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Henning Rathjen aus Aukrug : Ein ganzes Leben für die Pferde

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Henning Rathjen ist der siegreichste norddeutsche Trabrennfahrer. Er sieht Züchter als Grund für den drohenden Untergang der Sportart.

shz.de von
erstellt am 24.Feb.2015 | 10:00 Uhr

Aukrug | Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde – oder eben auf dem Sulky dahinter. Wie bei Henning Rathjen. Der Aukruger ist der siegreichste norddeutsche Trabrennfahrer aller Zeiten. 20.000 Rennen ist er gefahren, bei über 5650 hatte sein Pferd beim Zieleinlauf die Nase vorn. Dabei sagt Rathjen von sich selbst, er sei ein Spätzünder gewesen, der Erfolg habe auf sich warten lassen. „Ich war schon immer von Pferden begeistert und wollte nach der mittleren Reife Trabertrainer werden. Meine Eltern fanden aber, dass das kein ordentlicher Beruf sei. So habe ich zuerst Landwirt gelernt und durfte dann Trabertrainer werden“, erzählt der 66-Jährige.

Seine Karriere begann im Jahr 1972. Sein erstes großes Rennen konnte er ein Jahr später in Mönchengladbach gewinnen. „Das war der ‚Große Preis von Radio Luxemburg’. Meinen Preis hat mir Frank Elstner überreicht. Der war damals Moderator bei dem Sender.“ Diesem ersten folgten zahlreiche weitere Erfolge. Darunter das zweifache deutsche Vize-Championat sowie der achtzehnfache norddeutsche Titelgewinn. Insgesamt 13 Millionen Euro hat Rathjen an Preisgeldern gewonnen. „Ein Millionär bin ich deshalb trotzdem nicht“, sagt Rathjen und lacht. „Als Trainer wird man mit zehn Prozent am Gewinn beteiligt, den Rest bekommen die Besitzer der Pferde.“

Zu den Glanzzeiten des Trabrennsports hat Rathjen zwischen 50 und 60 Pferde auf seinem Hof trainiert. Zwei Lehrlinge und sechs Festangestellte packten mit an. „Es gab Zeiten, in denen ich vier Mal in der Woche bei Rennen angetreten bin“, erinnert sich der zweifache Vater. „Mittwochs in Berlin, samstags in Elmshorn und donnerstags und sonntags in Hamburg-Bahrenfeld.“ Ziehvater und treuer Wegbegleiter war stets Johannes „Hänschen“ Frömming, erfolgreichster Trabrennfahrer aller Zeiten. „Hänschen hat immer gesagt ,Du musst raus aus dem Dorf’. Er wollte, dass wir uns in den USA mit einer Trainieranstalt selbstständig machen. Wir hätten dort das große Geld machen können“, so Rathjen. „Das wäre aber nie gegangen, weil ich ein Holsteiner Jung’ bin und an meiner Scholle klebe“, erzählt der gebürtige Aukruger.

Seine Gabe war, rennbahnmüde und lahme Pferde wieder zu motivieren. Sein Geheimnis: Kneippkuren für die Tiere. Abgeguckt hat er sich das System bei Philipp Allaire, einem Trainer aus Frankreich. Das kalte Wasser zieht Entzündungen aus den Beinen und stärkt die Muskulatur. Gesundheit und die Kraft der Seele seien die wichtigsten Faktoren, um mit den Pferden erfolgreich sein zu können. Deshalb hat Rathjen den jungen Pferden immer viel Zeit gelassen auszureifen, wie er sagt. Den Besitzern zu vermitteln, dass sie Geduld brauchen, sei nicht immer leicht gewesen, habe sich aber gelohnt.

Dass die Glanzzeiten des Trabrennsports vorbei sind, schreibt er genau diesem Punkt zu. „Jede Sportart wird geprägt durch Stars, Idole und Heroes, die das Publikum sehen will. Das Rennsystem, das wir mittlerweile in Deutschland haben, berücksichtigt das nicht.“ Mit Rennen für junge Pferde würde das große Geld gemacht. Stars würden die Tiere aber nie werden, „weil diese rohen Diamanten schon in ihrer Jugend verheizt werden“. Durch dieses System hätten die Züchter den Untergang dieser Sportart eingeläutet. „Vor zehn Jahren haben wir in Deutschland noch 300 Millionen Euro Toto-Umsätze gehabt, heute sind es noch 26 Millionen. Der Sport bricht zusammen“, so Rathjen. Anders sieht es in Frankreich oder Schweden aus. In Frankreich etwa gebe es 9 Milliarden Euro Toto-Umsätze – jedes Jahr. „Pferde sollten alt werden dürfen und nicht in ihrer Jugend so hart rangenommen werden“, ist Rathjens Devise, der sich stets vor Augen geführt hat, dass das Tier nur dann Höchstleistungen bringen kann, wenn es gesund ist. „Hänschen Frömming hat immer gesagt: ,Wenn du ein gutes Pferd mit sehr viel Talent hast, musst du diesem Pferd immer das Gefühl geben, du bist sein bester Freund.’“

Seine Karriere hat Rathjen vor einem Jahr an den Nagel gehängt. „Ich bin jetzt in Rente und trainiere keine fremden Pferde mehr. Vier eigene habe ich aber noch – nur zum Spaß.“ Auf seinem Hof in Aukrug-Homfeld leben außerdem noch Ehefrau Katrin Rathjen-Margraf, deren Tochter Carolin, der gemeinsame Sohn Julius, Kater Eddi und Esel Hajo. Ein großer Teil seines Hofes sei mittlerweile verpachtet. Einige Gnadenbrot-Pferde haben hier ein zu Hause gefunden. So auch Pit Pan, der mittlerweile auf einem Auge nicht mehr sehen kann und Rathjen seinerzeit zu großen Erfolgen geführt hat. Dreht es sich nicht um die Pferde, kümmert sich Rathjen um die Ferienwohnungen auf seinem Hof. „Dieses zweite Standbein haben wir schon seit Jahrzehnten. Bei uns können die Gäste mit Trabern reiten und fahren, wenn sie möchten.“ Ganz ohne geht es eben doch nicht.

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