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Schiedsrichter des Jahres : Ein Referee mit Pfiff

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Hans-Jürgen „Jumbo“ Thedens vom FC Borussia Osterstedt wurde zum Fußball-Schiedsrichter des Jahres gekürt. Der mittlerweile 75-jährige Schlachter ist wegen seiner verrückten, aber herzensguten Art beliebt.

Hans-Jürgen „Jumbo“ Thedens war gerührt, hatte Tränen in den Augen. Gerade hatte ihn Lehrwart Jörg Kohn als Schiedsrichter des Jahres 2015 im Kreisfußballverband Rendsburg-Eckernförde gekürt.

Die Karriere des mittlerweile 75-jährigen Schlachters aus Rendsburg startete beim SV Hamweddel. Zehn Jahre später wechselte er zum FC Borussia Osterstedt, dem der Träger der goldenen Schiedsrichterehrennadel seit nunmehr 30 Jahren angehört: „Mein Vater war damals Viehhändler in der Gemeinde, wodurch der Wechsel entstanden ist.“

Seine verrückte, aber herzensgute Art kam an. „Ich beneide dich, weil du so frei bist“, offenbarte ihm einst sein Weggefährte Karl-Heinz Gellert. Komplimente dieser Art anzunehmen, ist nicht unbedingt die Stärke des bescheidenen Preisträgers. Er nimmt sich nie zu wichtig und hat schon viele scheinbar schwierige Situationen mit seiner kommunikativen, lockeren und vor allem ehrlichen Art gelöst. „Die Zeit auf der Rednerschule hat mir sehr geholfen“, betont „Jumbo“, der das Regelwerk oftmals sehr flexibel angewandt hat: „Ich habe damals gelernt, dass wir die Spiele mit 22 Spielern beginnen und auch beenden.“ Folgende Szenen beschreiben den Charakter des Kult-Schiris ziemlich genau: Obwohl er den Spieler, der gerade den Ball auf der Torlinie abgewehrt hatte, mit einer Roten Karte des Feldes verweisen müsste, gab Thedens „nur“ Gelb. Dem Strafstoßschützen gab er mit auf den Weg: „Du schießt den Ball jetzt zum 3:1 ins Tor und alles ist gut.“ Gesagt, getan. Alle waren zufrieden. Fast alle. Auf dem nächsten Regelabend erntete der Wahl-Rendsburger Kritik. „Wenn junge Kameraden den Spieler richtigerweise des Platzes verweisen, werden sie von den Mannschaften bepöbelt“, erklärten die Verantwortlichen damals. Der Schlachter sah das ein und reagierte im folgenden Spiel entsprechend. „Es kam wieder zum Handspiel, und ich musste den Spieler verweisen. Er war doch aber so ein Netter. Ich habe ihm gesagt, er solle sich die Rote Karte selbst aus meiner Brusttasche holen.“ Ein anderer Spieler hatte ein Problem damit, dass der Spielleiter ihn duzte. „Ich duze alle meine Freunde und du gehörst dazu“, entgegnete „Jumbo“ mit einem Lächeln und hatte fortan diesen Akteur auf seiner Seite. Beim unkontrollierten Grätschen hörte die Freundschaft aber auf, dann saß auch die Rote Karte locker. „Wenn du so weiter machst Schiri, bist du bald alleine auf dem Platz“, sagt ein Spieler. Thedens entgegnete dem Rotsünder trocken: „Dann habt ihr was gelernt und ich komme pünktlich nach Hause.“

Das zweite Markenzeichen neben der Schiedsrichterei ist sein 65-jähriges Motorrad. Mit der NSU (98 ccm) fährt der Osterstedter noch heute zu so manchem Spiel. Und auf dem Feld wünscht sich der Mann mit der Pfeife die Zehn-Minuten-Zeitstrafe zurück: Sie sei der goldene Weg gewesen. Mit seinen vielen Anekdoten könnte der ausgezeichnete Unparteiische ein Buch schreiben. Der Vorsitzende des Schiedsrichterausschusses, Hans-Werner Karstens, erinnert sich: „Jürgen ist wohl der einzige Schiedsrichter, der die Platzwahl mal mit einer Wurst gemacht hat.“

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