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Vandalismus : Ein völlig verwüstetes Lehrerzimmer

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schon wieder suchten Täter die Herderschule heim / Wertvolle Bücher gerettet / Vandalismus auch an anderen Bildungseinrichtungen

Wasser steht zwei Zentimeter hoch im Lehrerzimmer. Der Fußboden ist übersät mit vollgesogenen Zetteln, Messern, Gabeln und Löffeln. Eine Schrankwand liegt schräg nach vorn geneigt mit der Front auf einem Tisch. Die Tür eines Kühlschranks ist aus den Scharnieren gerissen. Im Untergeschoss läuft das Wasser von den Wänden. Am Donnerstagmorgen bot sich in der Herderschule ein Bild der Verwüstung. Wie berichtet, hatten Unbekannte Stunden zuvor einen Schaden von etwa 20  000 Euro angerichtet. Die Polizei bestätigte den Vorfall gestern. Die Stadt hatte das Lehrerzimmer erst 2015 für etwa 80  000 Euro auf eine Größe von etwa 110 Quadratmeter erweitern und neu möblieren lassen.

Vandalismus ist an vielen Rendsburger Schulen Alltag. Am Gymnasium Kronwerk werden immer wieder Scheiben eingeworfen und Löcher in die Fassade geschlagen. Leiterin Renate Fritzsche arbeitet seit neun Jahren an der Schule. „Wir hatten in der Zeit immer mal solche Schäden“, sagte sie. An der Grundschule Neuwerk stahlen Unbekannte vor einem Monat von der Außenwand der Turnhalle eine Uhr, berichtete Leiterin Renate Flindt. Hölzerne Zaunpfähle wurden innerhalb der vergangenen zwei Monate fein säuberlich abgeschraubt. Aus einem Spielpavillon wurden Bänke gestohlen und die Seitenwände heruntergetreten. Anfangs ersetzte die Stadt sie, inzwischen nicht mehr. Vor Jahren nahmen Diebe Kupferregenrinnen vom Schulgebäude und der Turnhalle ab.

Thomas Siegel, Fachdienstleiter Hochbau der Stadt Rendsburg, berichtete gestern von Einbruchswellen, die vor Jahren vor allem das Helene-Lange-Gymnasium, die Schule Altstadt, die Christian-Timm-Schule und die Kitas trafen. „Es ist jedoch von der Tendenz her offensichtlich, dass die Herderschule in den vergangenen fünf Jahren einen absoluten Schwerpunkt in der Einbruchsstatistik und beim Vandalismus darstellt“, sagte er. Während der vergangenen eineinhalb Jahre versuchten Unbekannte fünf Mal einzubrechen. Teilweise gelang es ihnen. Einige Male richteten sie gravierende Schäden an.

Im jüngsten Fall müssen die Täter auf ein Flachdach gestiegen sein und von dort durch das Fenster der Herrentoilette eingebrochen sein, berichtete Schulleiter Dieter Anders. Das WC liegt an demselben Gang wie das Lehrerzimmer. Dort rissen die Vandalen die Anschlüsse eines Kaffeeautomaten aus der Wand, sodass Wasser auf den Boden sprudelte und dessen Betonkonstruktion sich vollsog. Im Untergeschoss lief das Wasser von den Wänden in den Oberstufenraum, einen PC-Raum und eine Bibliothek, in die das Stadtarchiv wertvolle Bücher ausgelagert hatte. Die Bände blieben jedoch unbeschädigt.

Die Stadt zog die Hausmeister aus mehreren Schulen zusammen. Den gesamten Tag über räumten sie gemeinsam mit Lehrern die Zimmer aus. Der Unterricht lief weiter. Gestern standen die Schränke im Lehrerzimmer und zwei Bibliotheken im Untergeschoss leer. Trockner brummten. Handwerker nahmen die Schränke auseinander.

Das Lehrerzimmer wurde in einen Klassenraum umquartiert. Da die Abiturienten keinen Unterricht mehr haben, hatte die Schule Kapazitäten. Anders rechnet damit, dass sein Kollegium den Raum nach den Sommerferien wieder beziehen kann. „Wir haben nicht den Eindruck, dass nach Wertgegenständen gesucht wurde, sondern es ging um Vandalismus“, sagte er. Es fehlte nur ein altes Notebook. Das Gerücht von einem Schlüsseldiebstahl erwies sich als falsch. Aktenordner mit Dokumentationen der Schülerentwicklung sind jedoch aufgeweicht zurückgeblieben. Anders konnte sich nicht an einen ähnlich schlimmen Fall erinnern.

Vandalismus trat in den vergangenen Jahren nicht an allen Schulen auf. Das Helene-Lange-Gymnasium, das Berufsbildungszentrum Rendsburg-Eckernförde, das Berufsbildungszentrum am Nord-Ostsee-Kanal und die Privatschule Mittelholstein blieben verschont.

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erstellt am 11.Jul.2017 | 11:25 Uhr

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