an die Nachbarn

Christoph Jessen war also gewarnt. Die Einbrüche und Diebstähle haben ihn misstrauisch werden lassen. Und so beoachtete er den Radfahrer genau. Der zog zunächst, immer fleißig filmend, seine Runden durch das Neubaugebiet, bis er schließlich in Richtung Schacht-Audorf davonradelte. Christoph Jessen wollte es nun genau wissen und folgte dem Verdächtigen so unauffällig wie möglich mit dem Auto. Als der junge Mann auch in Schacht-Audorf begann, Privatgrundstücke, Einfahrten und Gärten zu filmen, hatte er genug gesehen. Jessen rief die Polizei. Der Radfahrer mit der Kamera hatte inzwischen offenbar Lunte gerochen. "Immer wieder beschleunigte er plötzlich, bog spontan in kleine Wege ab - er fühlte sich wohl verfolgt", vermutet Christoph Jessen.
Bevor die Polizei in Osterrönfeld eintraf, gelang dem Radfahrer schließlich die Flucht. "Wie eine Rakete ist er abgehauen", sagt Jessen. "Schade eigentlich, es wäre doch interessant zu erfahren, warum der unsere Häuser gefilmt hat." Die Aussage gibt es nicht, der Hausbesitzer aber hat sich seinen eigenen Reim auf die Sache gemacht. "Ich schätze, dass er sich ein Bild davon gemacht hat, was bei uns und den Nachbar noch alles zu holen ist. Genau kann ich es nicht sagen, aber es sah für mich so aus. Und vielleicht kann er so schon vorab im Internet nach Käufern für die Beute suchen."
Von der Anzeige gegen Unbekannt verspricht sich Christoph Jessen nicht allzu viel. Er möchte vielmehr erreichen, dass seine Nachbarn gewarnt werden. "Inzwischen haben die meisten schon im Kopf, dass in unserer Gegend viel eingebrochen wird. Aber jetzt gucken hoffentlich alle noch ein bisschen genauer hin." Und nicht nur in Schülldorf und Schacht-Audorf.

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