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Zeitzeuge : Ein Leben für den Kampf um Freiheit

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nelson-Mandela-Weggefährte Denis Goldberg berichtet in der Herderschule von seinem Widerstand gegen das Apartheid-Regime. Der Oberstufe erzählt er aus seinem bewegten Leben.

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erstellt am 18.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Gespannte Stille in der bis zum letzten Platz besetzten Aula der Herderschule. Kein Handyklingeln, kein Gemurmel, zu hören ist nur die feste Stimme eines 80 Jahre alten und 1,60 Meter großen Mannes. Die Körpergröße von Denis Goldberg mag klein sein, seine Ausstrahlung und seine Taten sind dafür umso größer.

„Wir können Situationen ändern, wenn wir wollen“, sagt Goldberg 200 Oberstufenschülern. Der Südafrikaner spricht aus Erfahrung. Er hat sich seit seiner Jugend dem Kampf gegen Ungerechtigkeiten verschrieben. Geboren 1933 in Kapstadt, prägte ihn seine Kindheit während des Zweiten Weltkriegs. Und seine Eltern. Vater und Mutter waren im Kampf gegen die Apartheid politisch aktiv. „Menschen aller Hautfarben haben uns zu Hause besucht, und alle haben sich gegenseitig respektiert.“

Als die Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung immer schlimmer wurde, konnte Goldberg nicht wegsehen und engagierte sich in der Anti-Apartheid-Bewegung. „Ich wollte die Ungleichbehandlung nicht akzeptieren. Dass ich aufgrund meiner Hautfarbe Vorteile hatte, war ungerecht.“ 1963 schickte das Regime ihn wegen angeblichen Hochverrats ins Gefängnis. Dort lernte er Mithäftling Nelson Mandela kennen.

Die Schüler hängen an Goldbergs Lippen, als er von den Begegnungen mit Mandela und der Gerichtsverhandlung erzählt. „Mandela war ein großartiger Mann. Selbst in Gefängniskleidung war er stolz und aufrecht.“

Besonders Mandelas Rede im Prozess ist Goldberg in Erinnerung geblieben. Mandela sprach von seinem Ideal, in einem Land wohnen zu wollen, in dem Schwarz und Weiß gleichberechtigt in Harmonie zusammen leben. Für dieses Ideal sei er bereit zu sterben. „Ich war so stolz, diesen Moment mit ihm teilen zu können“, berichtet Goldberg.

Goldberg, Mandela und sechs weitere Angeklagte wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach 22 Jahren ließ man Goldberg 1985 frei. Den Kampf für Gleichberechtigung gab er nicht auf. „Viele Weiße sahen mich als Verräter. Sie hassten mich.“ Der 80-Jährige sagt diese Worte ohne Verbitterung. Trotz der Anfeindungen stand der Freiheitskämpfer bis zum Tode Mandelas an seiner Seite.

Das letzte Mal besuchte Goldberg Mandela im Juli im Krankenhaus. „Nelson war sehr schwach und konnte nicht sprechen. Ich habe ihm die vielen Genesungswünsche der Menschen überbracht“, berichtet der 80-Jährige über diese letzte Begegnung.

Denis Goldberg ist bereits zum zweiten Mal an der Herderschule zu Gast. Vor drei Jahren besuchte er die Oberstufe und begeisterte die Schüler so sehr, dass die Kinder eine Bitte an ihre Geschichtslehrerin Annemarie Bock hatten: „Die jüngeren Klassen haben sich damals gewünscht, dass Denis Goldberg uns noch einmal besucht.“ Wie wichtig ihnen diese Visite war, zeigen die vielen Fragen der Schüler an ihren Gast. Ob sich nach Mandelas Tod etwas ändern werde, will ein Schüler wissen. „Seine Vision von einer besseren Gesellschaft muss weiterleben. Und manchmal muss man kämpfen, um diese Werte hochzuhalten“, gibt Goldberg den Jugendlichen mit auf den Weg.

Geschichtslehrer Dr. Jan Winkelmann möchte durch den Besuch Goldbergs die Neugierde der Jugendlichen für Politik wecken, ihnen aufzeigen, dass man Unrecht nicht dulden darf. Um etwas zu verändern , müsse man wie Denis Goldberg gegen den Strom schwimmen.

Beobachtet man die Jugendlichen, wie sie nach dem offiziellen Teil mit Goldberg sprechen, Fotos mit ihm machen oder ihm sagen, wie beeindruckt sie von seinem Besuch seien, hat man den Eindruck, dass die Botschaft Winkelmanns angekommen ist. Und das ist ganz im Sinne von Denis Goldberg und seinem Kampf für Gleichberechtigung.

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