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Die erste Klimawald-Schule : Ein Stummfilm-Projekt vom Paten

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nobelpreisträger Günter Grass übernimmt die Patenschaft für die Schule Hohe Geest in Hohenwestedt. Bei der Vorstellung des Projektes beglückwünschte Bildungsministerin Waltraud Wende die Schüler und forderte sie auf, möglichst viele Bäume zu pflanzen.

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2013 | 06:24 Uhr

„Ihr seid die erste Klimawald-Schule in Deutschland!“, stellte Prof. Dr. Waltraud Wende, Ministerin für Bildung und Wissenschaft des Landes Schleswig-Holstein, fest, als sie sich gestern Vormittag an die in der Sporthalle versammelten Mädchen und Jungen der „Schule Hohe Geest“ (SHG) wandte: „Das ist ja schon wieder ein Rekord!“ Womit die Ministerin auf den 18. Dezember 2012 anspielte, an dem die SHG-Schüler zusammen mit den Kindern der „Schule am Park“ im Hohenwestedter Fußballstadion den „größten lebendigen Weihnachtsbaum der Welt“ gebildet hatten (wir berichteten). Die Idee zu dem Weihnachtsbaum-Weltrekord hatte die Stiftung Klimawald gehabt.

„Mit diesem Weltrekordversuch begann die ganze Geschichte“, erklärte SHG-Leiter Hans Christian Behrendt, „wir wollten zeigen, dass das nicht nur Show war, sondern dass da auch Know-how dahinter steckt, wir wollten die Kooperation mit der Stiftung Klimawald fortsetzen, und im Januar 2013 haben wir uns überlegt: Wir könnten doch noch mehr machen, wir könnten uns doch den Namen Klimawald-Schule geben.“ Die Stiftung Klimawald stellte sich auf der Lehrerkonferenz (April) und auf der Schulkonferenz (Mai) vor. Als „Klimawald-Schule“ wolle man das Bewusstsein für den Klimawandel wecken und dessen Auswirkungen erforschen. „Was uns von anderen unterscheidet ist, dass wir auch Taten folgen lassen wollen“, betonte Behrendt. Das erste praktische Projekt, für das der Wahlpflichtkurs „Waldeslust statt Schulfrust“ bereits viele Ideen erarbeitet hat, soll die Instandsetzung des schulischen Waldlehrpfads am Freibad Ludwigslust sein.

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat die Patenschaft für die Klimawald-Schule Hohenwestedt übernommen. „Herr Grass steht bereit für einen Austausch mit der Schülergemeinschaft, wir werden also ein Gespräch mit ihm führen“, kündigte Behrendt an, „außerdem hat Herr Grass ein Manuskript für einen nie umgesetzten Stummfilm zum Thema Wald, und das könnte ein Schülerprojekt werden.“ „Das ist ganz toll, dass Günter Grass euch dies Stummfilm-Projekt geschenkt hat“, meinte Waltraud Wende, „ich bin mir ganz sicher, dass es Euch gelingen wird, dem Wald im Stummfilm eine Stimme zu geben.“

Wie Alf Jark von der Stiftung Klimawald mitteilte, sind auch alle ehrenamtlichen „Klimawald-Botschafter“ bereit, die SHG zu besuchen: Prof. Dr. Mojib Latif (Klimaforscher), Dr. Juliane Rumpf (Ministerin a. D.) Tim Scherer (Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten) sowie Arved Fuchs (Eiswanderer und Polarforscher).

„Der Klimawandel ist für Eure Zukunft sehr bedeutungsvoll, und wir wollen uns damit auseinandersetzen“, erklärte Behrendt, „die Bilder von den Überflutungen, die wir im Sommer gesehen haben, sind mit Sicherheit auf den Klimawandel zurückzuführen.Das Pflanzen von Bäumen sei keinesfalls nur ein symbolischer Akt, vermerkte Waltraud Wende: „Mit jedem Baum, den Ihr pflanzt, schützt Ihr die Natur und verlangsamt den Klimawandel.“ Während in Bayern 64 Prozent der Landesfläche mit Wald bedeckt sind, bringt es Schleswig-Holstein lediglich auf zehn Prozent. „Wenn Ihr anfangt, Bäume zu pflanzen, habt Ihr also viel Platz für Eure Aktionen“, sagte Waltraud Wende und wünschte sich, dass „Schleswig-Holstein wieder mehr Bäume bekommt“, denn: „Bäume binden nicht nur das Kohlendioxid, sondern sie produzieren auch den Sauerstoff, den wir alle zum Leben brauchen.“

Vor den Rodungsaktivitäten des Menschen sei auch Schleswig-Holstein von einem Urwald überwuchert gewesen, vermerkte Jark: „Ein Eichhörnchen konnte früher von der Nord- zur Ostsee von Baum zu Baum springen, ohne den Boden zu berühren.“ Durch die Kooperation mit der Stiftung werde Schule noch interessanter, versprach Jark den SHG-Mädchen und Jungen: „Klimawald-Schule wird sehr lebendig sein, weil Ihr in praktischer Form Dinge lernen werdet, die Euch weiter voranbringen.“ „Ihr könnt Visionen erarbeiten und ganz viel Phantasie mit ins Spiel bringen, um die Welt ein bisschen besser zu machen“, sagte Waltraud Wende, ehe sie beim Pflanzen eines „Klimawald-Baums“ mithalf und die Widmungsurkunde zur „Klimawald“-Schule an SHG-Leiter Hans Christian Behrendt überreichte: „Ihr seid die erste Klimawald-Schule Deutschlands, und dazu möchte ich Euch allen ganz herzlich gratulieren.“

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