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Landeszeitung

23. August 2017 | 01:14 Uhr

Ein Stück Südamerika in Bokel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Sida-Pflanze dient als Brennstoff für Heizungsanlage

Einige sind nur wenige Zentimeter groß, einige hingegen ragen bereits fast zwei Meter in die Höhe: Stolz präsentiert Ingo Matzen seine Sida-Pflanzen am Rande von Bokel. Die seltene Kultur stammt aus Nordamerika. „Im nächsten Jahr können einige schon geernet werden“, sagt Matzen, „damit werde ich mich dann selbst versorgen.“

Als die veraltete Heizungsanlage im heimischen Haus ausgedient hatte, sollte eine Alternative her. „Da überlegte ich, ob es etwas herkömmliches sein soll oder ob ich mich neu orientiere“, berichtet der 60-Jährige. Neben dem Eigenheim gilt es auch noch Ferienwohnungen zu beheizen. „Und über die Kosten für Heizöl und Gas habe ich mich eh aufgeregt.“ So stieß Ingo Matzen bei seiner Recherche über eine 30  000 Euro teure Heizungsanlage aus Österreich, die sehr energiesparend sei. „Der Preis mag relativ hoch sein, aber die Sache war es mir wert“, so Matzen, „außerdem hat sie sich in wenigen Jahren bereits rentiert.“ Derzeit wird sie noch mit Hackschnitzeln befeuert. Doch der Bokeler hat sich bereits im Vorfeld über Biopflanzen informiert. So steht beispielsweise ein Probeexemplar der „Miscanthus Gigantus“, auch Riesen-Chinaschilf genannt, im Garten. Die Pflanze könne man problemlos für die Heizungsanlage verwenden, „allerdings verfügt sie über einen relativ hohen Asche-Anteil,“ sagt Matzen.

Letztlich machte sich der 60-Jährige über die sogenannte Sida-Pflanze schlau. Die Heizwerte seien vergleichbar und der Asche-Anteil geringer. Rund 1400 Euro pro Hektar kostet das Pflanzgut. „Es ist aber eine einmalige Anschaffung, denn für die nächsten 20 bis 25 Jahre hat man Ruhe“, erklärt Ingo Matzen. Auf einem Versuchsfeld von 1000 Quadratmeter gedeiht die Sida-Pflanze gerade. Im Mai diesen Jahres wurde sie gepflanzt. Einen kleinen Teil könne man bereits im kommenden Jahr ernten, bevor die erste große Ernte 2017 erfolgt. Sida sei relativ unempfindlich und pflegeleicht. Eine Möglichkeit sie chemisch zu behandeln, gibt es nicht. „Aber das ist auch gut so, man muss umschalten und sich auf herkömmliche Art behilflich sein“, sagt der Bokeler. Wenn alles gut läuft, kann Matzen die Pflanze auf insgesamt vier Hektar anbauen. Der Arbeitsaufwand sei gering. Im Herbst wird die Fläche gemulcht und im kommenden Frühjahr zwei bis drei Mal gestriegelt. „Das war’s“, sagt Matzen. Danach brauchen die Pflanzen vor allem Ruhe, bevor sie geerntet werden können. Dabei werden sie mit einem ganz herkömmlichen Häcksler verwertet.

Die Vorteile: Pro Hektar bietet die Blüte der Sida rund 120 Kilo Honig, sie dient als Schutz von Kleintieren und sie eignet sich nicht nur für die Heizungsanlage, sondern auch für Biogasanlagen und kann als Futterpflanze verwertet werden. „Zwei Hektar reichen für den Energiebedarf des Hauses“, sagt Matzen, „den Rest kann ich anderen Landwirten also problemlos anbieten.“

Bis auf einen Kollegen aus Haale, der das Riesen-Chinaschilf anbaut, sei Matzen niemanden in Schleswig-Holstein bekannt der sich der Sida-Pflanze oder ähnlichem angenommen hat. Auch die Erforschung sei bisher relativ unbekannt. „Dabei würde ich mich freuen, wenn andere Landwirte da mit einsteigen.“ Ihm zur Seite steht derzeit ein Experte aus Österreich. Von dort hat Matzen bereits die Pflanzen erhalten.

Bei seinem Pionier-Projekt gehe es ihm nicht nur um den finanziellen Aspekt, sondern auch um Nachhaltigkeit und die Umwelt. Der Anbau der Sida-Planze sei nahezu CO2-neutral. „Von einigen wurde ich bereits ein wenig belächelt“, gibt Matzen zu, „einige hingegen sind auch sehr interessiert.“ Man müsse eben ein wenig umdenken. Seine Heizkosten konnte Ingo Matzen bereits auf ein Drittel reduzieren. Und wenn die Sida-Pflanze demnächst die Hackschnitzel ersetzt, dann werden die Kosten noch mehr sinken.

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erstellt am 24.Aug.2015 | 11:25 Uhr

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