Rendsburg : Ein Stück Hochbrücke für das Regal

Noch im Originalzustand nach dem Ausbau: Die  Niete  der Hochbrücke werden in den Werkstätten Rendsburg-Fockbek bearbeitet und  noch schwarz lackiert. Auf einer Halterung mit Gedenkplakette gehen sie dann in den Verkauf (kleines Foto). Foto: Richter (3)
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Noch im Originalzustand nach dem Ausbau: Die Niete der Hochbrücke werden in den Werkstätten Rendsburg-Fockbek bearbeitet und noch schwarz lackiert. Auf einer Halterung mit Gedenkplakette gehen sie dann in den Verkauf (kleines Foto). Foto: Richter (3)

Ausgesonderte Niete werden anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Wahrzeichens verkauft / Erlös wird für gute Zwecke verwendet

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22. Juni 2013, 09:00 Uhr

rendsburg | Berliner haben Sonnenbrillen aus dem Glas des Palastes der Republik gefertigt. Reste der Berliner Mauer dekorieren Wohnzimmer weltweit. Und Rendsburger können sich ab dem 1. Juli ein Stück ihrer Hochbrücke sichern.

Zum Preis von zehn Euro pro Exponat gehen zunächst rund hundert der ausgesonderten Bauteile der Brücke in den Verkauf. Insgesamt sollen nach und nach 500 angeboten werden. "Aber wir hätten gern 1000", verrät Susanne Mau aus dem Fachbereich Bürgerdienste.

Die Idee für den Verkauf ist während der Vorbereitungen für das Jubiläum der Hochbrücke entstanden. "Es gab einen runden Tisch zum Beginn der Planungen für die Feierlichkeiten", sagt Susanne Mau. "In diesem Kreis ist dann auch die Idee aufgetaucht." Alle seien sofort begeistert gewesen. "Es ist historisch geprägt, denn in Zukunft werden keine Niete mehr verbaut, sondern Schrauben", so Mau. "Die Niete sind eine tolle Erinnerung an die Hochbrücke. Ich kaufe mir auch einen."

Zuerst hat es Überlegungen gegeben, die Teile als Kunstwerk zu gestalten und farbig zu bemalen. Diese Idee wurde jedoch verworfen. Die Niete werden in den Werkstätten Rendsburg-Fockbek von den dort tätigen Menschen mit Behinderung schwarz lackiert. "Die Menschen möchten Originale", sagt Susanne Mau, " um sagen zu können: ’Guck mal, der war an der Hochbrücke’."

Im Moment lagern die 500 Niete in den Werkstätten Rendsburg-Fockbek, wo sie bearbeitet und für den Verkauf fertig gemacht werden. Da sie verschieden lang sind, werden sie zunächst nach Größe sortiert. "Wir haben uns Gedanken über die Präsentation gemacht und eine Halterung konstruiert", sagt die Einrichtungsleiterin Birgit Schatz. Die Musterniete hatten alle dieselbe Länge, die gelieferten variierten allerdings derart in der Größe, dass sich Birgit Schatz und ihr Team der Schlosserei nun überlegen müssen, wie man jedes Stück präsentiert. "Wir sind kreativ. Das kriegen wir hin", sagt Schatz.

Nicht jeder Niet ist 100 Jahre alt, da die Teile im Laufe der Jahre erneuert wurden. Aber die Chance, eines der Originale zu erstehen, die 14 Nietkolonnen beim Bau der Brücke zwischen 1911 und 1913 verarbeiteten, ist da. Ursprünglich wurden 3,2 Millionen Niete unterschiedlicher Länge verbaut. Soweit es der Transport der Brückenteile zuließ, wurden diese schon im Herstellerwerk miteinander verbunden, erklärt Dr. Erich Thiesen in seinem 2010 erschienenen Buch "Hochbrücke Rendsburg und Schwebefähre". Die Nietung erfolgte mit Pressluft. Alle Löcher wurden zwei Millimeter zu klein gebohrt und erst beim Zusammenbau auf die richtige Größe gebracht. Bei Sturm mussten die Arbeiten tagelang unterbrochen werden, da sich niemand auf der Brücke halten konnte. Die Niete werden nach und nach durch Schrauben ersetzt, weil diese einfacher zu unterhalten sind.

Eigentlich sollten die ausgebauten Niete verschrottet werden, aber es gelang, einige hundert vor diesem Schicksal zu bewahren. Statt auf dem Schrottplatz zu landen, sollen sie jetzt als Blickfang im Regal dienen. "Das ist der besondere Charme", sagt Mau. "Jeder Niet ist ein Unikat und jeder kann einen haben."

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