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Rendsburg : Ein syrischer Banker will es schaffen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Flüchtling Mazen Dukhan lebt seit einem Jahr in Deutschland und hospitiert jetzt vier Wochen bei der Volksbank-Raiffeisenbank.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Er hat ein klares Ziel: Mit Fleiß und einer Aufgeschlossenheit gegenüber allem Neuen möchte der Syrer Mazen Dukhan in Deutschland Fuß fassen. Vor einem Jahr flüchtete er nach Schleswig-Holstein, lernt intensiv die deutsche Sprache – und hat sich nun einer großen Herausforderung gestellt. Seit dieser Woche ist er wieder in dem Beruf tätig, den er in Syrien ausgeübt hat: Der gelernte Bankkaufmann hospitiert bei der Volksbank-Raiffeisenbank. Vorstand Georg Schäfer: „Wir freuen uns darüber, ein Zeichen setzen zu können.“

Mazen Dukhan (33) arbeitete fünf Jahre in der nordsyrischen Stadt Aleppo, zuletzt als Bankmanager. Die Region wurde vom Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen. In der Stadt kämpfen die Truppen von Assad und der Terrorgruppe Islamischer Staat sowie verschiedene Rebellen um die Macht. Die Einwohner leben mit der täglichen Angst vor dem Tod. Für Bankangestellte ist die Gefahr besonders groß. Die anarchistischen Zustände machen es Verbrechern leicht, Geldinstitute zu überfallen. Respekt vor dem Leben gibt es nicht mehr. „Meine Familie und ich wären dort gestorben“, sagt Dukhan.

2013 entschied er sich zur Flucht. Mit seiner Frau und damals zwei Kindern (das dritte Kind wurde in Rendsburg geboren) reiste er nach Jordanien. Weitere Verwandte kamen mit. Im September 2014 folgte der nächste Schritt. Dukhan reiste allein weiter über die Türkei und die Balkanstaaten nach Deutschland. Nach einem Monat traf er in Neumünster ein. Im Februar diesen Jahres durften seine Frau und die Kinder nachreisen. Die Familie lebt jetzt in Westerrönfeld. Sie haben eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre erhalten. „Wir fühlten uns vom ersten Tag an willkommen, sicher und geborgen“, sagt der Syrer. „Deutschland ist wie ein Paradies für uns. Die Menschen sind sehr nett, höflich und zuvorkommend.“ Die Kinder haben Freunde gefunden, seine Älteste ist jetzt eingeschult worden.

Dukhan möchte mehr. Er will nicht von Zuwendungen abhängig sein, sondern sich den Lebensunterhalt seiner Familie selbst verdienen. Er will Steuern zahlen und dem Staat, der ihn aufgenommen hat, etwas zurückgeben. Bankvorstand Georg Schäfer hörte davon. Es kam zu einer ersten Begegnung. Die Chemie stimmte. Doch zunächst mussten bürokratische Hürden ausgeräumt werden. Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis zählte dazu. Personalchef Sven Scherner machte den syrischen Bankkaufmann mit seinen Aufgaben vertraut. „Als ich Herrn Dukhan kennengelernt habe, habe ich erkannt, dass es nicht schwierig werden wird. Er lernt sehr schnell.“

Die ersten Tage in der Bank haben den positiven Eindruck bestätigt. Georg Schäfer: „Ich finde es ganz großartig, wie engagiert der neue Kollege bei der Sache ist.“ Dukhan wurde ein Betreuer zur Seite gestellt. Sven Großer, Banklehrling im zweiten Jahr, macht ihn mit den Abläufen vertraut, übernimmt ihm gegenüber eine Art Patenfunktion. Großer: „Wir haben interessante Gespräche über Syrien und das dortige Bankensystem.“ Die Unterschiede sind gravierend. Mazan Dukhan erläutert: „Bankautomaten oder Internetbanking sind in Syrien selten. Das ganze System ist sehr bargeldgesteuert. Viele Kunden kommen täglich in die Filialen. Darum gibt es viele Angestellte für die Kundenbetreuung.“

Die Zusammenarbeit mit dem Hospitanten ist der Bank wichtig. Denn die Zahl der Asylbewerber, die ein Konto eröffnen möchten, steigt. Oftmals scheitert das Anliegen an sprachlichen oder rechtlichen Hürden. Zumindest das Sprachproblem mit Kunden aus Syrien dürfte der Vergangenheit angehören: Dukhan hat sich bereit erklärt, auch über die Dauer der vierwöchigen Hospitanz hinaus als Dolmetscher zur Verfügung zu stehen. Die Bank offeriert Perspektiven. Georg Schäfer sagt: „Dies könnte der Beginn einer lang anhaltenden Freundschaft sein.“

Mazen Dukhan ist dem Geldhaus dankbar für die Chance. Deutschland betrachten seine Frau, die Kinder und er als Heimat. „Wir haben hier Hilfe, Menschlichkeit, Aufmerksamkeit und Charme gefunden. Wir sehen jeden Tag Liebe und Frieden und werden alles tun, damit es so bleibt.“ Vor seiner Hospitanz hatte er sich viele Sorgen um die Zukunft gemacht. „Jetzt weiß ich: Ich kann das schaffen.“

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