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Christkirche : Ein Konzert, das Geschichte machte

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"Misa Tango" und Werke von Astor Piazzolla in der Christkirche aufgeführt. Besondere Premiere für den Rendsburger Bachchor.

shz.de von
erstellt am 28.Mai.2013 | 08:22 Uhr

Rendsburg | Reichlich mit Vorschusslorbeeren bedacht ist die "Misa Tango" des 1965 geborenen argentinischen Komponisten Martin Palmeri. Der vielfach prämierte Jung-Komponist hat - den Schluss lässt auch die Reaktion des Publikums beim Konzert in der Christkirche zu - ein Werk geschaffen, das bleibt. Davon ist Lena Rossmann überzeugt. "Das wird ein Standardwerk" meinte die pensionierte Lehrerin, die auch Musik unterrichtete. "Es war ganz toll". Dieser Erkenntnis konnte man sich gut anschließen.

Zur Begeisterung beigetragen hat auch das gesamte Konzertprogramm mit vier kurzen, vorangestellten Werken von Astor Piazzolla, den herausragenden Instrumentalsolisten, Sängerin Julia Schiminski und dem Rendsburger Bachchor unter Mike Steurenthaler. "So habe ich diesen Chor noch nie gehört", freute sich die Musiktherapeutin Carmen Greiser. Stimmt, denn der Rendsburger Bachchor trat in dieser Form zum ersten Mal unter seinem neuen Leiter auf.

Tango-Klänge erwartet man aufgrund der Geschichte dieses Tanzes nicht in der Kirche. Die ausgewählten Werke entfalteten auch im sakralen Raum ihre Wirkung. So in Piazzollas "Oblivion" mit feinster Stimmungs- und Klangmalerei der fünf Streicher. Das meisterhaft gespielte Bandoneon von Christian Geiger ließ durch lang und farbig ausgedehnte melancholische Klänge schnell den Alltag draußen und das regnerische Wetter vergessen. Obwohl von Gints Racenis sensibel gespielt, wirkten die folgenden Klavier-Solowerke nicht an allen Plätzen wie gewünscht. Die ansonsten herausragende Akustik der Christkirche spielte hier nicht mit.

Die "Misa Tango" verbindet auf besondere Weise liturgischen Gesang in Latein mit Tangorhythmen, die für ihre eigenartige Faszination bekannt sind. Angefangen mit gewaltigem Chorklang aus kräftigen Männerstimmen im "Kyrie", übte Palmeris Vertonung von Anfang an mit kraftvoller Leichtigkeit einen eigenartigen belebenden Sog aus. Akzentuiertes Dirigieren Mike Steurenthalers, der nicht nur präzise Einsätze, sondern auch dynamische Hinweise gab, vermittelte glaubhaft den flehenden Ernst dieser Bitte. Julia Schilinski unterstrich sie noch. Dazu der Chor, das kleine Orchester: Ergreifend. Auch danach mehrfach noch die voll ausgekosteten Schlüsse ("Amen" im "Gloria"), eindrucksvoll die Pause in der Kreuzigungsszene. Die Singe-Klangwelle im "Credo" zeigte befreiten Chorklang der feineren Art.

Mit Mike Steurenthaler hat eine neue Ära der Kirchen-Chormusik an der Christkirche begonnen. Die Faszination des Werks blieb ungebrochen, das "Agnus Dei" setzte mit seiner eindringlichen Bitte um Frieden und zum Schluss gemessenen 15 Sekunden absoluter Stille in der gut besetzten Christkirche den emotionalen Höhepunkt. Mit stehend dargebrachtem Applaus der begeisterten Zuhörer und zwei Zugaben endete ein Konzert, das Geschichte machte.

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