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Schwebefähre : Ein Jahrhundert Zuverlässigkeit

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Im Dezember 1913 nahm die Schwebefähre den Betrieb auf. Der Fahrplan ist seitdem unverändert geblieben. Bis heute wurden 600 000 Kilometer zurückgelegt.

shz.de von
erstellt am 09.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Der Schwebefähre merkt man ihr stolzes Alter von 100 Jahren nicht an. Problemlos überquert der Fahrgast mit ihr in 95 Sekunden den Nord-Ostsee-Kanal. Im Dezember 1913 wurde die Fähre in Betrieb genommen. Seitdem transportiert sie zuverlässig Menschen, Tiere und Fahrzeuge – und das nach demselben Fahrplan wie vor 100 Jahren.

„Die Fähre zu bauen, war eine Wiedergutmachung an die Gemeinde Osterrönfeld, weil diese durch den Brückenbau ihren Bahnhof verlor“, erklärt Brückenkontrolleur Friedhelm Heuck. Viele der über 1000 Arbeiter der Carlshütte auf der Nordseite des Kanals kamen aus Schülldorf und Osterrönfeld von der Südseite. Deswegen musste eine Kanalquerung her. Außerdem war für die Milchversorgung ein kurzer Weg vom Land in die Stadt notwendig. Die erste Fähre war wesentlich kleiner als die heutige. Vier Pferdefuhrwerke hatten Platz. An den Seiten gab es einen 50 Zentimeter breiten Gang für die Kutscher.

Um 1913 herum war die Zeit der Stahlbauwerke. Der Flussstahl machte es möglich, stabiler und größer zu bauen. Schwebefähren waren damals keine Seltenheit. „In Kiel gab es eine, die die Werft mit der anderen Fördeseite verband.“ Die Bevölkerung nahm ihre neue Kanalquerung sofort gut an. „Die Schwebefähre war von Anfang an ein Publikumsmagnet und wurde gut frequentiert.“

Dem 53-Jährigen merkt man beim Erzählen die Begeisterung für Brücke und Fähre an. Seit 1987 begleitet er ihre Geschichte. Damals fuhr Heuck selbst zwei Jahre lang die Fähre. Mit an Bord war ein Decksmann, der die Autos einwies und die Schranken bediente. Ein weiterer Mann arbeitete unter der Brücke beim Förderwagen, an dem die Fähre an zwölf Seilen hängt. Zu seinen Aufgaben gehörten das Auswechseln von Teilen und das Ölen der Antriebsmotoren. „Bei Sturm war es aufregend. Es war eine Herausforderung, sanft anzulegen. Durch den Wind hatte sie ordentlich Schwung.“

Die alten Gleichstrom-Maschinen, den Decksmann und den Betreuer des Förderwagens gibt es heute nicht mehr. 1998 erfolgte ein großer Umbau. Ein neues Steuerungssystem und 400-Volt-Wechselstrommotoren für den Antrieb und die Stromversorgung wurden eingebaut. Die Handkurbeln der Schranken tauschte man gegen eine Bedienung per Knopfdruck. Seitdem bedient ein Fährmaschinist Steuer, Schranken und Ampelanlage von seinem Pult aus.

Damals wie heute transportiert die Fähre pro Überfahrt vier Fahrzeuge. Höchstens 100 Fußgänger finden außerdem Platz. Täglich nutzen 340 Fahrzeuge und 1700 Menschen die Fähre, um von Osterrönfeld nach Rendsburg zu gelangen. Im Jahr legt die „alte Dame“, wie sie liebevoll genannt wird, 6 000 Kilometer zurück. Das ist die Strecke zwischen Aarhus und Palermo und zurück. Somit kommt die Fähre auf stolze 600 000 Kilometer in 100 Jahren – oder 15 Umrundungen der Erde.

Weltweit gibt es nur noch acht Schwebefähren, zwei davon in Deutschland. „Es ist schon etwas Besonderes, dass ich mich um Hochbrücke und Fähre kümmern kann. Sie sind schließlich einmalig“, sagt Heuck. Seit 1988 stehen die beiden Bauwerke sowie die zwei Wartehäuschen unter Denkmalschutz.

„Ernsthafte Schwierigkeiten beim Fährbetrieb hat es nie gegeben“, sagt Heuck. Gegen Eisgang und Hochwasser ist sie gewappnet. Bei Sturm entscheidet der Fährmaschinist über eine Einstellung des Betriebs. Die „alte Dame“ arbeitet zuverlässig. Die besten Voraussetzungen also, um die nächsten 100 Jahre achtmal in der Stunde Jung und Alt sicher über den Kanal zu bringen.

 

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