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Amtsgericht : Einbrecher fand PIN-Liste im Nachtschrank

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mit geklauter Scheckkarte 3000 Euro erbeutet. Täter zu Bewährungsstrafe von acht Monaten verurteilt.

shz.de von
erstellt am 15.Jun.2016 | 14:43 Uhr

Was zunächst wie ein Glücksgriff aussah, hat einem 36-jährigen Mann jetzt eine Verurteilung vor dem Amtsgericht Kiel eingebracht: Bei einem Einbruch in einem Bungalow in Altenholz im April 2015 fand er nicht nur eine EC-Karte, sondern auch gleich die Geheimnummer dazu. Prompt hob er Bares an zwei Geldautomaten ab – und wurde erwischt.

Der 36-Jährige brauchte damals Geld für seine Drogensucht. Drei Gramm Heroin nahm er zu der Zeit täglich ein, wie der Kieler, der derzeit bei seinem Vater in Heikendorf wohnt, gestern vor Gericht sagte. Am Abend des Ostermontags im vergangenen Jahr hebelte er deshalb die Terrassentür des Hauses in der Altenholzer Wohnsiedlung auf. Das gestand er vor Richter Jörg Möller zu Beginn des Prozesses. An Details erinnerte er sich jedoch nur dunkel. „Ich stand unter Drogen“, sagte er. Er habe eine schwierige Zeit gehabt, die aber überwunden sei.

Der Eigentümer des Hauses, ein 72-jähriger Rentner, schilderte hingegen konkret, was vorgefallen sein musste. Er habe das Haus mit seiner Frau kurz nach 18 Uhr verlassen. Als das Paar gegen ein Uhr nachts zurückkehrte, war das Anwesen hellerleuchtet, alle Räume waren durchwühlt. „Selbst im Kühlschrank hatten die Täter nach Wertsachen oder Geld gesucht“, sagte er. Aus dem Wohnzimmer sei ein Rucksack mit Fotoausrüstung und Ferngläsern gestohlen worden, ein zweiter Rucksack sei mit Schmuck aus dem Schlafzimmer gepackt worden. „Die Täter müssen gestört worden sein, denn diesen Rucksack haben sie zurückgelassen.“ Aus dem Portemonnaie seiner Frau im Flur seien 575 Euro Bargeld und mehrere EC-Karten gestohlen worden. Wie der Täter an die zugehörigen Geheimnummern gekommen ist, konnte der Rentner leicht erklären: „Ich habe die PIN-Nummern in einem Umschlag im Nachtschrank aufbewahrt. Bis dahin sind damit auch keine Probleme aufgetreten“, so der 72-Jährige. Noch am gleichen Abend hob der Einbrecher an zwei Automaten jeweils 1500 Euro ab. Vom Gesamtschaden über 3000 Euro wurde dem Rentnerehepaar von der Bank nur die Hälfte wegen Mitverschuldens erstattet.

Der Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt: Er fällt seit rund 15 Jahren, mit Beginn seiner Heroinsucht, immer wieder auf. Besonders in den Jahren 2013 und 2014 häuften sich Einbrüche und Einbruchsversuche mit Sachbeschädigung. Deshalb ist er vor einem Jahr, kurz nach der gestern verhandelten Tat, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Damals erhielt er auch die Auflage, sauber zu werden. „Dass Sie sich seit Juni 2015 noch nicht bemüht haben, einen Therapieplatz zu bekommen, wundert mich. Sie hatten genug Zeit“, sagte der Richter. Positiv bewertete der Richter, dass der Angeklagte einen Entgiftungstermin vereinbart hat und bereits Methadon statt Heroin nimmt. Für den Einbruchsdiebstahl und den zweimaligen Computerbetrug am Geldautomaten erhielt der 36-Jährige eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Er wird unter Aufsicht gestellt, damit er auch wirklich eine Therapie beginnt. Richter Jörg Möller ist klar: „Sobald der Suchtdruck wieder entsteht, wird es wieder zu Straftaten kommen.“

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