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Aufforstung in Rendsburg : Ein Jahr nach „Christian“

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Orkan beschädigte am Gerhardshain in Rendsburg über 800 Bäume. Die Aufforstung erfolgt mit 10 000 Setzlingen.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Eine kreisförmige Schneise der Verwüstung hinterließ Sturmtief Christian vor genau einem Jahr mitten im Forst am Gerhardshain. Auf einer Fläche von 3,2 Hektar fielen über 800 Bäume aus einem 130 Jahre alten Bestand dem Orkan zum Opfer. Dem Betrachter bot sich ein bestürzendes Bild: „Das war ein absoluter Schock“, erinnert sich der städtische Förster Wilhelm Oeltzen: „Eine Böe des Herbststurms Christian ist mitten durch die Anlage gepfiffen und hat anschließend auf der anderen Seite des Nord-Ostsee-Kanals in Westerrönfeld Fichten umgelegt.“

Auch andere Bereiche Rendsburgs wurden vom Sturmtief im vergangenen Jahr nicht verschont: Weitere 700 Bäume auf einer Fläche von insgesamt zwei Hektar sind am 27. und 28. Oktober 2013 umgeworfen worden. Der Gesamtschaden inklusive der Flächen am Gerhardshain belief sich auf 100 000 Euro. Bei den Aufräumarbeiten mussten Prioritäten gesetzt werden. Zunächst stellten Arbeiter den Zugang zum Krankenhaus sicher, dann räumten sie zügig Straßen und Schulwege frei. Im Nobiskrüger Gehölz und am Gerhardshain wurden Warnschilder aufgestellt. Ein Betreten der Wälder war wegen der Sturmschäden zu gefährlich.

Vor einigen Monaten begannen die Arbeiten im insgesamt 20 Hektar großen Forst am Gerhardshain. Das Holz wurde aufgearbeitet und vermarktet – unter den geworfenen Bäumen befand sich eine große Menge hochwertiges Holz. Darüber, dass die Arbeiten ohne Unfälle abliefen, ist Wilhelm Oeltzen von der Landwirtschaftskammer froh. „Die Aufarbeitung von Sturmholz ist eine gefährliche Geschichte“, so der Förster. Inzwischen ist das gesamte Holz aus dem Gerhardshain verkauft: Der Erlös beläuft sich auf 52 000 Euro.

Um die Aufforstung vorzubereiten, hat eine Spezialfirma das Bruchholz aufgesammelt und entsorgt, dennoch sieht die Fläche am Gerhardshain weiterhin relativ wild aus, aber das ist beabsichtigt. „Normalerweise würde man noch mit einem Mulchgerät über die Fläche gehen. Um die Naturverjüngung nicht zu zerstören, haben wir davon abgesehen“, erklärt Oeltzen. Die Baumstümpfe sollen zudem aus einem weiteren Grund an Ort und Stelle belassen werden: Zukünftige Besucher des Forstes können so sehen, mit welcher Kraft die Natur einwirken kann.

Vor 14 Tagen hat die eigentliche Aufforstung begonnen. 10 000 Setzlinge sollen gesetzt werden. Bei den Pflanzen handelt es sich vor allem um Rotbuchen und Bergahorn. Um eine Mischkultur zu bekommen, werden dazu Stil- und Roteichen gepflanzt. Weshalb die Pflanzen, die mit einem Bohrer von Hand eingesetzt werden, bereits zwei bis drei Jahre alt sind, erklärt Förster Oetzen: „Erstens wachsen sie so schneller aus dem Unkrautbereich heraus, zweitens soll das Gelände nicht eingezäunt werden.“ Wegen der Größe sei die Gefahr vor Verbiss durch Rehe größtenteils gebannt.

Bei der Stadt Rendsburg schlagen die Kosten für die Aufforstung mit etwa 24 000 Euro zu Buche. Unterstützt wird sie durch eine Spende über 5 400 Euro durch das Optiker-Unternehmen Fielmann. Ingo Flemming, Leiter der örtlichen Niederlassung, machte sich vor Ort gemeinsam mit Bürgermeister Pierre Gilgenast ein Bild. Der Bürgermeister sagt: „Für Rendsburg haben Naherholung und Waldflächen eine besondere Funktion. Mit der Aufforstung soll die ökologische Wunde nun wieder geschlossen werden.“

Anfang November werden die Pflanzungsarbeiten beendet sein. In zehn Jahren sind die jungen Bäume bereits so groß, dass sie Besuchern des Waldes angenehmen Schatten spenden.

 

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