St. Georg-Kirche : Ein kleines „Orgelchen“ beendet den siebenjährigen Jevenstedter Orgel-Streit

Klassische Klänge: Kirchenmusiker Mathias Werner und Pastor Ulrich Ranck mit der Truhenorgel.
Klassische Klänge: Kirchenmusiker Mathias Werner und Pastor Ulrich Ranck mit der Truhenorgel.

Die Nordkirche akzeptiert das neue Instrument – damit ist der Weg frei für die Umgestaltung des Altarraumes.

Matthias Hermann.jpg von
22. Mai 2020, 15:49 Uhr

Der Kirchengemeinderat und Pastor Ulrich Ranck sind erleichtert. Die Diskussion um die Orgel in der St. Georg-Kirche hat einen Abschluss gefunden. Eine neu angeschaffte Truhenorgel fand auch die Zustimmung der Nordkirche. Zuvor hatte es eine über sieben Jahre andauernde Diskussion über Tradition und Moderne in der Kirchenmusik gegeben. Und über allem schwebte die Bestimmung im Kirchengesetz der Nordkirche, dass es neben Altar und Taufbecken, eine Pfeifenorgel geben muss.

Weiterlesen: Moderne Kirchenmusik oder traditionelle Orgel?

„Unser Orgelchen“ nennt Pastor Ranck das Instrument, das aus der Werkstatt der Orgelbaufirma Lothar E. Banzhaf aus Husum stammt. Eigentlich wollte die Jevenstedter Kirchengemeinde die kleine Pfeifenorgel nur einen Monat lang testen, ein wenig „experimentieren“, was in der Kirchenmusik unter Einhaltung der Vorgaben möglich ist. Doch durch mehrere große und kleine Spenden konnte die Orgel, die die kirchenaufsichtliche Genehmigung erhielt, gekauft werden.

Das Instrument hat einen wunderbar warmen Klang, ideal für Hochzeiten, aber auch Trauerfeiern. Zudem passt sie optisch stimmig in den Raum. Mathias Werner, Kirchenmusiker in Jevenstedt
 

Sowohl für Werner, als auch Pastor Ranck ist es allerdings wichtig, dass es nur ein Instrument von vielen ist.

In Psalm 98 steht: Lobet den Herrn mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem Herrn, dem König! Etwas moderner gefasst gehören für uns beispielsweise auch Klavier, Gitarre, E-Bass oder Saxophon dazu. Pastor Ullrich Ranck, Kirchengemeinde Jevenstedt
 

Um eine lebendige Gemeinde und einen lebendigen Gottesdienst zu schaffen, stehe ein Motto über allem: „Gemeinsames Singen statt Musik von oben“. Dafür sei das „Orgelchen“ voll geeignet, im Gegensatz zur alten, großen Pfeifenorgel. Die wäre zwar hervorragend für spezielle Orgelkonzerte geeignet gewesen, nur habe es so etwas nie in Jevenstedt gegeben.

Moderne Kirchenmusik und Sehnsucht nach Orgelklang

Nach der „Verbannung“ der alten Orgel hatte es allerdings Diskussionen gegeben, bei einigen Menschen habe die Sehnsucht nach Orgelklang bestanden. „Für die Tradition spiele ich gerne Orgel. Viele moderne Kirchenlieder sind allerdings für das Klavier komponiert“, erklärt Mathias Werner. Ihm ist es wichtig, möglichst viele Menschen und weitere Instrumente in die Musik mit einzubinden. Durch die authentische, aber auch platzsparende Variante biete sich genug Raum, um gemeinsam zu musizieren.

Schlussstrich – und gleichzeitig ein Startschuss

Da das „Orgelchen“ auch von der Nordkirche für geeignet befunden wurde, ist es ein Kompromiss, der viele Beteiligte glücklich stimmt und für ein Ende der jahrelangen Diskussion sorgen dürfte.

Weg frei: Durch die Lösung der Orgel-Frage kann nun die Altarraumgestaltung angegangen werden - ein heutzutage sehr seltener Vorgang.
Matthias Hermann
Weg frei: Durch die Lösung der Orgel-Frage kann nun die Altarraumgestaltung angegangen werden - ein heutzutage sehr seltener Vorgang.
 

Doch die Anschaffung der Truhenorgel ist nicht nur ein Schlussstrich – gleichzeitig wird dadurch der Weg frei für ein viel größeres Projekt: die komplette Altarraumgestaltung. Dass so etwas heutzutage noch passiert, sei in dieser Größenordnung äußerst ungewöhnlich, bestätigt Ranck. Die Voraussetzung dafür war, dass die Orgel-Frage gelöst wird.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen