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Zirkuszeit : Ein Wanderzirkus im Winterquartier

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Barbara und Harry Hecker rüsten ihr zwei-Personen-Unternehmen für die neue Saison. Ein Dokumentarfilm über den Zirkus wird am 23. Februar in der Schauburg gezeigt.

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erstellt am 11.Feb.2014 | 00:33 Uhr

Sie machen jährlich eine Steuererklärung, vor der Couch wärmt ein Holzfeuer im Kaminofen und es gibt ein Gästezimmer für Besucher. So gesehen führen Barbara und Harry Hecker ein ganz normales Leben. Aber ihr „Haus“ steht auf Rädern, Harry spuckt ab und zu Feuer und Barbara liebt Schlangen. Die Heckers bezeichnen ihr Unternehmen mit einem Augenzwinkern als „kleinsten Großzirkus der Welt“. In den Wintermonaten stehen die 14 Wagen an der B77 bei Jevenstedt. Dort stieß der Dokumentarfilmer Kay Gerdes auf das Ehepaar – und begleitete es mehr als ein Jahr lang.

„Es macht keinen Spaß, bei Frost das Zelt aufzubauen“, sagt Harry Hecker. Das ist einer der Gründe, warum ihr Zirkus auf dem Jevenstedter Grundstück seinen Stammplatz hat. „Immer nur reisen wäre auch nichts“, wirft Barbara ein. Das ganze Jahr sind die Hecker hier gemeldet, aber meist stehen sie hier von November bis März.

Vor rund 30 Jahren entschloss sich das Ehepaar, die feste Wohnung in Duisburg gegen ein Leben im Wohnwagen einzutauschen. Ihr Sohn war damals zwei Jahre alt. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, sagten sie sich. Notfalls hätten sie auch in ihre bürgerlichen Berufe zurück gekonnt, erklärt der Ex-Chemielaborant Hecker, dem man den Ruhrpott immer noch auf sympathische Weise anhört. Doch sie professionalisierten ihren Zirkusberuf immer mehr. Während der Sohn die Grundschule besuchte, hatten sie Engagements bei anderen Zirkus-Unternehmen und Freizeitparks. Vor rund 17 Jahren machten sie sich selbstständig: Seitdem schlagen die Heckers ihr kleines Zirkuszelt (Durchmesser 14 Meter) überwiegend in Schleswig-Holstein auf.

Und das ist ein Knochenjob, vor allem, wenn sie nur zu zweit unterwegs sind – so wie im vergangenen Jahr. Dann bestreiten sie auch rund eineinhalb Stunden Programm allein – als Feuerschlucker, Clown, Zauberer und mit Tierdressur. Doch das soll die Ausnahme sein. Normalerweise ist eine wechselnde Artistentruppe dabei. In diesen Tagen stoßen Marokkaner zu den Heckers, die momentan dabei sind, letzte Renovierungsarbeiten an dem Wohnwagen für die Artisten zu erledigen.

Sie selbst leben in zwei umgebauten Möbelwagen. Der Vorteil gegenüber einem „Camping“ (wie der Wohnwagen im Zirkus-Deutsch heißt) ist die größere Fläche. „Und ich kann mich individuell einrichten“, sagt Barbara Hecker. Auf knapp 17 Quadratmetern sind jeweils Wohn- und Schlafzimmer sowie Küche und Bad untergebracht. Beide Wagen werden mit einem Bollerofen geheizt. Strom- und Wasseranschluss sind auf dem Jevenstedter Grundstück, das sie seit sechs Jahren bewohnen, vorhanden.

Die Fläche ist eingezäunt. So können hier das Buckelrind, der Zwerg-Esel und drei Ziegen weiden. Minna kommt sofort, als das Ehepaar seinen Rundgang macht und für ein Karottenstücke zeigt die Ziege ein paar Kunststücke, was Esel Fasko röhrend kritisiert. Zur Menagerie gehören außerdem ein Stumpfkrokodil, eine Schildkröte und drei Schlangen. „Luise ist bereits 32 Jahre alt“, erklärt Barbara Hecker. Das ist für eine Tigerpython ein stolzes Alter. Die Reptilien nennen einen ganzen Wagen ihr eigen.

Wagen fahren, Zelt auf- und abbauen, Tiere füttern, Auftritte in der Manege – das ist das Sommerprogramm der Heckers. „Im Winter trainieren wir täglich“, sagen die beiden und meinen nicht ihre Programmnummern, sondern Krafttraining, wofür sie einen extra Raum in einem der Wagen eingerichtet haben. Meist aber halten sie sich draußen auf: Zäune müssen gestrichen, Hängerkupplungen repariert werden. Nur wenn es zu kalt ist, dann „friert unser Leben ein“, sagt Barbara Hecker. Dann bestickt sie die Kostüme neu mit Pailletten und Harry erledigt Papierkram. Denn die Auftritte werden genau geplant, in größeren Städten müssen die Plätze bis zu zwei Jahre im Voraus gebucht werden. Und auch die Steuererklärung gilt es zu machen.

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