Gilde marschiert : Ein neuer König nach 750 Schüssen

Jens van der Walle (Mitte) ist seit gestern Abend neuer König der Altstädter Vogelschützengilde und damit Nachfolger von Gustav Jürgen Tietje. Unmittelbar nach dem Königsschuss wurde der Vorsitzende des Unternehmensverbandes Mittelholstein von seinen Gildebrüdern und Gildeschwestern beglückwünscht und geherzt. Dies war der Höhepunkt eines spannenden und – im Hinblick auf das Wetter – ungewöhnlich heißen Gildetages.  Zeitweise zeigte das Thermometer 30 Grad im Schatten an.
1 von 6
Jens van der Walle (Mitte) ist seit gestern Abend neuer König der Altstädter Vogelschützengilde und damit Nachfolger von Gustav Jürgen Tietje. Unmittelbar nach dem Königsschuss wurde der Vorsitzende des Unternehmensverbandes Mittelholstein von seinen Gildebrüdern und Gildeschwestern beglückwünscht und geherzt. Dies war der Höhepunkt eines spannenden und – im Hinblick auf das Wetter – ungewöhnlich heißen Gildetages. Zeitweise zeigte das Thermometer 30 Grad im Schatten an.

Die Entscheidung fiel um 18.48 Uhr: Jens van der Walle löst Gustav Jürgen Tietje als Majestät der Altstädter Vogelschützengilde ab.

shz.de von
11. Juni 2014, 09:26 Uhr

Der Holzvogel der Altstädter Vogelschützengilde gab sich widerstandsfähiger als erwartet. Zweimal musste seine Halterung gestern Abend gelockert werden, erst dann zeigte er Anzeichen von Schwäche. Um 18.48 Uhr – nach etwa 750 Schüssen – war es dann endgültig vorbei mit dem Tier: Jens van der Walle gab den entscheidenden Schuss ab und sicherte sich damit unter dem großen Applaus der Gildebrüder und Gildeschwestern die Königswürde.

Zu den ersten Gratulanten zählte sein Vorgänger Gustav Jürgen Tietje. Seinen letzten Tag im Amt hatte er beim Gildefrühstück im Conventgarten dazu genutzt, kurz und prägnant Perspektiven für seine Stadt aufzuzeigen. Die Politiker dürften sich nicht in innerparteilichen Streitigkeiten verzetteln. Er forderte dazu auf, sich stattdessen auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren. Sein Vorschlag: Die einstige Garnisonsstadt Rendsburg sollte sich zu einer „Stadt der Gesundheit“ weiterentwickeln. Schon jetzt gebe es beispielsweise mit der Imland-Klinik und der Augenklinik entsprechende Leuchttürme. Ein Ausbau dieser Branche würde mehr Kaufkraft nach Rendsburg holen. Andreas Breitner, der im Jahr 2006 als Bürgermeister die traditionelle Rede der Gäste gehalten hatte, durfte jetzt ein zweites Mal diesen Part übernehmen, diesmal als Innenminister. Er brachte einen ernsten Unterton in die feierliche Runde und erinnerte an das Schicksal der Flüchtlinge, die es aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa zieht. Breitner warf die Frage auf, ob man ein Europa der Ausgrenzung wolle – oder ein Europa, das hilfsbedürftigen Menschen Schutz gewähre. Viel Applaus bekam Breitner für seine Meinung, dass die „reiche Bundesrepublik“ dazu verpflichtet sei, einen Teil der Flüchtlinge aufzunehmen.

Bevor die Gilde zu ihrem Schießstand ausrückte, gab’s eine Stärkung: zunächst Holsteiner Suppe mit Fleisch- und Grießklöschen, dann Spargel mit Katenschinken, zum Schluss Vanilleeis mit heißen Himbeeren.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert