Gerettet : Ein Heli zog ihn aus dem Watt

Der Westerrönfelder Uwe Rath.
Der Westerrönfelder Uwe Rath.

Unterwegs von Hallig Habel zum Festland: Vogelschützer Uwe Rath aus Westerrönfeld blieb vor einem Jahr im Schlick stecken.

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05. August 2018, 11:42 Uhr

Westerrönfeld | Sein ganzes Leben hat der Westerrönfelder Uwe Rath (78) in den Dienst seiner Mitmenschen gestellt. 42 Jahre lang arbeitete er bei der Rendsburger Kripo. Seit 18 Jahren engagiert er sich im Weißen Ring. 2012 wählten ihn die Leser der Landeszeitung zum „Mensch des Jahres“. Am 13. August 2017 konnte der Mann, der sonst immer anderen hilft, sich nicht mehr selbst helfen. Bis über die Knie eingesunken stand er im Watt vor der Hallig Habel. Er wählte den Notruf. Kurz darauf kam ein Hubschrauber und rettete den 78-Jährigen. Auch knapp ein Jahr später empfindet er noch „große Dankbarkeit“, wenn er an die Rettung zurückdenkt.

Bevor Rath im vergangenen Jahr aufbrach, wurde er noch gewarnt: „Willst du wirklich gehen? Dieses Jahr ist noch keiner durch das Watt von oder nach Habel marschiert“, sagte Bernd-Dieter Drost vom Verein „Jordsand“, der die kleinste Hallig im nordfriesischen Wattenmeer betreut. Doch Vogelwart Uwe Rath ließ sich nicht beirren. Schon diverse Male hatte er den einstündigen Marsch zwischen der Hallig und dem Festland zurückgelegt. Nie hatte er Schwierigkeiten gehabt. Auf die Hallig hatte er sich zuvor mit einem Boot bringen lassen. Nach zwei Wochen Vogelzählung wollte er den Rückweg zu Fuß bewältigen: „Ich bin doch fit. Da kann doch nichts passieren, sagte ich mir“. Rath geht drei Mal in der Woche laufen, außerdem fährt er regelmäßig Rad.

Um die Mittagszeit marschierte er los, rund eine Stunde vor Niedrigwasser. Die Sonne schien, die Sicht war „sehr gut“, erinnert er sich. Nach einem Anruf bei der „Jordsand“-Zentrale ging er los. Der Wattboden war etwas schlickig und teils knöcheltief. Außerdem drückte der 30 Kilo schwere Reise-rucksack. Doch Rath marschierte weiter. Bei seinen vorherigen Watt-Passagen war der Untergrund auch schwergängig gewesen. Viel Gepäck hatte er ebenfalls stets geschultert.

Doch auf einmal sackte der 78-Jährige mit jedem Schritt tiefer ein. Er guckte nach vorne, dann zurück und merkte: Die Hallig und das Festland waren beide viel zu weit weg. Rath erkannte: „Das schaffe ich nicht“. Er griff zum Handy und wählte die 112.

Schon wenige Minuten später kam ein Hubschrauber der DRF Luftrettung aus Niebüll in Sicht. Kreise um den Wattwanderer ziehend, kam die Maschine tiefer – bis sie nur noch wenige Zentimeter über dem Boden war. Landen war wegen des weichen Untergrunds keine Option.

Bis eine Hand breit über die Knie war Rath mittlerweile im Watt versunken. Der Helikopter kam so dicht, dass Rath die Kufen ergreifen konnte. „Außerdem nahm der Notarzt meinen Rucksack und zog – so landete ich im Hubschrauber“. „Als ich drin war, hab ich laut Danke gesagt – das weiß ich noch.“ Ein Mitglied der Heli-Besatzung kam aus Westerrönfeld: Carsten Dummann. Er und Rath sind seitdem in Kontakt geblieben. Seinen Job als Vogelwart der Hallig Habel hat Rath nach dem Vorfall abgegeben. Das Erlebnis sitze ihm „im Hinterkopf“. Rath hat sich damals an alle Sicherheitsvorschriften gehalten. Trotzdem schaffte er die Passage nicht. Sein Fazit: „Unterschätze nie das Watt“.

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