Kirchen-Empfang : Ein Zitat von Woody Allen und Luthers Thesen

Zum Beginn des neuen Kirchenjahres lud der Kirchenkreis zahlreiche Gäste ein. Der Chor der Christkirchengemeinde Rendsburg-Neuwerk sorgte für besinnliche Stimmung.Matzen
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Zum Beginn des neuen Kirchenjahres lud der Kirchenkreis zahlreiche Gäste ein. Der Chor der Christkirchengemeinde Rendsburg-Neuwerk sorgte für besinnliche Stimmung.Matzen

Der Jahresempfang des Kirchenkreises fand gestern Abend in der Christkirche statt.

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01. Dezember 2014, 11:37 Uhr

Der Regisseur und Schauspieler Woody Allen wird in Kirchen selten zitiert. Gestern jedoch überrraschte Propst Matthias Krüger seine Zuhörer mit einem berühmten Ausspruch des amerikanischen Kino-Altmeisters: „Ich hasse die Wirklichkeit, aber sie ist der einzige Ort, an dem es ein wirklich gutes Steak gibt.“ Mancher der 230 Zuhörer musste schmunzeln, als er zum Auftakt des Jahresempfanges des Kirchenkreises in der Christkirche dieses Zitat vernahm. Krüger sprach über das Thema „Ich mach’ mir selbst ein Bild – Reformation und Kommunikation“.

Krüger verdeutlichte, wie leicht Menschen zu beeinflussen sind, welche Strömungen auf sie einwirken, wie Vorurteile sich verfestigen, und so erschließt sich auch die Verwendung des „Steak“-Ausspruches. Während Allen für ein gut gebratenes Stück Fleisch offenbar alles stehen und liegen lässt, setzen sich andere für die Veggie-Days ein (fleischlose Ernährung). Anderen wiederum ist das alles mittlerweile gleichgültig. Krüger zitierte die Grünen: „Ob jemand am Donnerstag Fleisch isst oder nicht, ist uns herzlich egal.“ Ähnliche kontroverse Meinungen hatten die 95 Thesen Luthers zur Folge. Waren sie gedacht als Anlass für Diskussionen oder lediglich zum Nachdenken? Waren sie vor allem gegen den Ablasshandel gerichtet? Oder sollten sie helfen, die Kirche zu erneuern? Wem also glauben? Wessen Meinung ist die richtige? Und damit war Krüger wieder beim Ausgangspunkt seiner lebhaften und mit Illustrationen veranschaulichten Festrede angekommen: „Ich mach’ mir selbst ein Bild.“ Zu Luthers Thesen sagte er: „An Kirchenspaltung hatte Luther nicht gedacht.“

Den sechsten Jahresempfang seit der Fusion hatte der Präsident der Kirchenkreissynode, der Rendsburger Bürgermeister Pierre Gilgenast, eingeleitet. Er erinnerte an die Flüchtlingsdramen, die sich an vielen Orten auf der Welt ereigneten – und die zur Folge haben, dass auch Deutschland wieder Zufluchtsort wird. Gilgenast dankte all denjenigen, die den Flüchtlingen zur Seite stehen und ihnen dabei helfen, sich in die Gesellschaft zu integrieren.

Propst Sönke Funck erinnerte daran, dass in Tunesien vor vier Jahren der arabische Frühling begann, „gerade erst gab es dort die ersten freien, friedlichen und demokratischen Präsidentschaftswahlen“. An anderen Orten des Nahen Ostens erlebe man hingegen Terror und Unterdrückung. Funck brachte seine Hoffnung auf ein Ende dieser Gewalt zum Ausdruck und zitierte den Propheten Jesaja: „Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.“

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