Lösung scheint gefunden : Ein Rendsburger will die Hartmann-Gruppe retten

Seit dem 1. November läuft das Insolvenzverfahren.
Seit dem 1. November läuft das Insolvenzverfahren.

Hauke Drengenberg aus der Eigentümerfamilie des Autohauses Kath will die insolvente Versicherungs- und Finanzsparte der Hartmann-Gruppe übernehmen. Eine Entscheidung wird in dieser Woche erwartet.

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13. November 2013, 06:00 Uhr

Rendsburg | Nach der Insolvenz von Teilen der Rendsburger Hartmann-Gruppe steht eine Lösung kurz bevor. Nach Informationen der Landeszeitung will der Rendsburger Investor Hauke Drengenberg die von der Pleite betroffene Versicherungs- und Finanzsparte des Unternehmens übernehmen. Der ehemalige geschäftsführende Gesellschafter des Autohauses Kath und Sohn der Senior-Chefin Erika Kath-Drengenberg hat zu diesem Zweck eine Beteiligungsgesellschaft gegründet, die von ihm gehalten wird. Die Gläubigerversammlung muss der bereits vereinbarten Übernahme diese Woche noch zustimmen, ein Ja gilt als wahrscheinlich.

Über Details des Deals schweigen die beteiligten Parteien. Hauke Drengenberg selbst hielt sich auf LZ-Anfrage bedeckt und versprach konkrete Informationen, sobald die Sache perfekt sei. Eine Sprecherin des Hamburger Insolvenzverwalters Justus von Buchwaldt sagte, dass man sich „zum jetzigen Zeitpunkt zur Sache“ nicht äußern könne.

Worum geht es? Der insolvente Kernbereich der Unternehmensgruppe Hartmann & Partner gilt als wirtschaftlich intakt. Es handelt sich um die Dachgesellschaft Hartmann & Partner Holding GmbH sowie drei auf Versicherungen spezialisierte Unterfirmen. Nach den Worten des Insolvenzverwalters erzielten die Töchter „ansehnliche Unternehmensergebnisse“, die sie über Jahre an die Holding ablieferten. In Schieflage geriet das Konglomerat durch das Millionen-Fiasko der Hartmann-Immobilie Blomenburg bei Selent im Kreis Plön. Treibende Kraft: Der Rendsburger Diplom-Kaufmann und Firmeneigentümer Dietmar Hartmann. Er hatte das historische Jagdschloss der Romantik 1997 für 4,5 Millionen D-Mark gekauft, um es vor dem Verfall zu retten. 2006 wurde das Technologiezentrum eröffnet. Hartmann damals: „Dies ist die größte Herausforderung meines Lebens.“ Rund neun Millionen Euro Steuermittel flossen in das Objekt. Zu günstigen Konditionen sollten sich dort Existenzgründer niederlassen. Doch sie kamen nicht in ausreichender Zahl. Die Kalkulation sah eine Auslastung von 80 Prozent vor. In der Realität waren es 30 Prozent. Auch die Vermarktung von 180 voll erschlossenen Grundstücken nahe der Blomenburg wurde zu einem Millionengrab. Auch hier soll Hartmann eine erhebliche Mitschuld getragen haben, weil er den neuen Eigentümern seine Vorstellungen von der Grundstücks- und Hausgestaltung angeblich vorschreiben wollte. Anfang 2011 weigerte sich der Kreis Plön schließlich, das Objekt Blomenburg weiter zu finanzieren. Die Trägergesellschaft meldete Insolvenz an.

Doch Hartmann kämpfte weiter. Der Gesellschafter der Hartmann & Partner Holding GmbH & Co. KG habe dem Unternehmen in den vergangenen Jahren für Immobiliengeschäfte in erheblichem Umfang liquide Mittel entzogen und die Gesellschaft stark verschuldet, meldete im September der damals noch vorläufige Insolvenzverwalter Justus von Buchwaldt. Gemeint war das Jagdschloss, das als Schuss im Ofen endete. Die gesunden Tochterfirmen gewährten der Dachgesellschaft Darlehen in Millionenhöhe, die Hartmann wiederum genutzt haben soll, um Löcher aus dem Blomenburg-Großprojekt zu stopfen.

Seit dem 1. November läuft das Insolvenzverfahren. Insolvenzverwalter Justus von Buchwaldt hat für die rund 70 Beschäftigten in Rendsburg und mehr als 20 Außendienstmitarbeiter in ganz Deutschland Insolvenzgeld beantragt. Wie es für sie weitergeht, dürfte maßgeblich von der Entscheidung der Gläubigerversammlung in dieser Woche abhängen.

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