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Tätigkeit verlängert : Ein Mann, der „Musik pur lebt“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Mike Steurenthaler geht ins zweite Jahr als Dirigent des Rendsburger Bachchores. Großes Lob gibt es für das Können der Sänger. Mit einer Benefiz-Opern-Gala will er den Jugendaustausch der Musikschule mit Ecuador unterstützen.

Im zweiten Jahr mit Mike Steurenthaler als Leiter beschreitet der Rendsburger Bachchor neue Wege. Das lässt schon die erste Probe erwarten. „Es wird ein sehr, sehr italienisches Jahr,“ schwärmt der Dirigent beim Einsingen mit „Brrr, Brrr“; „mo, momm, momm, momm“, vielen „La, la, las“ und anderen Lauten, die mit weit geöffnetem Mund erzeugt werden sollen. Aus Giuseppe Verdis Oper „Macbeth“ hat Mike Steurenthaler den „Chor der schottischen Gefangenen“ mitgebracht. Mit geschulter Stimme singt er vor, wie „es“ klingen soll; aber auch, wie nicht.

Dann geht es ins Detail: Steurenthaler bereitet auf die Schönheiten, Schwierigkeiten und Besonderheiten der Verdi-Werke vor und bringt mit viel Humor die korrekte italienische Aussprache näher. Dann die erste Gesangsprobe: „Mal probieren. Wenn es nicht gleich klingt, macht nichts, wir haben ja noch Zeit.“ Nach einem „irrsinnigen Orchestervorspiel mit viel Blech und Paukenwirbel“, das Steurenthaler auf dem Klavier imitierte, setzt der Chor ein. Das erste Mal überhaupt mit diesem Stück. Es funktioniert; der Verdi-Zauber ist da.

Mike Steurenthaler ist immer voll im Stück, hört sehr genau hin und nennt auf unvergleichlich nette Weise, wie es im Sinne Verdis richtig klingen soll. „Zuerst die Frauen, dann die Männer ‚tristissomo‘; so traurig wie möglich“, wünscht er sich den Klang und weist darauf hin, wie sehr der Atem an einer Stelle gefordert ist. „Es reicht gerade so, wenn ihr da durch kommt. Aber das ist gut für die Stelle! Herrlich bei Verdi, diese drei- bis vierstimmigen Frauenchöre. Die hat er gemocht!“ schwärmt Steurenthaler. Der Bachchor kann das auf Anhieb. „Schön!“ Auch wenn der Dynamiksprung noch zu verbessern ist. „Das hat mit den Tönen noch nicht ganz genau geklappt, war aber schon sehr beeindruckend,“ lobt er und schließt den ersten Teil der Probe ab.

Mike Steurenthaler nimmt es sehr genau mit der Musik. Freundlich-bestimmt und konzentriert führt er den Rendsburger Bachchor auf sein Ziel hin. Mit großem Erfolg, wie er es in zwei großen Konzerten des vergangenen Jahres gezeigt hat. Zu dieser Aufgabe ist er durch seinen Studienkollegen Roland Möhle gekommen. Beide haben in Hamburg an der Musikhochschule studiert; Mike Steurenthaler ist in der Stadt geblieben, arbeitet als freischaffender Dirigent, unter anderen des Giuseppe-Verdi-Chors und der KlassikPhilharmonie Hamburg. Befreit von vielen kräftezehrenden Anforderungen fester Stellen, kann Mike Steurenthaler sich voll auf das Programm und seine Begegnungen mit Musikern und Publikum konzentrieren. „Ich lebe Musik pur. Deshalb bin ich in der Lage, so viel zu schaffen.“

Um seine Nachfolge zu klären, hatte Roland Möhle vor seinem Umzug nach Stockholm Steurenthaler zur Generalprobe des Bachschen Weihnachtsoratoriums Ende 2012 eingeladen: Mike Steurenthaler erkannte sofort die Qualität des Chores und wusste, dass er hier „gut ansetzen“ konnte. Seit einem Jahr fährt er mittwochs mit dem Zug von Hamburg zur Probe nach Rendsburg.

Mike Steurenthaler hat das seltene Talent, seine Energien so zu übertragen, dass Chor und Musiker über sich hinauswachsen. „Es ist anstrengend und herausfordernd, ich erhalte aber auch viel zurück. Die können mehr, als man so denkt,“ freut er sich. So ist viel Neues in diesem Jahr zu erwarten: Eine weitere Aufführung des Suppé-Requiems in der Kulturkirche Altona, ein italienisches Programm in der Christkirche und eine Konzertreise nach Siena.

Wie sehr sich Steurenthaler mit Rendsburg verbunden fühlt, zeigt er auch mit der von ihm organisierten Benefiz-Opern-Gala zugunsten des Jugendaustausches der Rendsburger Musikschule mit Ecuador. Mit dem Hamburger Konzertchor, dem Giuseppe-Verdi-Chor, der KlassikPhilharmonie und Solisten veranstaltet er am 9. März in der Hamburger Musikhalle eine Opern-Gala, um das Projekt, das Ende März beginnt, mit einem namhaften Betrag zu unterstützen.





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erstellt am 18.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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