Kein Anschluss unter... : Ein Handy als Notleitung

Links das Smartphone als Notbehelf, rechts das auf Eis liegende Festnetztelefon: Rechtsanwalt Rolf Spindelhirn hat mit einem Streit in eigener Sache zu tun. Seit dem 1. April ist seine Kanzlei im Provianthaus nur über digitale Umwege zu erreichen.
Links das Smartphone als Notbehelf, rechts das auf Eis liegende Festnetztelefon: Rechtsanwalt Rolf Spindelhirn hat mit einem Streit in eigener Sache zu tun. Seit dem 1. April ist seine Kanzlei im Provianthaus nur über digitale Umwege zu erreichen.

„1&1 Versatel“ koppelte Rechtsanwalt vom Festnetz ab – und verlangte für Rufumleitungen auch noch Geld. Jetzt lenkte das Unternehmen plötzlich ein.

shz.de von
19. Juni 2018, 10:21 Uhr

„1 & 1“ ergibt jede Menge Ärger. Auf diese Gleichung kommt der Rechtsanwalt Rolf Spindelhirn. Zum 1.  April ist er mit seiner Kanzlei etwa 700 Meter Luftlinie innerhalb der Rendsburger Innenstadt umgezogen – aus dem AOK-Gebäude unweit des Schiffbrückenplatzes in die Obereiderstraße 28, bekannt als Provianthaus. Seitdem müssen er und seine Mitarbeiter ohne normale Telefonanlage auskommen. Alle Festnetz-Verbindungen sind tot. Ein Handy dient als Notleitung.

Inmitten eines mehrwöchigen Papierkriegs vertröstete der Anbieter „1 & 1 Versatel“ Spindelhirn und seine Mitarbeiter kürzlich auf Mitte Juli. Erst dreieinhalb Monate nach dem Einzug in die Räume im Provianthaus sollen die Leitungen freigeschaltet werden. Dabei hatte Spindelhirn den Umzug bereits Mitte Februar angemeldet, berichtet er. Am 6. März beantragte er nach Rücksprache mit dem Unternehmen schriftlich einen Neuanschluss. Das sollte reichen, dachte der Kunde. Doch es passierte nichts. „Das haben wir weitergegeben“, lautete nach Spindelhirns Darstellung die immer gleichlautende Antwort aus dem Callcenter des Telefonanbieters. Der Rechtsanwalt war frustriert. „Dann kam der 1. April. Wir sind umgezogen. Und hier war nix. Kein Telefon. Kein Internet“, erzählt der Notar, für den die digitalen Kommunikationswege unverzichtbar sind. Erst Ende Mai lag die schriftliche Auftragsbestätigung von „1 & 1 Versatel“ im Briefkasten. Noch ohne Terminzusage, wann man die Anlage umpolen würde.

Trotz dieser Verzögerung wollte das Unternehmen Geld sehen und zeigte sich unerbittlich. Erst als die Schleswig-Holsteinische Landeszeitung und shz.de sich am Montag mit Fragen zum Fall einschalteten, lenkte „1 & 1 Versatel“ ein. „Bedauerlicherweise kam es aufgrund einer Verkettung verschiedener Umstände bei der Bearbeitung des Auftrags der Kanzlei Rolf Spindelhirn zu Verzögerungen“, so eine Sprecherin. „Derzeit prüfen wir die internen Prozesse, da ein so langer Bearbeitungszeitraum bei uns nicht die Regel ist und auch nicht vorkommen sollte. Wir können uns an dieser Stelle nur bei Herrn Spindelhirn für die Unannehmlichkeiten entschuldigen.“ Selbstverständlich werde man die entstandenen Mehrkosten erstatten. „Wir haben intern sofort einen Mahnstopp eingeleitet. Eine Abschaltung des Anschlusses ist selbstverständlich nicht geplant.“

Mit diesem Schritt hatte eine „1 & 1“-Mitarbeiterin in einem Telefonat mit Spindelhirn noch am 13. Juni gedroht. Einen Tag vor Ablauf eines Ultimatums forderte sie ihn zur Überweisung ausstehender Summen auf – oder der Anschluss werde gesperrt, erinnert sich der Jurist. Der Anwalt zahlte, um den Geschäftsbetrieb nicht zu gefährden. Er teilt sich eine Bürogemeinschaft mit einer Rechtsanwältin. Seit das „Festnetz“ nicht mehr geht, werden alle Gespräche von der angestammten Rufnummer der Kanzlei auf ein eigens für diesen Zweck gekauftes Smartphone umgeleitet. Spindelhirns IT-Dienstleister war auf diese Notlösung gekommen. Doch auch die hat einen Haken. Rufumleitungen kosten Geld. Geld, auf das „1 & 1 Versatel“ nicht verzichten wollte. Der Anbieter stellte auch die Umleitungen in Rechnung. Ebenso die Grundgebühren für Anschlüsse, die noch gar nicht freigeschaltet wurden. Spindelhirn war empört. „Die tun so, als ob hier alles funktioniert.“ Die Mehrkosten für ihn summieren sich inzwischen auf weit mehr als 500 Euro.

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