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Lornsen-Denkmal : Ein schwergewichtiger Patient

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die beschädigte Bronze-Skulptur vom Lornsen-Denkmal am Paradeplatz wird repariert. Der Spezialauftrag ging an Schmiedemeister Thomas Wriedt.

Der Patient hat einen Riss im linken Oberarm. Die Verletzung ist etwa vier Millimeter tief und zieht sich über den Bizeps. Die Wunde muss geschlossen werden. Die Operation erfordert Fingerspitzengefühl. Thomas Wriedt setzt sich eine Schutzmaske auf, greift zu den Werkzeugen und zieht sich Handschuhe über. Der 50-Jährige schaltet sein Spezialgerät an. Grell leuchtet das heiße Licht. Die Temperatur an der Operationsstelle steigt auf 1300 Grad. Mit geübter Hand zieht der Fachmann eine saubere Naht. Der Verwundete hält still. Denn bei dem harten Burschen handelt es sich um eine Skulptur. Das Kunstwerk aus Bronze wird derzeit in der „Neuwerker Schmiede und Bauschlosserei Wriedt“ repariert.

Die Behandlung der Figur in der Werkstatthalle des Schmiedemeisters Thomas Wriedt, der das Unternehmen in der vierten Generation führt, wird etwa zwei Wochen lang dauern. Dann kehrt die 1,50 Meter hohe Statue – ein alter Mann mit einem Kind – an den Paradeplatz zurück. Die Skulptur ist ein Teil des Denkmals, das an den Vorkämpfer für die Selbständigkeit der Herzogtümer Schleswig und Holstein, Uwe Jens Lornsen (1793-1838), erinnert. Am Sockel des Monuments, das 1878 aufgestellt wurde, befinden sich drei Bronzegruppen. Zu ihnen gehört der beschädigte Großvater, der einen Veteranen darstellt, der seinem Enkel von dem Kampf im Bürgerkrieg gegen Dänemark 1848 erzählt.

Der Riss im Oberarm des alten Kämpfers ist allerdings keine Kriegsverletzung. Unbekannte Täter hatten im Januar die Figur am Lornsen-Denkmal mutwillig und mit brachialer Gewalt verschoben. Als Mitarbeiter des städtischen Umwelt- und Technikhofes das Bronze-Standbild in die richtige Position bringen wollten, stürzte das Kunstwerk vom Sockel. Dabei wurde auch einer der Arbeiter leicht verletzt und erlitt Prellungen. Dem Mann geht es mittlerweile wieder besser. „Das war eine gefährliche Situation“, sagt Thomas Wriedt. Immerhin wiege das Bronzewerk 370 Kilogramm. Der Fachmann hat im Auftrag der Stadt die Restaurierung übernommen. „Zunächst habe ich mit Hilfe eines Materialprüfers aus Hamburg die genaue Zusammensetzung der verwendeten Bronze analysieren lassen“, schildert der Fachschweißer die Vorarbeiten. Dieses Original-Material habe er bestellt und außerdem die gesamte Skulptur auf Schäden und weitere Risse untersucht, die er mit Kreidestrichen markiert hat.

„Man braucht Fachwissen, die nötigen Werkzeuge, viel Erfahrung und den Mut, sich an diese spezielle Aufgabe heran zu wagen“, beschreibt Thomas Wriedt die Voraussetzungen für die Reparatur von historischen Gusseisen-Werken. Der Experte ist ausgebildet in mehreren Schweißtechniken. In den Vorjahren waren bereits die Restaurierung des Gerhard-Brunnens und Reparaturen des Bismarck-Denkmals vom Aschberg in dem Fachbetrieb erledigt worden. „Die Figur vom Lornsen-Denkmal ist nicht in einem Stück, sondern in Einzelteilen gegossen und dann erst zusammen gefügt worden“, verrät der Meister. In einer Inschrift ist das Entstehungsdatum notiert: Der Großvater und sein Enkel wurden in der Kunst- und Glockengießerei C. Albert Bierling in Dresden im Jahr 1877 geschaffen.

Nach dem Aufenthalt in der Neuwerker Schmiede soll das Schwergewicht in alter Schönheit erstrahlen. „Die neuen Nähte werde ich zwar abdunkeln, aber die Stellen werden noch zu sehen sein“, räumt der Chef ein. Denn die grüne Patina, die die Operationsnarben verdecken könnte, bilde sich erst durch Umwelteinflüsse. „Das dauert einige Jahre.“ Thomas Wriedt wird diese weitere Entwicklung seiner Arbeit bestimmt im Blick behalten: Denn die gemeinsamen Stunden in der Werkstatt haben den Handwerker und den Bronze-Patienten zusammengeschweißt.

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erstellt am 01.Mär.2016 | 15:00 Uhr

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